Leserbriefe

"Strom wird zum Luxusgut"

Leser zu den steigenden Strompreisen als Folge der Energiewende und der Windpark-Haftungsumlage

Der Strompreis setzt sich aus einem Sammelsurium unterschiedlicher Komponenten zusammen. Da er seit 2007 keiner behördlichen Kontrolle beziehungsweise Genehmigung mehr unterliegt, haben sich die Preise verselbstständigt. Besonders ärgerlich sind für die Kunden die dramatisch angestiegenen Kosten, die die Öko-Umlage verursacht (Nutzung erneuerbarer Energien). Neben der Stromerzeugung spielen die sogenannten Netznutzungsentgelte eine Rolle, die wir für den Transport des Stroms an die Netzbetreiber zu zahlen haben. Kosten für Emissionszertifikate und weitere Steuern und Abgaben wirken sich ebenfalls preistreibend aus. Schon heute dominiert der staatliche Einfluss den Strompreis mit fast 50 Prozent. Mit Marktwirtschaft hat das nur noch wenig zu tun.

Christian Lukner, per E-Mail

Die Verbraucher werden nahezu täglich durch die Medien darauf vorbereitet, dass ab 2013 der Strom bald fast zu einem Luxusgut wird. Wohlgemerkt, der Strom, der durch unsere Leitung fließt und den wir nutzen. Dass wir jetzt aber auch noch für Strom zur Kasse gebeten werden, den es gar nicht gibt, weil er nicht eingespeist werden kann, das bringt das Fass zum Überlaufen. Dass die Betreiber dieser Anlagen an den Kosten für den nicht vorhandenen Strom beteiligt werden, ist wohl zu viel verlangt? Dem Endverbraucher kann man ja alles aufbürden.

Renate Müller, per E-Mail

Das alles erinnert mich an das Neue Testament, wo Jesus über die Pharisäer sagt, sie lasten den Menschen unerträgliche Lasten auf, sie selber aber rühren keinen Finger. Die herrschende Politikerclique ist verantwortlich für die Strompreiserhöhungen, aber der einzelne Bürger soll es nun mit dem Wechsel zu einem anderen Anbieter richten. Haben die Herrschaften mal daran gedacht, dass es viele ältere Menschen gibt, die gar nicht dazu in der Lage sind? Ein Wechsel setzt voraus, dass ich mich schlau mache und am einfachsten über das Internet. Und der Wechsel erfolgt ebenfalls darüber. Man fühlt sich, milde ausgedrückt, auf den Arm genommen. Die Politik- und Politikerverdrossenheit steigt weiter.

Heinz-Joachim Grenzer, Lichtenrade

Ein hoher Strompreis geht nicht unbedingt mit Stromsparen einher. Das zeigt eine Auswertung von europäischen Stromtarifen im Vergleich mit Stromverbrauch und Energiemix, die PrizeWize, das Vergleichsportal auch für Energie, im Internet durchgeführt hat. So sind in Luxemburg die Kosten pro Kilowattstunde mit 16 Cent am höchsten, dennoch hat das Land einen vergleichsweise hohen Stromverbrauch. Auch der Energiemix spielt eine große Rolle bei der Preisgestaltung. Allerdings ist der Strom in Ländern, die größtenteils Kernenergie erzeugen, nicht unbedingt günstiger. So setzen etwa Polen und die Türkei bei einem Strompreis von 8 und 9 Cent pro Kilowattstunde jeweils auf einen großen Anteil Kohle. Lediglich Frankreich und Schweden verfügen bei einem Durchschnittsstrompreis von 9 und 10 Cent pro Kilowattstunde über einen mehr als 30-prozentigen Anteil Atomstrom. Ein Beispiel für vergleichsweise günstigen Ökostrom liefert Norwegen. Hier ist der Strom mit 11 Cent im Durchschnitt 3 Cent günstiger als in Deutschland, besteht mit 38,4 Prozent zum Großteil aus Wasserkraft und enthält keine Kernenergie.

Rebecca Mertes, per E-Mail

Vertreter der literarischen Befreiung von ideologischen Vorgaben

Zum Artikel: "Herta Müller kritisiert Nobelpreis an Mo Yan" vom 26. November

Der Nobelpreis für Mo Yan ist keine "Katastrophe", sondern ein Glücksfall. Alfred Nobel verfügte, mit dem Preis für Literatur solle ausgezeichnet werden, wer "das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat". Das Vorzügliche im literarischen Schaffen Mo Yans steht wohl außer Frage, wenn man an den historischen Roman "Die Sandelholzstrafe", die Familiensaga "Das rote Kornfeld" oder den satirischen Roman "Die Schnapsstadt" denkt, die in der Tradition der klassischen chinesischen Literatur stehen. Hinsichtlich der "idealistische(n) Richtung" ist es verfehlt, seine Wahl - so wie Herta Müller - als Katastrophe anzusehen. Mo Yan vertritt ganz ausdrücklich die literarischen Befreiung von ideologischen Vorgaben und ist kein politischer Opportunist, so wie man es von etlichen DDR-Schriftstellern kannte. Im Roman "Die Schnapsstadt" lässt er an der Politelite und den Sicherheitsorganen kein gutes Haar, beschreibt die Korruption, lässt den Geheimermittler in einer Kloake versinken. Die Veröffentlichung eines solchen Buchs wäre zu DDR-Zeiten undenkbar gewesen. Insofern ist es unvernünftig, ihn wegen seiner "Nähe zum Regime" zu kritisieren. Die Nobelpreisjury hat zu Recht unterstrichen, dass politische Schwarz-Weiß-Malerei kein Kriterium für die Vergabe eines Literaturpreises sein darf.

Hans-Rainer Schulz, Wandlitz