Leserbriefe

"Historie stärker beachten"

Leser zu der Kontroverse um die Bebauung des Tempelhofer Feldes und zu den Senatsplänen

Beim Senat lässt man nicht locker und besteht weiterhin auf der Bebauung des Tempelhofer Feldes mit einer total überflüssigen Landesbibliothek. Ich verstehe nicht, dass bei dem derzeitigen teuren und unübersehbaren Schlamassel beim Bau des BER und der Staatsoper bei einem solch überflüssigen Bauwerk wie der Landesbibliothek überhaupt ein aufwendiger Wettbewerb gestartet wird. Als wenn Berlin keine anderen Sorgen hat als dieses Wowereit'sche Mahnmal der Geldverschwendung. Die beidseitige Bebauung am Flughafengebäude ist aus denkmalschutzwürdigen Gründen nach meiner Ansicht kontraproduktiv und lässt das Ursprungsbauwerk schlicht in Profanität versinken. Etwas mehr Achtung gegenüber dem ursprünglichen Flughafen sollte schon bestehen. Zuletzt kann man nur hoffen, dass bei der künftigen Randbebauung keine Luxuswohnungen entstehen. Sonst könnten die Mieter des Schillerkiezes gleich die Koffer packen, dann wäre es auch dort vorbei mit bezahlbarem Wohnraum.

Thomas Hansen, per E-Mail

Als in Berlin geborener und nach Kriegsende im Westteil unserer Stadt wohnender Bürger ohne politische Ambitionen empfinde ich den Umgang mit dem Flughafengelände inklusive der Gebäude als pure Verhöhnung aller freiheitsliebender Bürger dieser Stadt. Mit dem Nichtbegreifen beziehungsweise dem Verdrängen bis zur Verständnislosigkeit, dass hier die Wiege der Demokratie im Berliner Nachkriegsdeutschland stand und als Signal in alle Welt mithilfe der Westalliierten ging, wird die Geschichte mit Füßen getreten. Leider zeigt es sich, wie wenig Verständnis unser Regierender Bürgermeister Wowereit für gelebte Geschichte hat, obwohl er doch selbst als Kind im Westteil der Stadt unter diesem Schutz aufgewachsen ist. Es wäre ein mutiger Schritt, in den Gebäuden des ehemaligen Flughafens Tempelhof das Alliiertenmuseum und meinetwegen auch die Großgeräte-Fahrzeuge, die in Lagerhallen des Technikmuseums schlummern, unterzubringen.

M. Liebreich, per E-Mail

Die Kritik des Architekten und Ingenieur-Vereins zu Berlin (AIV) geht in die richtige Richtung. Warum soll man den Bibliotheksstandort auf dem Feld noch durch ein "Bildungsquartier" attraktiver machen. Denn nur wenige Kilometer entfernt wird die Amerika Gedenk-Bibliothek (AGB) saniert. Sie bleibt erhalten und soll weiterhin kulturell genutzt werden. Was soll das alles sein, wird das gebraucht, wer bezahlt das alles? Da fragt der AIV richtig nach den Alternativen, der Erweiterung der AGB auf dem daneben liegenden Gelände, wie es bereits zu Mauerzeiten geplant war. Ich bin erstaunt, dass der Senat an ein solches Objekt nicht anders herangeht. Das ist Kapital, das muss man auch zur Geltung bringen wollen. Das gilt gleichfalls für den Gebäudekomplex vom Flughafen Tegel nach dessen Außerbetriebnahme.

Jürgen Spiegel, Neukölln

Sicherheit wurde der Berliner Haushaltsdisziplin geopfert

Zum Artikel: "Die Polizei ist zusammengespart worden" vom 18. Dezember

Nun hört es der Senat auch vom neuen Polizeipräsidenten Klaus Kandt, was viele Bürger und die Polizeigewerkschaften seit Jahren sagen: Berlins Polizei ist zusammengespart worden. Die Berliner Polizei hat zu wenig Personal. Die Innensenatoren haben die Sicherheit der Berliner vernachlässigt und diese der Haushaltsdisziplin der Stadt geopfert. Die beschlossene Einstellung von etwa 250 neuen Polizisten ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. In Bayern hat der Innenminister in diesem Jahr die Voraussetzungen für 1000 neue Stellen bei der Polizei bis 2014 geschaffen. Hinzu kommen noch weitere 900 Stellen, die wegen einer Arbeitszeitverlängerung seit 2004 weggefallen waren. Für den BER werden Milliarden zur Verfügung gestellt, doch für die Sicherheit der Bürger bleibt bei uns kein Geld übrig.

Bernhard Bluth, per E-Mail

Geschäftsfeld der 70er-Jahre wurde heruntergewirtschaftet

Zum Artikel: "IG Metall fürchtet um Berliner Siemens-Arbeitsplätze" vom 20. Dezember

So geht es, wenn Manager in Vorständen ihren Job nur dadurch retten, dass sie Mitarbeiter entlassen und Familien in eine ungewisse Zukunft stoßen, nur weil sie selbst unfähig sind, ihr Geschäft im internationalen Wettbewerb zu führen. Siemens ist dafür ein Paradebeispiel. Noch Ende der 70er-Jahre hatte Siemens sein breites Geschäftsfeld weltweit behauptet; Durch Forschung und Entwicklung hat man Technologiestandards gesetzt. Vorstände wie von Pierer und dessen Nachfolger haben in den vergangenen 30 Jahren schlecht gewirtschaftet. Irgendwann wird man wie Kodak nur noch Restpatente verkaufen.

Uwe Schmidt, Friedenau