Leserbriefe

„Verbleibende Zeit sinnvoll nutzen“

Leser zu dem BER-Desaster, den Folgen für das Image und den erwarteten Kapazitätsproblemen

Von der sicher falschen Grundentscheidung zum Standort bis zum heutigen Tage zeitigt der BER eine unfassbare Kette von Fehlentscheidungen, Pfusch und Inkompetenz, ein Menetekel für den Hochtechnologiestandort Deutschland. Da ist das Kippen der Wannsee-Flugroute nur eine Petitesse. Selbst wenn der Flughafen in ein paar Jahren eröffnet werden sollte, wird das Projekt als großes bauliches Desaster in die Geschichte eingehen. Und noch immer wagt kein Verantwortlicher das Gesamtvorhaben infrage zu stellen. Das Ganze erinnert auf gruselige Weise mehr und mehr an Aufstieg und Fall von Cargolifter – nur ein paar Nummern größer.

Klaus Jänicke, Steglitz

Über den Flughafen BER kann man nur den Kopf schütteln, aber ihn mit dem Flughafen in Bhubaneswar in Indien zu vergleichen und dem dortigen Flughafenleiter die Möglichkeit zu geben, unsere Ingenieure als faul zu bezeichnen, geht doch zu weit. Der Flughafen in Bhubaneswar ist ein „Vorortflughafen“ mit etwa 60 Flugbewegungen am Tag.

Michael Gorkow, per E-Mail

Das BER-Drama mit seinen internationalen Folgen wird immer deutlicher. Diese Fehlleistung wird leider verallgemeinert, und niemand glaubt mehr an made in Germany. Gelächter macht sich bis in die äußersten Winkel der Welt breit.

H. Kunzelmann, per E-Mail

Die verbleibende Zeit bis zur Eröffnung des BER sollte jetzt dringend für die Erweiterung der Infrastruktur genutzt werden. So sollten bereits beide genehmigten Terminalsatelliten inklusive eines unterirdischen Transportsystems errichtet und die Kapazitäten des Flughafens auf 45 Millionen Passagiere erweitert werden. Ebenfalls halte ich es für sinnvoll, bereits Überlegungen für ein zweites Terminal anzustellen, entweder am Standort des alten Schönefelder Terminals, westlich des Airports in Selchow oder südlich der neuen Start-und-Lande-Bahn. Auch über die früher geplante Verlängerung der U7 von Rudow zum Terminal sowie eine S-Bahn-Verbindung von Lichtenrade/Mahlow zum BER sollte nachgedacht werden. Somit könnten die heute noch in Lichtenrade endenden Verstärkerzüge der S2 zum Terminal und in einem späteren Schritt bis zur Görlitzer Bahn in Richtung Königs Wusterhausen geführt werden. Ich kann nur die Architekten, Planer und Politiker dazu aufrufen, jetzt die Weichen für die Zukunft zu stellen, um den BER doch noch zu einem ausbaufähigen, gut funktionierenden und gut erreichbaren Flughafen zu machen.

Marco Rosenwick, Wilhelmsruh

Jahrelang habe ich noch in den 80er-Jahren im Wedding direkt in der Einflugschneise des Flughafens Tegel gewohnt. Die Maschinen flogen tief über das Haus und waren damals noch wesentlich lauter als heute. Ich habe mich, wie viele Tausend Anwohner in Wedding, Reinickendorf und auch in Tempelhof, lange damit arrangiert und bin nicht deswegen dort weggezogen. Also, Berliner, hört endlich auf zu jammern, arrangiert euch mit dem neuen Flughafen, der dort, wo er liegt, ohnehin schon vorher – nur eben kleiner – existiert hat und daher auch dort hingehört.

Harry Vierath, per E-Mail

Senat muss für angemessene Bezahlung der Lehrkräfte sorgen

Zum Artikel: „Lehrermangel in Berlin noch schlimmer als befürchtet“ vom 26. Januar

Es ist traurig für einen Lehramtskandidaten, nahezu jeden Tag lesen zu müssen, wie viele Lehrer in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheiden, man selbst aber mit einem Abschluss von 2,0 in Berlin keinen Referendariatsplatz bekommt und Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Jedes Jahr werden junge und motivierte Lehrkräfte fertig, die gerne in Berlin unterrichten wollen, aber von im Vergleich zu anderen Bundesländern geringem Gehalt und der immer stärker werdenden Bürokratie abgeschreckt werden. Der Senat muss aufpassen, dass er in den kommenden Jahren alle Stellen besetzten kann, denn der Lehrerberuf ist mit immer mehr Aufgaben behaftet, die die Wissensvermittlung sichtlich erschweren. Der Senat muss etwas tun, damit Lehrer eine angemessene Bezahlung bekommen und Nachwuchslehrer eine faire Chance erhalten, sich zu beweisen.

Stefanie Rubin, per E-Mail

Es werden nie Zahlen genannt, wie viele angestellte Lehrer gekündigt und Berlin tatsächlich verlassen haben. Klar, aber unpopulär ist, dass der Beamtenstatus in vielen Verwaltungsbereichen – auch im Bildungsbereich – nicht mehr zeitgemäß ist, da die Folgekosten, vor allem durch die Pensionen, für die keine Rücklagen gebildet werden, in die Zukunft verlagert und unbezahlbar werden. Wenn einige junge Lehrer nicht im attraktiven Berlin als Angestellte arbeiten wollen, dann gibt es andere, die gerne kommen und sie ersetzen.

Jürgen Wachholz, Wilmersdorf