Leserbriefe

„Lärm gehört zur Großstadt dazu“

Leser zu der Internetaktion des Senats, „Leises Berlin“, an der sich 3000 Betroffene beteiligt haben

Auch dem Naivsten sollte bei seiner Wohnungswahl klar sein, dass im Zentrum einer Stadt der Geräuschpegel höher ist als außerhalb. Wer sich also in der City über Lärm beschwert, muss sich fragen lassen, warum er dort hingezogen ist. Offenbar will er die Vorteile einer Stadtwohnung genießen, ohne deren Nachteile in Kauf zu nehmen. Das hört sich wie eine unlösbarer Konflikt an. Tatsächlich aber ließe sich die Lärmsituation mit geringem Aufwand lindern. Zahlreiche Tempo-30-Abschnitte auf Hauptstraßen zwingen die Fahrzeugführer zur Langsamfahrt. Die bringt mehr Lärm mit sich, der auch noch länger anhält. Wenn man sich dann noch in der Verkehrsverwaltung dazu durchringen könnte, die nachts nicht erforderlichen Ampeln abzuschalten, könnte man Strom sparen und würde so einen ungestörten Verkehrsfluss ermöglichen.

Bernhard Bergmann, Britz

Offenbar hat sich Stadtentwicklungssenator Michael Müller eine neue Taktik einfallen lassen, unzufriedene und lärmgeplagte Bürger ruhigzustellen: Im Internet viel Bla-Bla, aber wenn es Möglichkeiten gibt, etwas zu tun, kommt das Totschlagargument „kein Geld“. Dabei gibt es gegen Lärm viele Vorschläge, etwa den ÖPNV zu stärken, um dem drangsalierten Autofahrer eine Alternative zu bieten. Für die Strafzahlungen der S-Bahn könnte mehr Regionalverkehr bestellt werden, weil nur der dem motorisierten Individualverkehr überlegen ist. Es sollte auch keine weiteren Fahrpreiserhöhungen geben, besonders nicht beim Kurzstrecken-Ticket. Denn Gelegenheitskunden zahlen schon jetzt pro Fahrkilometer mehr, als der Unterhalt für einen Mittelklasse-Pkw pro Kilometer kostet, nämlich etwa 60 Cent. Damit vergrault man potenzielle Kunden.

Jürgen Czarnetzki, Spandau

Der Artikel hat bei mir großes Unverständnis hervorgerufen. Da regen sich Leute über die Lärmemission der Buslinie 263 auf, die am Sonnabend nur stündlich und sonntags sogar nur alle zwei Stunden verkehrt, über den Dreck und Lärm aus einem S-Bahn-Tunnel, der bereits seit 1936 in Betrieb ist, und über den Individualverkehr auf den Straßen sowieso. Das hier ist die Metropole Berlin und nicht ein weiterer Teilnehmer am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Das Umland bietet Ruhe und Platz im Überfluss, einem Umzug dorthin steht also nichts im Wege.

Alfons Schöps, Wilmersdorf

Angeblicher Luxus ist vielerorts schon seit Längerem Standard

Zum Artikel: „Einschränkung für Luxussanierung und Ferienwohnungen“ vom 22. Februar

Bei den Grünen-Politikern – Baustadtrat Jens-Holger Kirchner aus Pankow und Bürgermeister Franz Schulz aus Friedrichshain-Kreuzberg – kann man sich nur wundern, was die unter Luxussanierung verstehen. Eine Einbauküche, Doppelhandwaschbecken und separate Dusche sollten heute überall Standard sein, diese sind auch günstig zu beschaffen. Wie weltfremd sind diese beiden Politiker eigentlich? Wollen sie wieder zurück in das 18. Jahrhundert, als das Klo noch auf halber Treppe war, mit Kohleöfen geheizt und gekocht und in der Zinkbadewanne gebadet wurde? Auch die energetische Sanierung ist kein Luxus. Dass etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund ein Drittel des CO2-Ausstoßes auf Gebäude entfallen, sollte gerade den Grünen-Politikern nicht entgangen sein. Schlecht gedämmte Häuser sind die reinsten Energiefresser.

Klaus Okrafka, per E-Mail

In Berlin fehlen schon jetzt 40.000 Sozialwohnungen. Wo sollen die Berliner hin, die für eine 38-Quadratmeter-Wohnung an der Kastanienallee in Prenzlauer Berg nicht die geforderte Miete von 550Euro pro Monat zahlen können? Wo sollen diejenigen Menschen hin, die Kinder haben und deshalb mehr als 38 Quadratmeter benötigen? Wo sollen Geringverdiener wohnen? Sollen die künftig alle obdachlos werden?

Ursula Schmohl, per E-Mail

Das Bio-Siegel hat durch derartige Betrügereien seine Unschuld verloren

Zum Artikel: „Ermittlungen: Millionen Bio-Eier falsch deklariert“ vom 25. Februar

Wo Bio draufsteht, sollte auch Bio drin sein. Das gilt seit ein paar Tagen nicht mehr, seitdem Ermittler in Niedersachsen einem womöglich systematischen Betrug im großen Stil bei der Haltung von Legehennen auf der Spur sind. Clevere Geschäftemacher nutzen den höheren Preis für Bioprodukte aus, um den schnellen Profit zu machen. Da kommen bei Eiern schnell ein paar Millionen Euro mehr zusammen. Der gutgläubige Verbraucher hat das Nachsehen, da nützt auch die beste Kennzeichnung nichts, das sind mafiöse Strukturen. Wann dürfen wir mit dem nächsten Lebensmittelskandal rechnen?

Christoph Luban, per E-Mail