Leserbriefe

"Jammern auf hohem Niveau"

Leser zu den ungleichen Arbeitsbedingungen verbeamteter und angestellter Lehrer in Berlin

Die permanente Diskussion, ob Lehrer als Beamte oder als Angestellte beschäftigt werden sollen, veranlasst mich zu einer Grundsatzfrage: Ist diese Aufspaltung des öffentlichen Dienstes überhaupt noch sinnvoll, sollte der öffentliche Dienst nicht generell - wie in den meisten Ländern der Welt - einheitlich geregelt werden? Gewiss, unser Grundgesetz fordert: Das Recht des öffentlichen Dienstes ist unter Berücksichtigung der hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums zu regeln. Aber auch das muss nicht ewig gelten. Und ob Lehrer hoheitsrechtliche Befugnisse im Sinne des Grundgesetzes ausüben, ist nicht eindeutig zu beantworten. Der vernünftigste Weg wäre, ein einheitliches Dienstrecht für alle Bediensteten einzuführen.

Ulrich Müller, Zehlendorf

Erneut wird berichtet, dass es Lehrern - egal ob jung oder alt - letztlich nicht um ihre Berufsausübung geht, sondern ausschließlich ums Geld. Ein Einstiegsgehalt für angestellte Lehrer von 4400 Euro ist nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass diese Neulehrer nicht zwingend für den Lehrerberuf geeignet sein müssen. Wer schon bei Berufseinstieg unmotiviert ist, weil andere eventuell mehr verdienen und eine Verbeamtung in Berlin nicht vorgenommen wird, der sollte den Beruf besser gleich aufgeben. Umgekehrt sollte Berlin froh sein, wenn sich solche Lehrer nicht bewerben. Zudem sollte man die Bezahlung der beamteten Lehrer überprüfen, die offenbar auch deutlich zu viel verdienen, dafür, dass die Berliner Schüler jährlich schlechter zu werden scheinen.

Robin Krusche, per E-Mail

Die Diskussion um bessere Bezahlung der angestellten Lehrer beziehungsweise die finanzielle Gleichstellung mit ihren verbeamteten Kollegen zeigt deutlich das Dilemma der Berliner Schulpolitik. Dabei gibt es einen ganz einfachen Weg, dieses zu beseitigen. Berlin muss Lehrer wieder verbeamten. Nur dieser Schritt führt zu einer Gleichheit und löst das Problem der Umsetzung von beamteten Lehrern aus anderen Bundesländern. Die treibende Kraft gegen die Verbeamtung ist der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Er hat im Koalitionsvertrag die Nichtverbeamtung der Lehrer festschreiben lassen. Hinter vorgehaltener Hand nennen schon etliche SPD-Abgeordnete diese Festschreibung einen Fehler, die meisten CDU-Abgeordneten hatten sich ohnehin für die Verbeamtung ausgesprochen.

Ernst Mross, per E-Mail

Die Lehrer jammern auf hohem Niveau. Es ist sicher richtig und auch verständlich, dass angestellte Lehrer mit ihrem Nettogehalt den verbeamteten Lehrern gleichgestellt werden wollen, das träfe dann aber auf alle Berliner Angestellten im öffentlichen Dienst zu.

Angela Ehlers, per E-Mail

Ängstlich unentschlossene, kalte, ungestaltete steinerne Ödnis

Zum Artikel: "Schloss ohne Neptunbrunnen" vom 17. Januar

Der Siegerentwurf für die Gestaltung des Schloßplatzes ist alles andere als ein Siegerentwurf für Berlins bedeutendsten historischen Ort. Auf dem veröffentlichen Bild mit der Unterschrift "Schloßplatz und Grünfläche zum Lustgarten" steht das wieder errichtete Hohenzollernschloss wie ein gigantischer Briefbeschwerer auf einer steinernen Ödfläche. Nichts ist geblieben von der Grandezza des ehemaligen Lustgartens. Statt einer gestalteten Grünfläche umfließt ein ungestalteter Brei von amorphem Kleinpflaster den Schlosskörper. Hätten die Sieger sich doch erst einmal an dem klar auf das Schloss und den Dom bezogenen ehemaligen Lustgarten oder an anderen sorgfältig gestalteten Platzanlagen historischer Berliner Plätze orientiert mit klar definierten Wegen und Grünflächen, einem erkennbaren und gestalteten Platzraster, darauf bezogenen Baumreihen, Brunnen, Bänken und Straßenlaternen, all diesem Mobiliar, was die klassischen Plätze und Parks erst so liebenswert und harmonisch macht. Stolz ist man sogar darauf, dass noch nicht einmal der Neptunbrunnen und der Rossebändiger auf diesem Platz erscheinen dürfen. Das, was hier dargestellt wird, ist gar kein Platz im städtebaulichen Sinne mehr, sondern eine ängstlich unentschlossene, kalte, ungestaltete steinerne Ödnis, auf der man alles oder nichts machen kann. Da hier aber von den Verfassern auch nichts gestaltet und vorgesehen ist, um diesem Platz eine Ordnung und ein Gesicht zu geben, das zu dem Schloss passt, sehe ich schon das ungeplante und ungeordnete Chaos an Straßenmobiliar sich darüber ergießen, wie moderne Sitzbänke, Papierkörbe und Blumenkübel, wie das Gartenamt sie sich vorstellt, Informationskioske, Würstchenbuden, Postkartenständer und Eisstände. Es wäre besser gewesen, eine Ordnung zu schaffen, die respektvoll auf das Schloss Bezug nimmt, es würdevoll umrahmt und einbindet, anstatt diese Einheitssoße ohne Inhalt um das Schloss auszugießen.

Peter Westrup, Architekt