Leserbriefe

„Bis auf die Knochen blamiert“

Leser zur Entscheidung von Ex-Fraport-Chef Bender, nicht als Berater für den BER tätig zu werden

Dass Wilhelm Bender keinen Bock auf Berlin, den BER und den zerstrittenen Hühnerhaufen im BER-Aufsichtsrat hat, ist verständlich. Mit dem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates hat sich unter Matthias Platzeck wirklich nichts verbessert. Anstatt für Ruhe zu sorgen, hat er noch mehr Unruhe in dieses verfahrene Großprojekt gebracht. Einen neuen Flughafenchef unter diesen Bedingungen zu finden wird äußerst schwer. Wie lange der versierte Technikchef Horst Amann die Mehrfachbelastung aus- sowie dem internen und öffentlichen Druck noch standhält, bleibt abzuwarten. So hoch ist sein Gehalt (Schmerzensgeld) nun auch nicht, dass er dieses Spiel ewig mitspielt. Auf jeden Fall ist nach der Absage von Bender eines klar: Ein neuer Flughafenchef wird deutlich teurer.

Burkhard Wild, per E-Mail

Es ist schon eigenartig in diesem Land. Da wird sich aufgeregt über ein Berater-Tageshonorar von 4000 Euro. Wenn aber ein Fußballstar bei einem Jahresgehalt von zwei Millionen Euro pro Tag somit 5479 Euro verdient, wird nichts gesagt. Im Gegenteil, ihm wird noch zugejubelt. Fachleute haben ihren Preis, und mit dem Problembau BER macht man sich im Moment keine Freunde. Andererseits ist auch richtig, dass der Steuerzahler wissen muss, wo sein Geld bleibt.

Thomas Kramer, per E-Mail

Die Schmerz- und Toleranzgrenze ist überschritten. Um das Desaster am Flughafen BER in den Griff zu bekommen, hilft nur ein Volksbegehren zur sofortigen Ablösung des Aufsichtsrats.

Klaus Geschwandner, Tegel

4000 Euro sind als Tageshonorar durchaus üblich, übrigens auch bei einem guten Rechtsanwalt. Mich wundert nur, wie solche Dinge in der Öffentlichkeit gehandelt werden und wegen der Neiddebatte letztlich ein guter Kandidat verprellt wird. Das Hickhack des Aufsichtsrates muss jetzt wirklich ein Ende haben, damit sich Berlin nicht bis auf die Knochen blamiert.

Christoph Luban, per E-Mail

Ich komme gerade zurück aus einem Urlaub in Brasilien mit vielen Gesprächen über Berlin. An erster Stelle stand immer die Diskussion um den BER. Hierbei mussten wir leider ständig das wachsende Misstrauen in die Fähigkeiten der Deutschen feststellen. Es ging nie um Einzelheiten des Flughafendebakels, es ging immer darum: „Wie kann so etwas in Deutschland passieren? Wir hatten immer Vertrauen in deutsche Planung und Organisation.“ Ich halte diese Meinung für unsere Wirtschaft und unseren Export für äußerst gefährlich. Wir sollten im Ausland sehr gezielte Maßnahmen zur Verbesserung des Image ergreifen und die Marke „Made in Germany“ nicht verkommen lassen.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Ungleichgewicht bei der Entlohnung gefährdet den sozialen Rechtsstaat

Zum Artikel „Politiker wollen Managergehälter deckeln“ vom 5. März

Deutschland ist eine Klassengesellschaft, wenn es um Lohn und Gehalt geht: VW-Vorstand Martin Winterkorn bekommt pro Jahr 14,5 Millionen Euro, eine Friseurmeisterin in Thüringen ein Netto-Monatsgehalt von knapp 750 Euro, ein Arbeitsloser oft nicht einmal 400 Euro im Monat. Irgendwann fliegt uns unser sozialer Rechtsstaat um die Ohren, weil die soziale Ungerechtigkeit und die ungerechte Entlohnung von Arbeitnehmern mit all den Minijobs und Niedriglohnsektoren, von denen kein Mensch mehr über die Runden kommen kann, keine Grenzen mehr kennen. Von der drohenden Massenaltersarmut in ein paar Jahren ganz zu schweigen.

Albert Alten, per E-Mail

Aussagen über die Urlaubskosten sind zu wenig differenziert

Zum Artikel: „Deutsche wollen mehr verreisen und mehr Geld ausgeben“ vom 4. März

Der Artikel lässt viele Fragen offen. Wie lange dauert denn so eine Fernreise für durchschnittlich 4000 Euro, und sind da schon Nebenkosten enthalten? Meine Frau und ich verreisen jedes Jahr, oft auch in die USA. Da sind 4000 Euro für zwei Personen bei zwei oder drei Wochen Reisedauer nicht viel. Denn Essen und Trinken sind gerade bei Nordamerikareisen in der Regel nicht enthalten. Da schlägt ein halber Liter Bier schon mal mit 8,50 Dollar zu Buche. Ein normales Abendessen in Key West kann 100 Dollar für zwei Personen kosten, ohne Getränke. Bezahle ich mein Essen dann auch noch mit Kreditkarte statt bar, werden automatisch 15 bis 20 Prozent Trinkgeld mit abgebucht – egal, ob der Service gut oder schlecht war. Wir kennen viele Menschen, die sich trotz guten Einkommens derartige Reisen niemals leisten können. Für die ist schon ein Trip in die Türkei oder nach Bulgarien fast unbezahlbar.

Ralf Müller, per E-Mail