Leserbriefe

"Hygiene unbedingt verbessern"

Leser zum Auftreten von Krankenhauskeimen, die zu gefährlichen Infektionen führen können

Ich habe in den vergangenen fünf Jahren wiederholt Krankenhausbesuche machen müssen. Mir fiel hierbei auf, dass es dort mit der Sauberkeit nicht so genau genommen wird. Hier sind nicht die Reinigungskräfte, sondern die Krankenhäuser in der Pflicht. Wie überall werden Fremdfirmen, häufig die billigsten, genommen, wobei diese Kräfte auch noch schlecht bezahlt werden. Das Personal hat dann in einer nicht nachzuvollziehenden Geschwindigkeit Zimmer zu reinigen. Dabei muss natürlich die Leistung auf der Strecke bleiben. Solange die Krankenhäuser nicht wieder eigenes Reinigungspersonal beschäftigen, wird es weiterhin Probleme mit Krankenhauskeimen geben.

Bernd Bosecki, Hakenfelde

Faszinierend ist tatsächlich das Interview mit Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hinsichtlich der Keim-Diskussion in der Charité und dem Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB). Darin warnt er vor Vorverurteilungen. Er selbst ist vor wenigen Tagen vor die Medien getreten, hat die Charité beschimpft und das DHZB ausgelassen. Das wundert nicht besonders, gehört doch die Charité fachlich zum Ressort seiner Senatskollegin, der Wissenschaftssenatorin Sandra Scheerres (SPD), das DHZB hingegen fällt in seine Zuständigkeit. Und dann seine Aussage, 50 Prozent der Keim-Infektionen seien quasi schicksalhaft bei immunsupprimierten - also de facto alten und ganz jungen -Patienten hinzunehmen. Gerade diese Menschen sollen doch mittels hoher Hygienestandards geschützt werden. Doch seit 20 Jahren nehmen die Krankenhausinfektionen stetig zu. Im Infektionsschutzgesetz ist eindeutig bestimmt, dass quasi jede nosokomiale (also in Krankenhaus erworbene) Keiminfektion zu melden ist. Man stelle sich vor, die Krankenhäuser machten dies. Die bezirklichen Amtsärzte gingen unter im Wust der Information und verlören jeden Überblick. Und Czajas Muster-Gesundheitsamt wäre dann ein Modell von gestern. Der Umstand, dass jemand Gesundheitssenator ist, heißt ja leider nicht, dass er von der Materie Ahnung hat. Hier kommt eben Darstellungssucht vor der Wahrnehmung von Fachverantwortung.

Walter Binse, Wedding

Als älterer Mensch mit mehr als 70 Jahren sollte man - sofern es irgendwie möglich ist - einen Krankenhausaufenthalt in Deutschland vermeiden. Es ist allgemein bekannt, dass in unseren Krankenhäusern wesentlich mehr Patienten an Antibiotika multiresistenten Keimen sterben, als etwa in niederländischen Gesundheitseinrichtungen, weil dort strengere Hygienevorschriften gelten. Hierzulande sträubt man sich, konkret Krankenhäuser zu benennen, in denen besonders viele Patienten an MRSA oder anderen tödlichen Keimen sterben. Damit hätte der Patient die Chance, diesen Einrichtungen fernzubleiben.

Ich, beziehungsweise meine Familie, gehören selbst zu den Betroffenen. Anfang Oktober verstarb meine Frau in einem Berliner Klinikum an einer besonders schweren Infektion (vermutlich MRSA) und nicht an ihrer Grunderkrankung, wegen der sie in das Krankenhaus kam. Solange man in Deutschland den Tod durch MRSA als betriebsbedingten Unfall, gegen den man machtlos ist, hinnimmt, wird sich hier nichts ändern.

Dieter Andree, Lichtenberg

Straßenbäume sind die Lebensadern der Stadt

Zum Artikel: "Kein Geld, kein Baum" vom 26. Oktober

Erneut verschleudert diese Stadt, die sich sonst so zukunftsorientiert gibt, ihr Kostbarstes, ihre Bäume. Bäume und die von ihnen erzeugte Luftqualität ist Lebensader Nummer eins für diese Stadt. Das Wasser hat Berlin schon vor Jahren verscheuert, jetzt will sie es für viel Geld zurückkaufen, hat aber keins für neue Bäume. Für mich steckt Irrsinn dahinter. Ich bin Schweizerin, lebe seit 42 Jahren in dieser Stadt, wohne in Nord-Neukölln und pflege dort vier Straßenbäume, einen Innenhof und zwei Mittelstreifen-Wiesen. Baumscheiben, von mir bepflanzt, kämpfen ums Überleben, weil sie eher als Mülleimer und Hundeklo benutzt werden. Der Einsatz für das Grün in dieser Stadt kostet täglich Energie, aber es lohnt sich.

Gabriela Pawlak, Neukölln

Wichtige Institution für Verbraucher muss erhalten werden

Zum Artikel: "Stiftung Warentest rutscht erstmals in die roten Zahlen" vom 28. Oktober

Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon nach dem Urteil der Stiftung Warentest gerichtet habe. Wir Verbraucher benötigen unbedingt "Test" und "Finanztest". Ich hoffe, die öffentliche Hand gleicht das Defizit aus. Man könnte ja das Geld für die neue (unnütze) Zentralbibliothek nehmen. Das reicht auch noch für Greenpeace und Foodwatch, die uns auch viel über unsere Ernährung mitteilen, was wir sonst nie erfahren würden.

Regina Kröning, Spandau