Leserbriefe

"Agenda 2010 teilweise revidieren"

Leser zum SPD-Parteitag in Hannover und der Wahl von Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten

Es stellt sich die Frage, an wen Peer Steinbrück seine Kampfansage gerichtet hat, an seine Partei oder an die jetzige Bundesregierung? Kanzlerkandidat Steinbrück und seine SPD rufen am lautesten nach Gerechtigkeit, obwohl sie, die SPD, die Hauptschuld an der immer größer werdenden Armut in Deutschland hat. Die SPD hat schließlich die Tore weit geöffnet während ihrer Regierungszeit für Hartz IV, Minijobs, Teilzeit, Zeitarbeit, Niedriglohnsektor, Leiharbeit und einiges mehr. Auch das SPD-Rentenkonzept ist genauso menschenverachtend wie das der CDU. Die Grundlagen sind erschüttert, Deutschland ist gespalten, Millionen Arbeitnehmer sind durch diese SPD-Beschlüsse an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden. Die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland sollte sich nicht wieder einlullen lassen, sonst könnte der Schuss wieder wie bei Altkanzler Gerhard Schröder nach hinten losgehen. Der knapp elfminütige Jubelsturm als Reaktion auf Steinbrücks Rede kann also auch der Abschiedsjubel gewesen sein und auch den Erosionsprozess bei der SPD beschleunigen, wenn man sich nicht noch vor der Bundestagswahl im nächsten Jahr von einigen der eigenen Agenda-2010-Beschlüssen distanziert.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Zwar habe ich nicht die gesamte Rede des SPD-Kanzlerkandidaten aufmerksam verfolgen können, da ich immer wieder mit der Müdigkeit zu kämpfen hatte, was aber nicht am fehlenden Schlaf gelegen hat. Steinbrücks Raucherlaubnis für Altkanzler Helmut Schmidt - unter dem missbilligenden Zischen zahlreicher Delegierter - war so ziemlich die peinlichste Situation, die ich je im Fernsehen gesehen habe. Dafür die Note 6! Dafür hebt sich wohltuend der Leitartikel von Andrea Seibel ab. Allein mit der Überschrift ist schon alles gesagt: "Der Funke ist nicht übergesprungen". Dafür die Note 1!

Rolf Pilgram, Schöneberg

Benedikt XVI. stellt beizeiten die Weichen für seine Nachfolge

Zum Artikel: "Papst befördert seinen Privatsekretär zum Erzbischof" vom 8. Dezember

Georg Gänswein (56) wird Erzbischof - und das trotz seiner Verstrickung in die sogenannte Vatileaks-Affäre. Ein wahrer Treuebeweis des Papstes. Die Krönungsmesse findet bezeichnenderweise am 6. Januar 2013 im Petersdom statt: dem Hochfest der Hl. Drei Könige. Ein Fingerzeig Gottes oder des Papstes? Beim nächsten Konsistorium dürfte Gänswein sogar das Kardinalsbirett erhalten. Damit hätte Papst Benedikt XVI. die Weichen für die Zeit nach seinem Pontifikat gestellt. Übrigens, die ersten Päpste nach Petrus bestimmten ihre Nachfolger noch selbst. Erst später wählte das Volk von Rom den neuen Papst. Bei den Römern ist Gänswein überaus beliebt.

Roland Klose, per E-Mail

Vielfältige Aufgaben werden von der Öffentlichkeit zu gering geschätzt

Zum Artikel: "In der Zukunftsmaschine" vom 9. Dezember

Als Kenner der Deutschen Rentenversicherung Bund kann ich nur gratulieren zum Bericht über die Zukunftsmaschine. Ein Unternehmen, das in der Tat zu wenig von der Hauptstadt gewürdigt wird. Dabei gehört es zu den größten Arbeitgebern mit unterschiedlichen Aufgabengebieten. Von Rente über Rehabilitation, Fachhochschule, mehr als 20 Klinikbetriebe, zuständig für das Auszahlgeschäft im Rahmen der Riester-Rente, Rentenzahlungen in viele fremde Länder, Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschung und vieles mehr. Vielen Dank für das Lob der vielen, fleißigen und unbekannten Menschen in dieser Zukunftsmaschine, die immer unter Volldampf steht.

Heinrich Mathew, per E-Mail

Erneut müssen die Sozialschwachen der Gesellschaft zurückstecken

Zum Artikel: "Kein Geld für Mütterrenten wegen Griechenland-Paket" vom 10. Dezember

Es ist unglaublich, jetzt soll laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) als Erstes die Gleichstellung älterer Mütter in der Rente nicht finanziert werden. Dies alles ginge nicht, angeblich wegen der umfangreichen Hilfsmaßnahmen für Griechenland. Im Haushalt 2013 sehe Schäuble zurzeit überhaupt keinen Spielraum dafür. Die Rentenkassen aber sind dem Vernehmen nach gut gefüllt. Man kann also Schäuble kein Wort mehr glauben. Das ist wieder einmal kalte Enteignung der älteren Menschen wie auch schon durch die steigenden Sozialkosten, die die Rentner allein zu tragen haben. Ich habe zwei Monate Schwangerschaftszeit angerechnet bekommen und konnte von der Arbeit auch nur zwei Monate für unser Kind aussetzen - im Gegensatz zu den heutigen Elternzeiten. Die Christlich-Demokratische Union (CDU) ist definitiv die alten- und frauenfeindlichste Partei, die wir in Deutschland derzeit haben.

Christine Schulze, per E-Mail