Leserbriefe

"Keine grenzenlose Solidarität"

Leser zu weiteren Finanzhilfen für Griechenland durch die EU in Höhe von 31 Milliarden Euro

Nun ist das Possenspiel hinsichtlich der Hilfstranche von 31 Milliarden Euro aus dem zweiten Rettungspaket für Griechenland, wie nicht anders zu erwarten war, mit dem Platzet der Troika beendet worden, sodass das Geld fließen wird. Griechenland benötigt zusätzlich noch 15 Milliarden Euro, um den Staatshaushalt bis Ende 2014 finanzieren zu können. Damit sollen etwa auch die Kreditschulden Griechenlands abgedeckt werden. Dazu zählt der Kredit, mit dem Griechenland unter Mithilfe des Kreditgebers Goldman Sachs sein Haushaltsdefizit seinerzeit derart frisiert hatte, dass es die Beitrittskriterien zur EG erfüllen konnte. Im Klartext bedeutet dies: Mit den geleisteten und noch zu leistenden Rettungsbeträgen aus den Haushalten der Geberländer, also vornehmlich Deutschland, wurden und werden auch die Kreditschulden von Griechenland gegenüber Goldman Sachs getilgt. Außerdem lässt die griechische Regierung derzeit eine Formel-1-Rennstrecke für 95 Millionen Euro (Kostensteigerungen sind zu erwarten) bauen, obwohl sie bereits Unsummen aus unbezahlten Rechnungen den aus- und inländischen Firmen schuldet. Bereits für 2013 sind im Haushalt dafür stattliche 7,9 Milliarden Euro als inländische Verbindlichkeiten eingestellt. Der Finanzbedarf nur für diese besonders bizarren Haushaltsposten wird letztlich mit Hilfsgeld der Euro-Geberländer, vornehmlich von Deutschland beziehungsweise seinen Steuerzahlern, abgedeckt. Wo endet die Solidarität der Geberländer?

Dirk Stelzer, Wannsee

Es scheint, dass momentan alles einem weltweiten finanziellen und wirtschaftlichen Zusammenbruch entgegensteuert, wenn nicht endlich Verstand und Vernunft einkehren und dem Euro-Rettungswahn ein Ende bereitet wird. Und das liegt an den Unfähigen in den EU-Regierungen, die offenbar in Bezug auf Finanzwirtschaft und Regieren weder Sachverstand noch Verantwortungsbewusstsein haben. All die großmäuligen Bankenbosse, Bankenmanager und Wirtschaftsbosse sowie die staatlichen Finanzminister sollten durch wirklich fachkundige Fachkräfte ersetzt werden, die nicht für ihre eigene Machtgier, ihr eigenes Image und nicht nur für den eigenen Gewinn wirtschaften, sondern für den Staat und damit für das Volk. Der Gipfel des Wahnsinns ist dabei die Idiotie, dass Schulden in unbegrenzter Form gemacht werden sollen.

Achim Wolf, per E-Mail

Sparen innerhalb der EU muss auch für deren Parlament gelten

Zum Artikel: "EU-Parlament blockiert Haushaltsverhandlungen" vom 14. August

Auch beim Europäischen Parlament muss Sparen angesagt sein. Somit ist es ist folgerichtig, dass einige Staaten Haushaltskürzungen einfordern. Dieser aufgeblähte Verwaltungsapparat muss verkleinert werden. Es ist keinem Arbeitnehmer in Europa zu vermitteln, dass er sich mit immer weniger Geld zufrieden geben soll, aber beim EU-Parlament das Geld nur so rausgeschmissen wird. Jeder EU-Parlamentarier hat Vergünstigungen, von denen jeder EU-Arbeitnehmer nur träumen kann. Für die jährliche Heimreise bekommt der EU-Parlamentarier eine 1.-Klasse-Bahnfahrt für sich und Familie bezahlt. Und da Europa ja so groß ist, bekommt er bis Berlin drei Tage und bis Rom fünf Tage Zusatzurlaub.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Frauen sind durchaus in der Lage, sich selbst durchzusetzen

Zum Artikel: "Die Quote wirkt" vom 15. November

EU-Kommissarin Viviane Reding vertritt konsequent die Meinung, eine Frauenquote in den Aufsichtsräten europäischer börsennotierter Unternehmen sei unausweichlich und dringend notwendig. Dieses Ziel hat sie nun erreicht, bis 2020 sollen 40 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt sein. Ich wundere mich jedoch über die letzte Aussage der EU-Kommissarin: "Man muss Frauen helfen, damit sie sich bewähren können. Wenn sie sich nicht bewähren, sollte man aber auch nicht an ihnen festhalten, nur weil sie Frauen sind." Wird Frauen durch die Frauenquote geholfen, sich zu bewähren? Ruft diese Quote nicht einen negativen Beigeschmack bei den männlichen Kollegen hervor, der der neuen weiblichen Kollegin das Arbeitsklima erschwert? Und wird Frauen nicht schon bereits sehr gut geholfen, wenn 60 Prozent der Universitätsabsolventen weiblich sind? Weiterhin ist die Aussage, dass Frauen nur tragbar sind, wenn sie sich bewähren, gegenläufig zur Frauenquote. Sie werden doch auch bevorzugt eingestellt, "nur weil sie Frauen sind". Frauen sind durchaus in der Lage, sich selbst durchzusetzen. Ich bezweifle, dass engagierte, kompetente und fähige Frauen Probleme haben werden, einen entsprechenden Job zu finden. An ihrer Stelle sähe ich diese Quote als Verspottung und Abwertung aller Frauen, als wären sie ohne nicht fähig, erfolgreich zu sein.

Lewin Rexin, Lichtenrade