Leserbriefe

„Jammern auf hohem Niveau“

Leser zum Warnstreik von 5000 angestellten Lehrern und deren Forderung nach einer Gehaltserhöhung

Die Leidtragenden bei diesem Streik sind leider wieder mal unsere Kinder und nicht die, die es angeht. Keine Frage: Dass es immer noch unterschiedliche Konditionen für angestellte und verbeamtete Lehrer gibt, ist auch für uns Eltern nicht zu verstehen. Aber diese Auseinandersetzung auf dem Rücken unserer Kinder auszutragen ist für uns Eltern schwer nachvollziehbar. Warum werden diese Streiks nicht in der schulfreien Zeit ausgetragen? Die Quittung für den Unterrichtsausfall bekommen wir und unsere Kinder beim nächsten Pisa-Test oder bei den bevorstehenden MSA-Prüfungen.

A. Fetting, per E-Mail

Seit jeher sind in Deutschland Lehrer aller Schularten Beamte gewesen. Die Gründe dafür sind auch die staatliche Kontrolle im Erziehungswesen und die Verlässlichkeit. In Berlin hat man aus ideologischen Gründen auf neue Verbeamtungen verzichtet, was zur Abwanderung junger Pädagogen in andere Länder führte. Da Berlin auch nicht mehr der Tarifgemeinschaft der Länder angehörte, ergaben sich für alle Angestellten Rückstände gegenüber den anderen Ländern. Um die Verärgerung der angestellten Lehrer zu mindern, hat Berlin einseitig Zulagen eingeführt. Der angestaute Frust und die zunehmende Anzahl angestellter Lehrer führen zu merkbaren Unterrichtsausfällen durch Streik, wobei jetzt gleich aktuelle Forderungen für den öffentlichen Dienst miteinbezogen werden. Eine einfache Lösung wäre, die Verbeamtung der Lehrer in Berlin wieder einzuführen. Ein Koalitionsvertrag kann einvernehmlich auch geändert werden.

Dieter Meier, Tegel

Natürlich verstehen wir, dass Lehrer all die Privilegien haben wollen, die sie schon als Studenten eingeplant hatten. Gibt es doch für Lehrer eine Reihe von Vorteilen, die das Arbeitsleben erträglicher machen: lange Ferienzeiten, geregelte Arbeitszeiten, keine Schicht- und Wochenenddienste, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von zwölf Wochen, keine Anwesenheitspflicht und alle Vorteile, die sich aus der Verbeamtung und dem Angestelltenverhältnis im öffentlichen Dienst ergeben. Dumm nur, dass sich das Land Berlin partout weigert, Lehrer weiterhin zu verbeamten. Unsere Lehrer jammern auf hohem Niveau. Statt immer nur auf die verbeamteten Kollegen zu schauen, sollten sie dankbar sein für ihre gut bezahlte berufliche Einstiegsmöglichkeit. Für unsere Kinder ist es wichtig, dass keine Unterrichtsstunden ausfallen. Diesem Anspruch sollte sich jeder Lehrer verpflichtet fühlen. Schon die EU-Kommission hat 2012 zum Weltlehrertag vergleichend festgestellt: Deutsche Lehrer verdienen gut – und sind doch unzufrieden. Schade. Mit Unzufriedenheit lässt sich kaum motiviert eine gute Arbeit leisten.

Brigitte Merker, per E-Mail

Es wird hier auf hohem Niveau gejammert. Ein junger Lehrer überspringt bei seiner Anstellung sofort mehrere Gehaltsstufen und fordert deshalb die Einrichtung weiterer Höherstufungsmöglichkeiten. Er verdient aber schon am Anfang mehr als etwa ein junger Arzt. Die Aussage des Vorsitzenden der Vereinigung der Berliner Schulleiter gegenüber den angestellten Lehrern, dass diese entdecken würden, welche Macht sie hätten, und mit Streiks die Schulen lahmlegen, nenne ich Machtmissbrauch, um eigene Interessen auf dem Rücken wehrloser Eltern und Kinder durchzusetzen. Das ist so, wie es etwa Fluglotsen, Flugbegleiter oder Lokführer auf Kosten der ihnen anvertrauten Menschen wiederholt vorgeführt haben. Und die Gewerkschaften mit ihren Eiferern betreiben das Geschäft an vorderster Front gewissermaßen als Berechtigungsnachweis. Was aber würde sich denn an Qualität in der Schule bei der Durchsetzung der aktuellen Forderungen der Streikenden ändern? Nichts! Wenn schon fordern, dann doch mehr Qualität in der Ausbildung der Lehrer, mehr Geld für die Sanierung maroder Gebäude und kleinere Klassen und Schluss mit dem ständigen Experimentieren mit Kindern, das als Reform verkauft wird.

H. Friedrich, Hoppegarten

Bedingungen zum Erreichen der Oberstufe wurden herabgesetzt

Zum Artikel: „Berliner Schüler werden besser“ vom 14. Februar

Man kann sich nur wundern. Berlins Schüler werden immer besser! Wer jedoch die Situation kennt, dürfte zu einem anderen Ergebnis kommen. Oder wie kann es sein, dass Ausbildungsbetriebe über unzureichende Kenntnisse der Schüler klagen? Es gibt nicht genügend ausgebildete Lehrer. Eltern beziehungsweise Studenten helfen aus, damit gute Ergebnisse zustande kommen. Nachprüfungen, bis ein Mangelhaft ausgeglichen werden kann. Wem das nicht hilft, macht nichts. Die Bedingungen, die Qualifikation für die Oberstufe zu erreichen, sind einfach herabgesetzt worden.

J. Baars, per E-Mail