Leserbriefe

„Pädagogen haben gewarnt“

Leser zur Schulreform und zum Scheitern vieler Kinder, die mit fünfeinhalb Jahren eingeschult werden

Nachdem das Einschulungsalter abgesenkt wurde, stellen die Verantwortlichen plötzlich fest, dass diese Maßnahme zu Problemen sowohl für die Kinder als auch für die Schulen geführt hat. Nun rudert man kräftig zurück und will eine wissenschaftliche Untersuchung darüber anstellen. Berlin hatte ein vorbildliches, gut funktionierendes Vorschulsystem. Kinder konnten mit fünf Jahren eine Vorklasse besuchen und wenn sie sich nach der Einschulung als noch nicht schulreif erwiesen, diese Vorklasse nochmals besuchen. Dieses System, obwohl es sich über Jahrzehnte bewährt hatte, wurde ersatzlos abgeschafft. Schon damals haben erfahrene Pädagogen vor einer verfrühten Einschulung gewarnt. Jetzt erleidet eine steigende Zahl von Kindern in der ersten Klasse Schiffbruch, ohne dass eine Auffangeinrichtung zur Verfügung steht. Man fragt sich, was das für verantwortungslose Politiker sind, die ihre kruden Bildungsvorstellungen auf dem Rücken und auf Kosten von Kindern realisieren. Es gibt keinerlei Studien gibt, die belegen, dass eine frühe Einschulung den Lernerfolg der Kinder steigert. Eher ist das Gegenteil der Fall. Es wäre ein erfreuliches Zeichen von Verantwortungsbewusstsein, wenn die Schulsenatorin die Fehler der Schulreform von 2004 korrigieren würde.

Peter Barth, Zehlendorf

Allein, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist, darf als typisch für das Versagen der Berliner Politik gelten. Es wird nicht mehr nachgedacht, nicht mehr auf vernünftige menschliche Argumente gehört. Nein, da geht es um „Pisa“, dessen Aussagekraft man außerdem anzweifeln darf. Es geht um Statistik und ein Bild, in dem sich die Politik sonnen darf, aber nicht um die Bürger und in diesem Fall um deren Kinder. Denn wäre das so, hätte man die sinnvolle Vorschule beibehalten. Vor allem aber hätte man endlich durchgesetzt, dass alle Kinder die Kita besuchen. Sie früher, also schon mit fünfeinhalb Jahren in die Schule zu schicken, ist ein psychologischer Irrsinn. Über den Wert einer harmonischen Kindheit wird schon gar nicht mehr geredet, da müssen mathematische Leistungskriterien ran. Die Brandenburger darf man beglückwünschen, diesen Unsinn wieder zurückgenommen zu haben.

Sybille Warnke, Reinickendorf

Senat hat jahrelang dem Zerfall zugeschaut

Zum Artikel: „Sanierung öffentlicher Gebäude kostet Berlin sechs Milliarden Euro“ vom 1.März

Plötzlich kostet die Sanierung öffentlicher Gebäude vier Milliarden Euro mehr als geplant. Jahrelang sah unser Senat zu, wie alles marode wurde. Bloß kein Geld ausgeben. Jeder Mensch weiß, dass eine Sanierung immer teurer wird, wenn man dem Zerfall zuschaut. Das gilt für alle Bereiche. Ob in Gebäude oder in die öffentliche Sicherheit, es muss investiert werden. Aber der Senat schaut nur weiter zu. Wichtiger sind ja das Stadtschloss und die Bibliothek. Auch den „Pleiten-BER“ haben wir diesem Senat zu verdanken.

Wolf-Dietrich Braun, per E-Mail

Das sind wieder einmal schöne Zahlen, die uns der Senat da präsentiert. Unter Milliarden geht ja kaum noch was. Ich würde gern wissen, wie diese Bedarfsrechnung zustande kommt. Aber anscheinend nehmen die Abgeordneten die „Expertenvoranschläge“ so hin, ohne zu prüfen, was davon wirklich sinnvoll ist oder nicht. Die Wirksamkeit der energetischen Sanierung ist sowieso fraglich. Da werden häufig die natürliche Belüftung und der Sauerstoffaustausch der Gemäuer verhindert, auf die entstehenden Schäden darf man warten. Wir werden dann irgendwann wieder die Fenster weit aufreißen müssen. Es gibt wichtigere Baustellen in Berlin.

Jürgen Zartmann, Tempelhof

Die East Side Gallery ist in der Welt bekannt

Zum Artikel: „Menschenkette schützt die Mauer“ vom 1. März

Wieder einmal werden wirtschaftliche Interessen vor Geschichte gestellt. Touristen reisen wegen der East Side Gallery in unsere Stadt. Sie ist ein Bauwerk, das in der Welt bekannt ist. Was machen wir? Wir machen einen Teilabriss. Was macht Klaus Wowereit? Nichts! Kultur ist seine Passion.

Norbert Jurk, Frohnau

An der Reinheit sollte sich nichts ändern

Zum Artikel: „Budweiser soll gepanscht haben“ vom 28. Februar

Wenn man das Bier nicht mehr auf traditionelle Art braut, sondern zuerst mehr Stammwürze zusetzt und es dann wieder verwässert, kann dabei nicht Gutes herauskommen. Wir erinnern uns noch alle gut an das Versprechen bei der Übernahme, es werde sich am Brauprozess und an der Reinheit nichts ändern. Und jetzt?

Regina Kröning, Spandau