Leserbriefe

„Nur Mittel zum Zweck“

Leser zu den Problemen in der Patriot-Kaserne der Bundeswehr im türkischen Kahramanmaras

Die Türkei hatte zum eigenen Schutz um die Entsendung deutscher und anderer Soldaten von Nato-Partnern gebeten. Erschreckend sind die Nachrichten darüber, wie unsere Soldaten in der Türkei behandelt werden. Hier kann es nur einen Schluss geben, ohne lange zu debattieren und zu diskutieren: Die deutschen Soldaten müssen einschließlich aller Ausrüstung sofort nach Deutschland zurückgeholt werden.

Klaus Braetsch, Glienicke

Die Beschwerden deutscher Soldaten über die Verhältnisse in der Türkei sprechen ihre eigene Sprache. Da sollen deutsche Soldaten mithilfe von modernsten Raketenstellungen türkisches Territorium vor Angriffen aus Syrien schützen, und dann wird zum Beispiel eine Feldjägerin von Offizieren des Heimatlandes im Dienst tätlich angegriffen. Wenn dies tatsächlich zutreffen sollte, wäre das ein sehr ernster Vorgang. Von den anderen Beschwerden, die der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages den zuständigen Stellen mitgeteilt hat, einmal abgesehen. Der Vorgang zeigt, wie problematisch die Zusammenarbeit selbst mit Nato-Partnern ist. Man muss sich gut überlegen, ob man künftig wirklich jedem Wunsch für einen Auslandseinsatz nachkommen kann und ob nicht das Wohl unserer Soldaten bei derartigen Missionen stärker berücksichtigt werden muss. Eines steht fest: Wenn das so weiterläuft, sollte man das Waffensystem samt Personal besser früher als später wieder zurückbeordern, schon wegen der Fürsorge, die auch bei solchen Einsätzen beachtet werden muss. Das Ziel der Mission steht auf der Kippe.

Christoph Luban, per E-Mail

So ist es halt in unserer Republik. Soldaten erfüllen militärische Aufgaben für die Politik. Wie es ihnen dabei geht – besser gesagt ergeht –, ist von sekundärer Bedeutung. Schauen wir doch mal zu unserem wichtigsten Verbündeten, den Vereinigten Staaten von Amerika. Befinden sich dort Soldaten im Auslandseinsatz, dann wird zuerst eines gemacht: Es wird ein Lager aufgebaut, das als „Klein Amerika“ bezeichnet werden kann. Wenn schon weit weg von zu Hause, dann soll den Soldaten zumindest ein relativ gewohntes Umfeld geboten werden. Davon sind unsere politischen Verantwortlichen noch weit entfernt, dies zu realisieren. Die Soldaten unserer Bundeswehr sind eben nur Mittel zum Zweck.

Oberstleutnant a. D. Joachim Weiß, per E-Mail

Es ist unglaublich, wie menschenunwürdig unsere Soldaten in der Türkei behandelt werden. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bittet uns um Hilfe, und vor Ort werden die deutschen Soldaten mit Missachtung und geringster Wertschätzung behandelt. Nicht zu vergessen ist der Vorfall, dass eine kontrollierende deutsche Soldatin von einem türkischen Militärangehörigen nach vorangegangenem verbalem Streit körperlich verletzt wurde.

W.-D. Braun, Kladow

Es wird ihr damit auch ihre Würde zurückgegeben

Zum Artikel: „Gedenktafel am Wohnhaus von Rosa Luxemburg“ vom 2. März

Am früheren Wohnhaus von Rosa Luxemburg an der Wielandstraße 23 soll endlich eine Gedenktafel enthüllt werden. Damit wird nicht nur an diese Frau – gleich wie man zu ihr politisch stehen mag – zu Recht erinnert. Es wird ihr damit auch ihre Würde zurückgegeben nach der würdelosen Vermarktung ihrer Leiche vor wenigen Jahren. Die Würde eines Menschen geht über den Tod hinaus. So habe ich es jedenfalls immer in der Vorlesung den Studierenden gesagt. Angeblich lag die Leiche von Rosa Luxemburg über Jahrzehnte als kopflose „Fettwachsleiche“, der auch Hände und Füße fehlten, im Museum der Charité an der Hannoverschen Straße. Diese Behauptung konnte allerdings nie bewiesen werden. Wie auch? Die Leiche von Rosa Luxemburg ist 1919 von dem damals sehr berühmten Berliner Gerichtsmediziner Prof. Strassmann obduziert worden. Die Unterlagen dazu liegen noch heute, für jeden einsehbar, im Freiburger Militär-Archiv vor, aber auch im Geheimen Staatsarchiv in Dahlem. Die „Museums-Leiche“ zeigte keine Zeichen einer inneren Leichenschau. Sie ist inzwischen nach gerichtlicher Obduktion unter „unbekannt, weiblich“ bestattet worden.

Prof. Dr. Volkmar Schneider, Lichtenrade

Zickenkrieg beweist den Niedergang des Konservativen

Zum Thema: „Homo-Ehe: Gleichstellung spaltet Koalitionsparteien“ vom 3. März

Der Zickenkrieg um die Homo-Ehe beweist den Niedergang des Konservativen. Insbesondere die CDU und die katholische Kirche können ein Lied davon singen. Wer die Homo-Ehe zulässt, braucht sich nicht zu wundern, wenn jetzt die völlige rechtliche Gleichstellung mit der herkömmlichen Ehe gefordert wird. Wer A sagt, muss auch B sagen.

Roland Klose, per E-Mail