Leserbriefe

„Ein Ausdruck unseres Glücks“

Leser zur East Side Gallery und zur Bedeutung des Mauerstücks für die einst geteilte Stadt

Die einstige scheußliche graue Wand, die zu besonderen Anlässen gelegentlich frisch gestrichen wurde, war undurchsichtige Trennlinie zwischen den größten politischen Systemen, die es je in der Menschheitsgeschichte gab. Sie wäre fast zum Symbol des Untergangs der Menschheit geworden, wenn es nicht in letzter Minute Gorbatschow gegeben hätte. Die East Side Gallery als Ausdruck unseres Glücks darf, so wie viele andere Stätten, in ihrer Einmaligkeit nicht städtebaulichen Planungen und Wohnungen der besonderen Art geopfert werden. Dieses Areal sollte in seiner Gesamtheit gestaltet und der Nachwelt erhalten bleiben.

Horst Kunzelmann, per E-Mail

Die East Side Gallery hat doch mit der Teilung Berlins so viel gemein wie das Gefängnis in der Operette „Die Fledermaus“ mit einer echten Haftanstalt. Wird hier nicht echte Erinnerung sogar behindert? Die Bemalung entstand doch erst, nachdem sie ihren Teilungszweck verloren hatte. Und die aus der Erleichterung heraus entstandenen Gemälde sind doch schon lange dahin. Sie sind unter anderem von Schmierfinken übermalt und zerstört worden. Warum nun also der Aufstand für eine Kopie?

Heide Binner, per E-Mail

Es ist unglaublich, dass diese Mauer abgerissen werden sollte. Jetzt lese ich, dass der Bauherr entschädigt werden muss. Ich frage mich, wieso konnte er überhaupt einen Bau genehmigt bekommen? So viel Verantwortungslosigkeit stinkt ja zum Himmel. Die Mauer gehört unmittelbar zu unserer erlebten Geschichte, das kann nicht einfach vernichtet werden. Das Schloss in Berlin wird wieder aufgebaut – auch wegen unserer Geschichte, weil es einfach abgerissen wurde. Derer Beispiele gibt es sehr, sehr viele, muss da noch die Mauer dazukommen? Und geht jetzt es nur noch ums Geld, um Profit. Ich wohne weit weg, stand hüben und drüben vor diesem Monster „Mauer“ – es macht traurig zu sehen, dass einfach aus Gier weggeworfen wird, was uns an dieses unmenschliche System erinnert und niemals vergessen werden sollte.

Brigitte Kiblitsky, per E-Mail

Wenn der jetzt kritisierte Bezirksbürgermeister Franz Schulz Grundstücksverträge unterzeichnet, ist das eine pflichtgemäße Leistung, die ihm vom Senat vorgegeben wurde oder sein Amt verlangt. Persönlich ist es sein gutes Recht, eine private Meinung zu haben und diese auch zu veröffentlichen. Peinlich ist die Angelegenheit für den Senat, wenn dieser seine verschiedenen Dienststellen selbst nicht unter einen Hut bringen kann, um solche doch vorhersehbaren Probleme im Vorfeld zu unterbinden. Es gibt ja wohl so etwas wie Stadtplanung und Bauleitplanung.

Jochen Gasch, Prenzlauer Berg

Eher ein Mini-Bond-007 als „Tatort“-Niveau

Zum Artikel: „Schweiger nuschelt alle in den Schatten“ vom 12.März

Jetzt ist es jedem klar, warum so viel Werbung vor Sendung des „Til-Schweiger-Tatorts‘“ gemacht wurde. Das Ganze ist unglaubwürdig, die Sprachmöglichkeit sehr begrenzt, und der Dialog meistens nur zu erraten, ebenso die Piepsstimme seiner Tochter. Insgesamt ein Mini-Bond-007, aber kein „Tatort“-Niveau.

Lutz-Peter Schmitz, Mitte

Die beste Einschaltquote seit 20 Jahren! Ist dies die entscheidende Größe für das öffentlich-rechtliche Fernsehen? Für diese Premiere von Til Schweiger als „Tatort“-Kommissar wurde im Vorfeld ja tüchtig die Werbetrommel gerührt und entsprechend bebildert. Er startete als wohl bisher einziger Kommissar seinen Einsatz sofort in Rambo-Manier mit einer Schnellfeuerwaffe. Das spricht offensichtlich – leider – junge Zuschauer an und begründet so bei diesen offensichtlich das gleiche Interesse wie die elektronischen „Ballerspiele“. Auffällig in „Tatort“-Filmen ist inzwischen auch die Herausstellung der Opferschäden in abscheulichen Detailaufnahmen von Verstümmelungen und blutenden Verletzungen.

Dieter Bredow, per E-Mail

Wieder eine versteckte Rentenkürzung

Zum Artikel. „Deutsche sollen erst mit 69 in Rente gehen“ vom 12.März

Das sind ja gute Aussichten. Wenn man sich vorstellt, dass einem ein 69-Jähriger mit einem 40-Tonner mit Gefahrgut auf der Straße entgegenkommt, der einen Herzanfall erleiden könnte, kann einem schon angst und bange werden. Aber auch der Schornsteinfeger, der Maurer und die meisten anderen körperlich anstrengenden Handwerksberufe können doch gar nicht mehr in diesem Alter ordentlich ausgeübt werde. Also wieder eine versteckte Rentenkürzung.

Dieter Fath, Lichtenrade