Leserbriefe

„Eltern müssen sich kümmern“

Leser zu dem deutlichen Anstieg von Gewalttaten an Berliner Schulen im vergangenen Jahr

Der Landeselternausschuss verpasst bei all seiner Kritik, die Eltern mit in die Verantwortung zu nehmen. Es kann doch nicht sein, dass Schule alles richten soll, was zu Hause versäumt wird. Richtig ist, dass es heute in allen Schulformen Unterstützung durch Sozialarbeiter bedarf. Da müssen mehr Stellen geschaffen werden. Doch warum? Dies in einen Topf mit den Kindern aus den Förderschulen zu werfen, halte ich für unverantwortlich, denn es sind nicht diese Kinder, um die es hier geht. Kinder, die nicht so funktionieren, wie unsere Gesellschaft es vorgibt, zu stigmatisieren und im Schubladenformat nach „zumutbar“ oder „unzumutbar“ einzuordnen, ist bitter. Vor allem, wenn es von den Landeselternvertretern kommt. Sie sollten bei all der ständigen Kritik an Senat und Politik doch endlich auch mal die Eltern aufrufen, sich wieder mehr um ihre Kinder zu kümmern. Die Schulleitung sollte die Hausordnung und das Hausrecht nutzen und das mitbringen von Handys in die Schule verbieten. Das würde vieles erleichtern.

Dunja Wolf, per E-Mail

Nun schreien alle danach, es müsse etwas getan werden. Dabei weiß man doch, dass es oft schon zu spät ist, wenn die Kinder eingeschult werden, denn dann sind sie doch schon sozialisiert. Ich verstehe nicht die Ignoranz der Politiker: Da gibt es neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung, gute Psychologen schreiben sich die Finger wund, reden in Talkshows. Und was kommt dabei raus? Immer mehr Krippenplätze werden gewünscht.

Man weiß doch heute aus der Bindungsforschung, dass die ersten Lebensjahre darüber entscheiden, wie der spätere Lebensverlauf sein könnte. Wird das Kind abgegeben, bevor es eine eigene Identität entwickeln konnte, also schon mit einem Jahr, ist die Wahrscheinlichkeit zu späterem auffälligen Verhalten größer, als wenn das Kind erst mit drei Jahren in den Kindergarten kommt. Ein so junges Kind kann seinen Frust darüber, dass die Mutter es weggibt, ja noch nicht sprachlich ausdrücken, also kann es nur unangenehme Gefühle speichern. Bei Jungen kann das später oft zu aggressivem Verhalten führen, Mädchen neigen dazu, überangepasst zu werden. Mein Wunsch schon seit mehr 30 Jahren: Einführung des Fachs Psychologie in der Oberstufe, damit spätere Eltern an sich selbst noch reflektieren und aufarbeiten können, was bei ihrer Erziehung schiefgelaufen ist.

Angelika Skrubel, Spandau

Bei absehbaren Problemen wäscht Ramsauer seine Hände in Unschuld

Zum Artikel: „Bahnprojekt Stuttgart21 droht das Aus“ vom 6.Februar

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU)ist ein Maulheld. Mit großen Schritten voran, geht aber etwas schief, wäscht er seine Hände in Unschuld. BER und Stuttgart21 zeigen das deutlich. Wie kann man nur behaupten, dass ein durchgesickertes Papier von unteren Ministeriumsebenen stammt und nicht aussagekräftig ist?

Norbert Jurk, Frohnau

Ehegattensplitting ist eher ein Steuersparmodell

Zum Artikel: „Harsche Kritik an teuren Familienleistungen“ vom 4.Februar

Das Ehegattensplitting wirkt nicht als Familienförderung, sondern als ein effektives Steuersparmodell. Die Zielrichtung besteht darin, dass in der Regel die Ehefrau gar nicht oder nur geringfügig erwerbstätig ist mit keinem oder geringfügigem Einkommen. Der dann zu zahlende Einkommensteuerbetrag wird dann fast bis zur Hälfte reduziert. Im Gegensatz zum Betreuungsgeld für höchstens zwei Jahre gilt das Ehegattensplitting 20 oder 30 Jahre und länger. Damit ist das Ehegattensplitting die eigentliche Herdprämie, denn es hält qualifizierte Frauen von einer gut bezahlten Erwerbstätigkeit ab und führt stattdessen im Alter zu „Armutsrenten“, da bewusst und gewollt nur geringfügige bis gar keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurden. Es wäre ungerecht, so entstandene Niedrigstrenten aus Beitrags- oder Steuermitteln aufzustocken.

Anita Gnielinski, Charlottenburg

Malakhovs Weggang hat fatale Folgen für Ballett und Publikum

Zum Artikel: „,Ich verlasse Berlin mit unzerstörtem Gesicht‘“ vom 3.Februar

Es ist unglaublich, wie Kulturstaatssekretär André Schmitz mit Vladimir Malakhov umgegangen ist. Was er dem Staatsballett und dem Publikum damit antut, Malakhovs Vertrag 2014 auslaufen zu lassen, ist in den Auswirkungen fatal. Malakhov hat aus dem Staatsballett eine international anerkannte Truppe gemacht und viele Tänzer gefördert. Die Auslastung der Ballettinszenierungen hatte sich erhöht, weil es sehr viele hervorragende Inszenierungen gibt. So einen Jahrhunderttänzer wie ihn wird es lange nicht mehr geben.

Evelyne Kalla, Tempelhof