Leserbriefe

"Wie peinlich ist das denn?"

Leser zu Äußerungen von Wolfgang Thierse über das Zusammenleben mit Schwaben in Prenzlauer Berg

Thierse stören Wortwendungen von Schwaben, die in seinen ehemaligen DDR-Kiez legal eingezogen sind. Weil er aber offensichtlich nicht als DDR-systemnah gilt, könnte es durchaus sein, dass auch er - wie ein großer Teil der Ost-Berliner - die Sachsen damals nicht mochten, weil sie fast alle Schlüsselpositionen im DDR-Staatsapparat innehatten und sich meist auch nicht als Berliner, sondern als Hauptstädter bezeichneten. Nachdem die Sachsen zum Ende der DDR als Zielscheibe abhandengekommen sind, findet sich nun mit den Schwaben ein neues Opfer. Dass nun gerade ein honoriges Mitglied des Bundestages dabei als Wortführer fungiert, ist mir absolut unbegreiflich. Mehrfach war ich in verschiedenen Gemeinden Baden-Württembergs zu Gast und konnte mir in Bäckereien als Berliner stets problemlos Schrippen kaufen, ohne dass mir das jemand krumm genommen hätte.

B. Knorkes, per E-Mail

Wolfgang Thierse ist offensichtlich der Meinung, dass die Schwaben der berühmte letzte Tropfen sind, der das Multikulti-Fass Berlin zum Überlaufen bringt? Wenn man Integrationsprobleme anspricht, setzt man sich in Deutschland ganz schnell der Gefahr aus, das Etikett "ausländerfeindlich" angeheftet zu bekommen. Thierse hat das geschickt umgangen, indem er einen deutschen Volksstamm als Blitzableiter für Überfremdungsängste auserkoren hat.

Ernst Frank, Ohmden

Warum gibt ein so belesener und intelligenter Mann wie Wolfgang Thierse so einen kleingeistigen Mist von sich? Als ob es die Schuld der Schwaben wäre, das plötzlich so viele Wohnungen in Prenzlauer Berg saniert und dann teurer vermietet werden. Das ist in der ganzen Welt so. Das Thema ist an Unsäglichkeit nicht mehr zu toppen. Hat diese Stadt keine anderen Probleme? In Stuttgart würde ein neuer Flughafen wie der BER längst funktionieren. Damit mich keiner falsch versteht: Ich mag Berlin, ich lebe freiwillig und gerne hier. Nur, wenn wir Schwaben in eine bestimmte Ecke gedrückt werden, in die wir nicht gehören, reicht's mir irgendwann. Berlin hat mehr verdient als einen unfähigen Bürgermeister und einen popeligen Flughafen, der noch nicht mal funktioniert. Als Hauptstadt in der zweiten Liga - wie peinlich ist das denn? Orientiert euch an den Schwaben, dann werdet ihr auch wieder an die Spitze kommen.

Nikolaus Wolff, Steglitz

Einst kritisierte Missstände werden jetzt vom Innensenator geduldet

Zum Artikel: "Personalnotstand in Berlins Ämtern: Kritik an Wowereit" vom 2. Januar

Alle Berliner Ämter klagen schon lange über Personalnot und Überalterung. Jeder Bürger erlebt dies am eigenen Leib. Dass etwa 7000 Schüler und Studenten ohne Geld dasitzen, weil das Personal im BAföG-Amt wegen Arbeitsüberlastung geschlossen ist, ist eine Frechheit. Dass Innensenator Frank Henkel (CDU) die Kritik von Klaus Schroeder vom Hauptpersonalrat am Senat zurückweist, ist nicht nachvollziehbar. Henkel selbst hat doch vor seinem Eintritt in den Senat mit am lautesten diese Missstände kritisiert.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Jeder Zuschauer will eigentlich nur für seine Lieblingssendungen zahlen

Zum Artikel: "Im neuen Jahr müssen alle Haushalte 17,98 Euro an die GEZ bezahlen" vom 1. Januar

Seit einiger Zeit verfolge ich die Diskussion zu den Themen GEZ und Programmgestaltung und bin zunehmend entsetzt. Zum einen ist das TV-Programm der öffentlich-rechtlichen Sender, bei aller berechtigten Kritik über nachlassendes Niveau, noch immer deutlich besser als das unserer Privatsender. Und ob ein TV-Programm an Qualität gewinnt, wenn es ausschließlich nach wirtschaftlichen Interessen gestaltet wird, ist zu bezweifeln. Noch mehr stört mich, dass ältere Zuschauer verhöhnt werden, die an lieb gewordenen Sendungen hängen. Andere wollen alle Sportsendungen in Sonderkanäle verbannen, beklagen aber gleichzeitig, dass der "Presseclub" jetzt bei Phönix läuft. Offensichtlich wird gerne die Ansicht vertreten, wenn nicht meine Lieblingsinhalte gesendet werden, habe ich keine Lust, Gebühren zu zahlen.

Margret Reiser, per E-Mail

Vorschlag lässt jegliche politische Kompetenz vermissen

Zum Artikel: "City-Tax: Pirat fordert Freifahrten für Touristen" vom 4. Januar

Die Piraten sitzen seit über einem Jahr im Abgeordnetenhaus. Trotzdem lassen sie immer noch jede politische Kompetenz vermissen, wie der jetzige Vorschlag zeigt. Wir haben so viele Probleme, und überall fehlt das Geld, vor allem in der Bildung und im sozialen Bereich, sodass ein solcher Vorschlag wie Hohn klingt.

Peter Hirsch, per E-Mail