Leserbriefe

"Missstände werden hingenommen"

Leser zu den anhaltenden Problemen beim Bau des Großflughafens BER in Schönefeld

Von der Tatsache, dass der Großflughafen BER nicht pünktlich eröffnet würde, erfuhr ich bereits im Januar 2012 bei Gesprächen mit Angestellten der Berliner Flughafengesellschaft, die damals den künftigen Betrieb in Schönefeld trainierten und dabei auf gravierende Mängel stießen. Ebenso vertraten diese Meinung auch die dort tätigen Bauarbeiter, die immer wieder feststellen mussten, dass an Stellen, wo sie Installationen durchführen sollten, andere Firmen diese schon durchgeführt hatten. Was zur Folge hatte, dass die Firmen ständig umplanen mussten. Zurzeit nimmt die Brandschutzanlage die volle Aufmerksamkeit der Verantwortlichen in Anspruch. Sollte dieser Airport eines Tages wirklich in Betrieb gehen, werden den Bauverantwortlichen noch ganz andere Baumängel auf die Füße fallen. Die ehemalige Start- und Landebahn Süd, die künftige Bahn Nord, sollte noch vor der Eröffnung erneuert werden. Geschieht dies nicht und sie fällt durch Schäden aus, bedeutet das für den BER, dass dieser nur noch über eine Start- und Landebahn verfügt. Das wäre eine Katastrophe, nicht nur für den Flugverkehr in Berlin-Brandenburg, sondern für ganz Deutschland wenn nicht gar für den Flugverkehr in Europa.

Detlef Dienenthal, per E-Mail

Die Aussagen von Landrat Stephan Loge im Morgenpost-Interview sind von großer Brisanz. Es ist schlicht Vertuschung, was die Obersten der Flughafengesellschaft betrieben haben. Wowereit, Platzeck und Co. haben in Unwissenheit und Untätigkeit alles geschehen lassen. Dass sie am Flughafenchef Rainer Schwarz weiterhin festhalten, ist eigenartig. Es ist aber auch erschreckend, dass die Bevölkerung größtenteils gleichgültig gegenüber vielen Missständen in Berlin geworden ist. Und Initiatoren von Protestaktionen bekommen keine ausreiche Unterstützung von der Bevölkerung.

Jai Menon, Lichterfelde

Besser einkommensschwache Kulturinteressierte subventionieren

Zum Artikel: "Jeder Sitzplatz hat seinen Preis" vom 16. November

Der Berliner Senat zahlt Zuschüsse zu jedem Sitzplatz in Opern und den Theatern. So werden etwa die Staatsoper im Jahr mit 250 Euro, die Volksbühne mit 118 Euro, die Deutsche Oper mit 164 Euro und die Komische Oper mit 207 Euro pro Platz bezuschusst. Diese Kosten müssen gesenkt werden. Die Preisgestaltung der Häuser sollte subventionsfrei und marktwirtschaftlich erfolgen. Nicht mehr die Häuser, sondern einkommensschwache interessierte Bürger sollten direkt Zuschüsse beziehungsweise eine vollständige Kostenübernahmen für Oper- und Theaterbesuche erhalten. Die übrigen Besucher haben dann einen marktwirtschaftlichen und unsubventionierten Preis für ihr Freizeitvergnügen zu entrichten. Es kann nicht angehen, dass alle Steuerzahler für das Freizeitvergnügen von Besserverdienenden aufkommen. Nichts anderes bedeutet die Subventionierung aus dem Landeshaushalt.

Olaf Weiser, Wedding

Europa befindet sich in einer sozialen Schieflage

Zum Artikel: "Schlagstöcke gegen Demonstranten, Steine gegen Polizisten" vom 15. November

In Südeuropa gehen die Menschen massenhaft auf die Straße und demonstrieren gegen den Sozialabbau in Europa. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass uns in Deutschland diese Probleme nichts angehen würden. Man sollte sich auch nicht die Arroganz unserer Bundesregierung zu Eigen machen und anderen Ländern befehlen, wie sie ihre strukturellen und finanziellen Probleme zu lösen haben. Das rächt sich, wie Griechenland zeigt, wo deutsche Diplomaten und Abgeordnete von einer wütenden Menge angegriffen wurden. Ich habe für die Wut Verständnis. Ein Europa in sozialer Schieflage habe auch ich nicht gewollt.

Thomas Boje, per E-Mail

So dürfen Kinder von Erzieherinnen nicht behandelt werden

Zum Artikel: "Kleinkinder ans Bett gefesselt" vom 18. November

Es ist ein absoluter Skandal, wenn so genannte Erzieherinnen im 21. Jahrhundert Kleinkinder im Bett fesseln um für Ruhe zu sorgen. Völlig klar, dass man diese Leute entlässt. Der allerdings viel größere Skandal ist jedoch, dass die Fachvorgesetzte erklärt, dass diese Methode, etwas modifiziert, sogar erlaubt ist. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass die Kinder mit Methoden der modernen Pädagogik beruhigt werden, wenn sie unruhig sind. Weit gefehlt - bei Unruhe Fesselung.

Offensichtlich hat das, bis auf eine Praktikantin, auch niemanden irritiert. Das zeigt, dass für eine gute Versorgung mit Kitas noch viel mehr zu tun ist, als nur Gebäude zu errichten und Arbeitslose im Schnellverfahren zu "Erziehern" zu machen.

Thomas Schulz, Oberkrämer