Leserbriefe

"Einmaligkeit geht verloren"

Leser zur geplanten Umrüstung von mehr als40.000 Berliner Gaslaternen auf elektrischen Betrieb

Berlin hat wegen des Zweiten Weltkrieges nicht mehr so viel alte Bausubstanz wie etwa Wien oder Paris. Deshalb sollte man wenigstens mit den alten Gaslaternen, die in der vorhandenen Menge einzigartig auf der Welt sind, ein wenig behutsamer umgehen. Warum kann man nicht mit diesen Pfunden wuchern, wenn uns vor allen Dingen viele weit gereiste Touristen darum beneiden? Die kleinkarierte Denkweise einiger provinzieller Politiker des Senats, die für die Abschaffung der Gaslaternen sehr umstrittene und fragwürdige Umwelt- und Energiegründe vorschieben, sollte uns nicht beirren.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Von 2001 bis 2003 war ich Geschäftsführer der ATlux GmbH Berlin, der ersten Gesellschaft, die das Management für die öffentliche Beleuchtung in Berlin privatwirtschaftlich im Auftrag des Landes Berlin betrieben hat. Bereits damals habe ich aus wirtschaftlichen Gründen mehrfach gefordert, die Gasbeleuchtung durch elektrische Beleuchtung zu ersetzen. Leider hatte bei der Landesregierung niemand den Mut, sich an dieses Thema zu wagen. Immer wieder schreckte man vor den nostalgisch Verklärten zurück. Angesichts der Tatsache, dass Berlin hoch verschuldet ist, wundert es mich, dass weiterhin diese uneffektive Gasbeleuchtung betrieben wird. Meinen Vorschlag von damals habe ich mit Zahlen, die auch heute noch gültig sind, untermauert. Wartung und Instandhaltung eines Gaslichtpunktes kostet jährlich 72,50 Euro, bei einem elektrischen Lichtpunkt nur 14,51 Euro. Die Differenz beträgt also 57,99 Euro. Das macht bei etwa 40.000 Lichtpunkten 2,3 Millionen Euro im Jahr. Berlin hat also in den vergangenen zehn Jahren so 23 Millionen Euro verschleudert. Zu diesen Kosten kommen dann noch die Kosten für die Energie, die bei der Gasbeleuchtung ebenfalls beträchtlich höher als bei der elektrischen Beleuchtung sind, hinzu. Den Umweltschützern sei noch gesagt, dass die Gasglühstrümpfe, die jährlich getauscht werden müssen, radioaktives Material enthalten.

Erhard Hiller, Oberkrämer

8000 Gaslaternen werden bis 2016 verschrottet, von den derzeit 43.500 Gaslaternen sollen am Ende nur noch 2000 übrig bleiben. Es ist schlicht ein historisches Debakel, was da veranstaltet wird. Hier hat der Denkmalschutz offensichtlich versagt. Bei etwas langsamerer Vorgehensweise hätte man keine elektrischen Kompaktleuchtstofflampen einbauen, sondern gleich die LED-Technik verwenden sollen. Dafür gibt es auch noch Fördermittel vom Bund.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Unwürdiger Umgang mit protestierenden Menschen

Zum Artikel: "Polizei sammelt Decken protestierender Flüchtlinge ein" vom 28. Oktober

Nachdem ich den Artikel gelesen habe, war ich in der Mittagspause selbst bei den protestierenden Flüchtlingen am Brandenburger Tor. Als ich meiner Frau am Abend erzählt habe, dass die Polizei den demonstrierenden Flüchtlingen die Schlafsäcke und Isomatten weggenommen hat, hat mich mein dreijähriger Sohn gefragt, warum sie das getan hätte. Ich konnte es ihm nicht erklären. Hoffentlich können die Mitarbeiter beim Bezirksamt, die politisch Verantwortlichen und die Polizeibeamten es ihren Kindern erklären, warum sie bei dieser menschenfeindlichen Schikane mitgemacht haben.

David Christiansen, Neukölln

Wie vertragen sich das Bekenntnis zur Menschenwürde und die Behandlung der Asylanten am Brandenburger Tor durch unsere Polizei miteinander? Wir sollten uns schämen, einem Frierenden den einzigen Schutz zu nehmen.

Heide Binner, per E-Mail

Verbreitung von Wildtieren in der Stadt begegnen

Zum Artikel: "Waschbären fühlen sich in der Nachbarschaft des Menschen wohl" vom 29. Oktober

Mit Interesse habe ich den Artikel gelesen. Dem Resümee, dass von Waschbären in der Stadt keine Gefahr ausgeht, muss ich jedoch widersprechen. Ich bin Bezirksschornsteinfegermeister in Mitte und Charlottenburg. Im vergangenen Jahr wurde ich von Hausbesitzern zur Hilfe gerufen, da in den Schornsteinen Waschbären ihr neues Zuhause gefunden hatten. Bei der Nutzung von Gasfeuerstätten wird zuerst der Waschbär vergast, und anschließend gelangen die Verbrennungsgase zurück in den Aufstellraum der Feuerstätte, was wiederum eine massive Gefährdung des Feuerstättenbetreibers darstellt. Waschbären, Füchse und auch Wildschweine sind Opportunisten und wir als Stadtbewohner gut beraten, deren Verbreitung in der Stadt zu begegnen. Gerne verweise ich auch auf unsere Homepage (www.schornsteinfeger-charlottenburg-wilmersdorf.de). Dort gibt es einige Fotos zum besagten Problem sowie einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema.

Sven Reimann, per E-Mail