Leserbriefe

„Dann lieber an den Baggersee“

Leser zur Absicht der Berliner Bäderbetriebe, noch in diesem Jahr die Eintrittspreise zu erhöhen

Wenn die Öffnungszeiten wie im Einzelhandel an die Kundenbedürfnisse angepasst wären, würden sicherlich mehr Menschen in die Freibäder kommen. Wenn zum Beispiel das wunderbare Freibad Humboldthain statt von 9 bis 19 Uhr von 6 bis 22 Uhr geöffnet hätte, würde ich morgens vor der Arbeit und nach der Arbeit mit meiner Begleitung regelmäßig schwimmen gehen. Wenn dazu noch das Wetter die Schwimmsaison bestimmen würde und nicht der Kalender der Bäderbetriebe, wäre dies ein weiterer Schritt, die Einnahmen zu erhöhen. Im vergangenen Jahr öffnete das Freibad Humboldthain „schon“ im Juni und schloss pünktlich im September, obwohl es noch sonnig war. Selbst bei weniger Sonne sind die Sprungtürme, die Rutsche und die Gastronomie im Bad beliebt.

Christian Rötzer, Lichterfelde

Tolle Aussichten. Da kommt so richtig Sommerfreude auf, wenn man das liest. Der Badespaß mit drei Kindern hält sich schon jetzt bei den gegenwärtigen Preisen in Grenzen, nun soll das noch teurer werden. Wo sollen Familien mit geringeren Einkommen bei steigenden Mieten, Fahrpreisen und höheren Kosten in fast allen Lebensbereichen das Geld hernehmen, zumal Löhne und Gehälter nicht entsprechend mitsteigen. Die Folge: Wir werden weiter auf Konsum verzichten und uns im Sommer dann lieber einen Baggersee suchen, der noch nicht verpachtet ist.

Carola Sichting, Neukölln

Ich wohne in unmittelbarer Nähe zum Hallen- und Sommerbad Mariendorf (Ankogelweg). Das Hallenbad schließt am 25. März für fast zwei Monate, das Sommerbad eröffnet voraussichtlich am 12. Mai. Das bedeutet zwei Monate keine Einnahmen durch Eintrittspreise. Hinzu kommt: Das Hallenbad hat den gesamten Montag und Mittwoch wegen Schulschwimmen geschlossen. Nachmittags sind da weit und breit keine Schüler und keine Vereine zu sehen. Wieder keine Einnahmen! Freitags schließt das Bad um 15.30 Uhr, Sonnabend und Sonntag um 14.30 Uhr. Und wieder keine Einnahmen! Wie wäre es denn, angemessene Öffnungszeiten für Berufstätige und für Familien mit Kindern – Montag bis Sonntag von acht bis 22 Uhr – anzubieten, schon so könnten die Einnahmen erhöht werden. Die Unterhaltskosten blieben gleich, geheizt werden muss immer, und Personal dürfte doch ausreichend vorhanden sein, bei der Anzahl an geschlossenen Berliner Schwimmbädern!

Heike Amos, Mariendorf

Volle Rentenkassen zur Rettung von Banken und Staaten

Zum Artikel: „Kommission empfiehlt länger Arbeitszeit“ vom 18. März

Die Rente mit 69 muss bis zum Jahr 2060 umgesetzt werden, damit Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität gewährleistet bleiben. Diese Weisheit stammt aus dem Abschlussbericht der Enquetekommission des Bundestags und nicht aus einem Science-Fiction-Roman, wo der ausgebeutete und gestresste Burn-out-Mensch 2060 den Tod am Arbeitsplatz sterben muss. Da jubeln die Sozialpolitiker der neoliberalen Fraktion und freuen sich über volle Rentenkassen, die nun zur Rettung von systemrelevanten Banken, Staaten und Unternehmen weiter geplündert werden können.

Roland Klose, per E-Mail

Nur noch Wasserbetten hätten gefehlt

Zum Artikel: „Der luftig-bunte Knast am Heidering“ vom 17. März

Da wird nach über 15-jähriger Planungs- und Bauzeit für 118 Millionen ein Super-Gefängnis für 648 Straffällige gebaut. Es fehlt an keinerlei Komfort. Vielleicht hätte man die Wohneinheiten (Zellen kann man ja wohl nicht sagen) noch mit Wasserbetten oder Fußbodenheizung ausstatten können. 118 Millionen in ein derartiges Projekt zu investieren ist pure Verschwendung von Steuergeldern. Hier einzusitzen kann keine Strafe sein, sondern ist eher mit einem Abenteuer- oder Erlebnisurlaub zu vergleichen. Den Herrschaften geht es besser als Tausenden Bürgern, die tagtäglich einen Kampf gegen hohe Mieten und andere ständig weiter steigende Lasten führen.

Peter Otto, Kleinmachnow

Helden, die von ihrer Arbeit kaum leben können

Zur Beilage „Innungen in Berlin und Brandenburg“ vom 15. März

Die Überschrift „Handwerker sind Helden“ hätte nicht besser und tiefsinniger gewählt werden können. Sie würdigt die zum Wohle aller schaffenden Menschen. Dass sie gesucht werden, sollte normal sein, denn Helden findet man nicht in der Schublade. Gute Handwerker bekommen oft nicht für ihre Leistungen so viel Entlohnung, dass sie davon das tägliche Leben frönen können.

Franz Kattillus, Pankow