Leserbriefe

"Häufig starker psychischer Druck"

Leser zu Erhebungen der Rentenversicherung, wonach Stress die Hauptursache für Frührente ist

Wenn Krankenkassen und Antidiskriminierungsstellen konsequent die Einhaltung der vorhandenen Gesetze und Verordnungen kontrollieren und Verstöße bestrafen würden, wäre die Zahl der betriebsbedingt gestressten Mitarbeiter rückläufig. Leider wird psychischer Druck sehr oft zum Personalabbau benutzt. Die Ausführenden und ihre Auftraggeber müssten alleine aus volkswirtschaftlichen Gründen an den Pranger gestellt werden.

Ludwig Gäng, Wilmersdorf

Psychische Erkrankungen beziehungsweise Depressionen werden als Diagnose viel zu häufig gestellt. Immer, wenn ein Arzt nach der eigentlichen Ursache der Beschwerden erst gar nicht sucht oder die Beschwerden nicht in sein Fachgebiet passen, dann sind es eben Depressionen. Ist man erst einmal in der Depressionsfalle drin, kann man sich dagegen sehr schwer wehren.

Hanna Priedemuth, per E-Mail

Jetzt steht es endlich mal in der Zeitung: Rente wegen Burn-out. Ich bin ein Betroffener. Nach 20 Wochen in der Klinik und 1,5 Jahren Therapie wollte ich mich wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Das ist nicht so einfach. Das Arbeitsamt sagt: 53 Jahre, zu alt und als ehemaliger Vertriebsmanager überqualifiziert, nicht vermittelbar. Ab zum Amtsarzt, der schickt mich in Rente. Für die Statistik des Arbeitsamtes hervorragend. Was ich denke und fühle, ist egal.

Dieter Küster, Spandau

Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen wäre der bessere Weg

Zum Artikel: ",20.000 Arbeitslose in reguläre Jobs'" vom 30. Dezember

Was möchte Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) damit erreichen, Langzeitarbeitslose in ein Programm zu stecken, wo sie gecoacht werden? Wie bereits bekannt ist, fördern die Jobcenter Langzeitarbeitslose bereits mit Weiterbildungsmaßnahmen und Bewerbungstraining. Alles macht keinen Sinn, wenn die Politik sich nicht ernsthaft mit dem Problem Arbeitslosigkeit auseinandersetzt. Fakt ist, dass es sehr viele Arbeitslose in unserem Land gibt, aber zu wenig offene Arbeitsstellen. Nicht am Arbeitslosen sollte gecoacht werden, sondern man sollte überlegen, wie und wo man Arbeitsplätze schaffen kann. Es macht auch wenig Sinn, wenn man erwerbstätig ist, aber sein Leben nicht ohne Hilfe der Zuzahlung des Jobcenters bestreiten kann.

L. Bädorff, Reinickendorf

Die Touristenzahlen steigen und steigen - gut für die Stadt und die Einnahmen. Aber gleichzeitig sinkt die Zahl der Industriearbeitsplätze in Berlin. Der Senat sollte sich viel mehr darum kümmern, dass die Arbeitsplätze dort erhalten bleiben, statt jedem Hartz-IV-Empfänger einen sogenannten Coach an die Seite stellen zu wollen.

Arno Impe, Rudow

Zeichen für mangelndes Interesse an Bildung in Berlin

Zum Artikel: "Personalmangel: Berliner Studenten warten auf ihr BAföG" vom 27. Dezember

Während der Wowereit-Senat bei den kläglichen Versuchen, einen Großflughafen zu bauen, Hunderte Millionen Euro sinnlos im märkischen Sand versenkt und überdies unbeirrt an dem eitlen Plan zum Bau einer ebenso teuren wie unnötigen Landesbibliothek festhält, müssen junge Menschen, die den schweren Weg des sogenannten zweiten Bildungsweges auf sich nehmen, ihre Ausbildung zum Beispiel an der Fachoberschule oder der Universität abbrechen, weil sie viele Monate auf die ihnen zustehenden BAföG-Zahlungen warten müssen. Da spart man sich eben mal eine auch nur annähernd ausreichende Personalausstattung in den Ämtern. Deutlicher kann Klaus Wowereit sein Desinteresse an Bildung in Berlin kaum zum Ausdruck bringen.

Norbert Netsrek, per E-Mail

Post verlangt mehr Geld für schlechtere Leistungen

Zum Artikel: "Drei Cent mehr für einen Brief" vom 29. Dezember

Kostengründe für die Porto-Erhöhung bei der Deutschen Post zum 1. Januar 2013 anzuführen ist wenig nachvollziehbar. Erstens gibt es de facto immer noch ein Monopol, da insbesondere Privatpersonen kaum auf Alternativen ausweichen können. Zweitens wurden in den vergangenen Jahren erheblich Kosten eingespart, da heutzutage etwa ein Briefträger ein wesentlich höheres Arbeitspensum hat als noch vor einigen Jahren. Was mitunter zur Folge hat, dass dieses Pensum nicht mehr bewältigt werden kann und die Hausbriefkästen, wie mittlerweile häufiger zu beobachten ist, an einigen Tagen leer bleiben. Das Angebot der Post ist schlechter geworden, sodass eher eine Senkung der Porto-Preise angemessen wäre.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail