Leserbriefe

„Bloß keine Luxuswohnungen“

Leser zu den Plänen des Senats für die künftige Bebauung des Tempelhofer Feldes mit Wohnungen

Sind die Planer für die Nachnutzung des Geländes des ehemaligen Flughafens Tempelhof weltfremd, oder verschließen sie bewusst die Augen vor der Verkehrsentwicklung in Tempelhof? Der Tempelhofer Damm, die Bundesstraße 96, ist zunehmend schon jetzt stundenlang am Tage zugestaut. Und wenn irgendwann der neue Flughafen BER tatsächlich an den Start gehen sollte, wird der Tempelhofer Damm als wichtigste Verbindung von der ebenfalls stark benutzten Autobahn in die City völlig überlastet sein. Wenn dann noch Tausende Besucher der Bibliothek und Einwohner der Neubauten die Straße nutzen wollen, wäre das Chaos vollendet. Allen, die immer wieder von der angeblich verkehrsgünstigen Lage der Bibliothek schwärmen, sei ein Ortstermin auf dem Tempelhofer Damm am Autobahnkreuz beispielsweise werktäglich in den Morgenstunden und dann zwischen 14 Uhr und 18 Uhr empfohlen.

H. v. Pruzychowski, Tempelhof

Beim Senat lässt man nicht locker und besteht weiterhin auf einer Bebauung des Tempelhofer Feldes mit einer total überflüssigen, überdimensionierten Landesbibliothek. Ich verstehe nicht, dass bei dem derzeitigen teuren unübersehbaren Schlamassel des BER und der Staatsoper bei einem solchen überflüssigen Bauwerk überhaupt ein teurer Wettbewerb gestartet wird. Als wenn Berlin keine anderen Sorgen hätte. Scheinbar ist dem Senat entgangen, dass es Internet und andere technische Neuheiten gibt, die einen solchen Bau überflüssig machen. Die geplante Bebauung am Flughafengebäude ist schon aus Denkmalschutzgründen ungeeignet und lässt das Ursprungsbauwerk schlicht in Profanität versinken. Etwas mehr Achtung gegenüber dem ursprünglichen Flughafen sollte schon bestehen. Neben einem Park soll auch ein See realisiert werde. Da sollte man aufpassen, dass dort nicht ein zweites Hundeauslaufgebiet wie am Grunewaldsee entsteht. Man kann nur hoffen, dass bei der geplanten Randbebauung keine Luxuswohnungen entstehen. Dann nämlich könnten die Mieter des angrenzenden Schillerkiezes ihre Koffer packen, weil auch die Mieten dort für sie kaum noch bezahlbar seien dürften.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Man kann dieses laufende Gefasel über Luxuswohnungen in Berlin nicht mehr hören. Bei vielen Gegnern von diversen Wohnbebauungen in der Stadt sind anscheinend schon eine innen liegende Toilette, eine Dusche, eine Einbauküche und ein Balkon maßgebliche Anzeichen für eine Luxuswohnung. Abgesehen davon haben wir genug einfachen Wohnraum in Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen. Für vier Euro pro Quadratmeter kann man nun mal nicht erwarten, in der City wohnen zu dürfen.

Christian Hahn, Friedenau

Spagat zwischen Weltstadt und musealem Posemuckel

Zum Artikel: „Kompromiss bei East Side Gallery: Mauer bleibt – Investor darf bauen“ vom 8. März

Vier Millionen Euro für einen Ameisenlaufsteg über die Spree – das passt irgendwie zu Berlin. Den Spagat zwischen Weltstadt und musealem Posemuckel werden die politisch Verantwortlichen hier wohl niemals hinbekommen. Dabei wäre es doch so einfach: Die East Side Gallery ist ein schnödes Stück ehemaliger Berliner Mauer, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die Tatsache, dass sie mehr oder weniger schön bemalt ist, steht dem geschichtlichen Wert wohl eher entgegen. Wer das Ding unbedingt erhalten will, soll es doch auf das Gelände des geschlossenen Flughafens Tempelhof stellen, ebenso ein Schandmal Berliner Politik. Da passt sie hin. Ansonsten gilt: Die Mauer muss (kann) weg!

Rainer Girbig, per E-Mail

Vorklassen sind auf jeden Fall der bessere Weg

Zum Artikel: „Brandenburg will früher einschulen“ vom 5. März

Bei aller Erkenntnis und dem guten Willen müsste die Landesregierung ihr Votum sofort umsetzen. Zwar sind die Anmeldungen für das kommende Schuljahr bereits längst gelaufen, aber man kann durchaus nicht schulreife oder nicht schulfähige Kinder mit Beginn in eine Vorklasse geben. Dazu müssen diese aber auch vorhanden sein. Das wäre aber ehrlicher. Sonst gehen wieder zwei Jahrgänge in die Früheinschulung, und diverse Kinder bleiben auf der Strecke. Berlin hat die Vorklassen abgeschafft. Die SPD sträubt sich weiterhin, diese wieder einzuführen. Jetzt eine Studie dazu in Auftrag zu geben, von der das Ergebnis bekannt ist, ist sinnlos. Das Geld könnte man an anderer Stelle im Bildungsbereich einsetzen. Es wundert einen doch schon, dass Berlins Bildungssenatorin die Aussagen vieler Eltern, Lehrer und Experten zum Thema Früheinschulung nicht ernst nimmt. Unsere Grundschulen wären froh, wenn man es ihnen ermöglicht, Vorklassen einzurichten.

Harald Graaf, Zehlendorf