Leserbriefe

"Den Rückwärtsgang eingelegt"

Leser zur Debatte um die Lebensleistungsrente und das neue Alterssicherungskonzept

Da kann einem doch der Hut hochgehen: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) scheint mir nicht voranzupreschen, sondern eher den Rückwärtsgang eingelegt zu haben. Jetzt ist gar nicht mehr die Rede von den 30 Jahren Mindestrenteneinzahlung, sondern stattdessen von 40 Jahren, wogegen wiederum die 40-jährige Anwartschaftszeit sowie freiwillige Vorsorge und/oder jahrelang selbst eingezahlte Riester-Rente offenbar nun bedeutungslos sind. Dass für mich als älteren Hartz-IV-Bezieher seit geraumer Zeit vom Jobcenter keine Beiträge mehr in die Rentenkasse eingezahlt werden, verdanke ich ja auch Frau von der Leyen, zumindest aber ihrer Partei. Also, alles wie gehabt, irgendwelche Zusatzrenten sind für mich nur Luftschlösser.

Detlef Moese, Charlottenburg

Was bekommen Arbeiter und Angestellte, die unter Lohndumping und unter Hartz-IV-Aufstockung gelitten haben, für ihre ganz persönliche Lebensleistung nach 40 Arbeitsjahren, falls sie privat vorgesorgt haben? Eine sogenannte Lebensleistungsrente, die nur zehn bis 15 Euro pro Monat über der gesetzlichen Grundsicherung liegt. Das ist keine Würdigung der Lebensleistung von gesetzlich versicherten Menschen, sondern eine Verachtung und Minderwertschätzung von deren geleisteter Arbeit. Mit sozialer Gerechtigkeit hat das nichts zu tun.

Roland Klose, per E-Mail

Historische Pfähle als Souvenir für den Schlossbau verkaufen

Zum Artikel: "3000 Pfähle, 300 Jahre alt, gezogen in wenigen Sekunden - Barockes Fundament des Berliner Schlosses weicht einem neuen" vom 8. November

Das Geld liegt auf dem Berliner Schlossplatz - und keiner bückt sich. 58,2 Millionen Euro fehlen noch an Spenden für die Wiedererrichtung des Berliner Stadtschlosses. Mein Vorschlag zur Reduzierung des Defizits: Jeder Unterstützer des Wiederaufbaus bekommt ab einer Spende von mindestens 150 Euro einen 300 Jahre alten Stamm aus dem Untergrund des Berliner Schlosses frei Haus geliefert oder zur persönlichen Abholung. Das wäre dann ein geschichtsträchtiges Zierstück für jedes Haus und jeden Garten.

Dr. Peter Hampel, Steglitz

Etwas mehr Bescheidenheit sollten die Verantwortlichen vor diesem Bauvorhaben schon haben. Jetzt schon den Zeitpunkt der Grundsteinlegung festzulegen (Mai 2013) ist purer Optimismus. Nach dem bis jetzt unvollendeten Großflughafen BER sollte man vorsichtiger sein. Mit den Holzpfählen könnte man unter Umständen noch etwas Geld zum Wohle des Schlosses eintreiben. In Einzelstücke zerlegt, können die 300-jährigen Pfähle als Souvenir wie einst die Mauerstücke verkauft werden.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Gemeinsam Prozesse leiten, kontrollieren und Probleme lösen

Zum Artikel: "'Bau-Chaos nicht Schuld der Bezirke'" vom 6. November

Etwas geplagt, jedoch auch geduldig, ertragen wir die Staus vor irgendeiner Baustelle. Ist dies doch ein Zeichen dafür, dass Berlin lebt und hier etwas geschieht. Vertrauend darauf, dass die Verantwortlichen, gleich welcher Ebene, ihr Bestes tun, den Konflikt zwischen dem Notwendigen und dem zu Ertragenden möglichst zu minimieren, beteiligen wir uns daran mit Gelassenheit und Verständnis in der Hoffnung, dass wir möglichst bald durch freie Fahrt belohnt werden. Diese Hoffnung hat sich nun offensichtlich als trügerisch erwiesen, denn zwischen dem Berliner Senat und den Bezirken scheinen ernsthafte Diskrepanzen zu bestehen, die uns aufhorchen lassen und Sorgen bereiten. Der zuständige Bausenator Michael Müller (SPD) beklagt, dass die Bezirke ihren Aufgaben nicht ausreichend nachkommen. Der Baustadtrat von Mitte, Carsten Spallek (CDU), wehrt sich mit fundierten Fakten, dass das "Bau-Chaos nicht Schuld der Bezirke" sei. Der Bau- und gleichzeitig Verkehrssenator zieht seine Konsequenzen, fordert bessere Absprachen und erklärt Berliner Baustellen zur Chefsache. Dafür wird es eine zentrale Koordinierungsstelle auf Landesebene geben. Mit Verlaub, für berlinweit mehr als 100.000 Baustellen pro Jahr? Eine derartige Konzentration ist kaum vorstellbar, da die praktischen und konkreten Beziehungen vor Ort nicht ersetzbar sind. Entscheidend ist eher die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Landesebene und den Bezirken, wie Spallek richtig anmerkt. Die Prozesse sind gemeinsam zu leiten, zu kontrollieren und die Probleme auch nur gemeinsam zu lösen. Als Berliner kann man sich nur dringend wünschen, dass das alles gut geht, denn mit sogenannten Chefsachen haben wir bislang keine guten Erfahrungen gemacht, da sie nichts bewirken, aber auch gar nichts, wenn die Voraussetzungen fehlen.

H. Kunzelmann, per E-Mail