Leserbriefe

"Bürgerwillen akzeptieren"

Leser zum Anwohner-Votum für eine Beibehaltung des Namens "Treitschkestraße" in Steglitz

In unserer politischen Gesellschaft wird zunehmend nach der Möglichkeit für mehr direkte Bürgerbeteiligung in Form von Volksbefragungen oder Volksentscheiden verlangt. Und dies - wie ich finde - zu Recht und ganz besonders, wenn es um Fragen geht, die - in erster Linie, wenn auch nicht ausschließlich - den eigenen Kiez und das lokale Umfeld betreffen. Wir leben in einer Demokratie, welche die demokratisch getroffene Entscheidung der betroffenen Anwohner der Treitschkestraße zu akzeptieren und respektieren hat. Selbst dann, wenn sie mit der eigenen politischen Meinung nicht übereinstimmt.

S. Schlabing-Hucke, per E-Mail

Sind wir nun eine Demokratie, wo die Bürger durch eine mehrheitliche Abstimmung in der Treitschkestraße sich dafür entschieden haben, diesen Namen dort behalten zu wollen, oder sind wir doch eine Meinungsdiktatur, wo nach nun entschiedenem Bürgerwillen am Festhalten des Namens immer wieder versucht wird, eine Namensänderung letztlich auf anderem Wege doch zu erreichen? Nur wegen ihres Votums sind die Bürger dort doch keine Nazis. Warum können gewisse Menschen und Kreise den Bürgerwillen nicht einfach akzeptieren? Wo bleibt deren Demokratieverständnis?

Gerald R. Schiller, Spandau

Schlechte Umfragewerte sind nicht nur eine Folge des BER-Desasters

Zum Interview mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vom 23. Dezember

Wie selbstherrlich kann ein Mensch nur sein, frage ich mich immer wieder, wenn ich Interviews mit Klaus Wowereit lese. Er glaubt, seine schlechten Umfragewerte kommen nur daher, weil ständig etwas über die Mängel am BER in der Presse steht? Es gibt genug anderes, was ebenfalls für seinen rasanten Sturz bei den Umfragen geführt hat. Er sollte sich einmal den Straßenzustand in den Außenbezirken ansehen, dann weiß er, wofür dringend Geld benötigt wird. Wir brauchen keine zusätzliche Zentralbibliothek, die Unsummen verschlingen wird. Wowereit sollte lieber dafür sorgen, dass die Schulausbildung verbessert wird, dass wir beim Pisa-Test nicht ständig auf den letzten Plätzen landen und Problemschulen sicherer werden.

Christine Radke, Lichtenrade

Gute Initiative sollte auch in anderen Supermärkten Schule machen

Zum Artikel: "Quengelfrei bezahlen" v. 21. Dezember

Was in Prenzlauer Berg bei Kaiser's geht, sollte in allen Bezirken eingeführt werden. Das ist eine tolle Sache, alle Geschäfte sollten mitmachen.

K. Woldmann, Charlottenburg

Selbst qualifizierte Angestellte erreichen derartige Einkommen nicht

Zum Artikel: "Die Armut wächst" vom 21. Dezember

Die Einkommen in Deutschland haben sich in den vergangenen etwa 65 Jahren enorm auseinanderentwickelt, sodass qualifizierte Arbeit inzwischen allzu sehr unterschiedlich und teilweise in der Nähe oder gar schon unter dem Existenzminimum bezahlt wird. So ist interessant zu erfahren, dass ein Privathaushalt als arm gilt, wenn er weniger als 60 Prozent des "durchschnittlichen Bedarfs gewichteten Nettoeinkommens zur Verfügung hat". 2011 lag diese Armutsgefährdungsschwelle für Alleinstehende bei 848 Euro und für Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1781 Euro. Demnach betrug 2011 das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Alleinstehenden bei 100 Prozent rund 1414 Euro und das einer wie vorgenannten Familie 2970 Euro. Derartige Einkommen erhalten noch nicht einmal viele Beschäftigte im Berliner öffentlichen Dienst. Insbesondere versagt hier der Besoldungsgesetzgeber und verletzt gröblich seine Fürsorgepflicht bei den voll ausgebildeten Fachkräften, etwa in den Finanzämtern. Die Leistungsanforderungen sind - wie alle Steuerpflichtigen wissen - enorm hoch, aber die Bezahlung ist dort vergleichsweise unangemessen niedrig, wenn man deren Vor- und Ausbildung, Leistung und Verantwortung etwa für die Steuergerechtigkeit berücksichtigt.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Noch immer leben 76 Prozent der Kinder bei bei den leiblichen Eltern

Zum Artikel: "Weihnachten bei den Patchworks" vom 22. Dezember

Die Familie ist kein Auslaufmodell. Obwohl in so gut wie allen Medien der Eindruck erweckt wird, heutzutage seien Patchwork & Co. die Regel, leben laut Statistischem Bundesamt noch immer 76 Prozent aller minderjährigen Kinder in Deutschland bei ihren verheirateten Eltern. Insofern täte es gut, diesem traditionellen Familienbild in Berichterstattung und Ratgeberbeiträgen kein Nebengleis zuzuweisen, sondern die Hauptspur.

Mathias Christiansen, Pankow