Leserbriefe

"Schlechtes Krisenmanagement"

Leser zur Suche nach den Ursachen für die tödliche Infektion eines Säuglings in der Charité

Solange die Krankenhäuser in Eigenverantwortung ihre Hygiene überwachen, wird es immer wieder zu eklatanten Mängeln kommen. Abstellen ließe sich diese Fehlorganisation nur durch unangemeldete Kontrollen von externen Einrichtungen wie den Gesundheitsämtern, mit dann entsprechender Personalausstattung. Bei angemeldeten Kontrollen, wie zum Beispiel in den Krankenhaus-Küchen, wird den Betreibern leider die Möglichkeit gegeben, sich entsprechend darauf vorzubereiten.

Dietmar Lorenz, Lichtenrade

Wenn Kinderleichen einfach so verschwinden beziehungsweise deren Verbleib erst nach Tagen aufgeklärt werden kann, ist das schon sehr merkwürdig. Und wenn sich dann herausstellt, dass diese Kinderleiche auch noch - ohne sie zuvor ausreichend untersucht und obduziert zu haben - an die Eltern zur Bestattung ausgehändigt wird, stellt das den Aufklärungswillen der Charité in ein fragwürdiges Licht. So etwas passt einfach nicht zu so einem renommierten Krankenhaus. Dass Fehler passieren, ist bedauerlich, aber durchaus menschlich. Die falschen Schlussfolgerungen für das Handeln danach daraus zu ziehen, allerdings unverzeihlich. Daraufhin sollte nun schleunigst das Krisenmanagement der Charité gründlich unter die Lupe genommen werden.

Bernd Griese, Friedenau

Prinzip der schlanken Verwaltung im Bundestag außer Acht gelassen

Zum Artikel: "40 Millionen Euro für ein neues Wahlrecht" vom 19. Oktober

Die Wahlphilosophie der Parlamentskandidaten besteht darin, dass sie ihrer linken Hand erlauben, nicht zu wissen, was ihre rechte tut. Und so waschen sie beide Hände in Unschuld. Dieses Zitat von Karl Marx beschreibt zutreffend die Intentionen der im Bundestag sitzenden Volksvertreter und ihrer Parteien bei der notwendigen Reform des Wahlrechts. Hier steht nicht das Volksinteresse im Vordergrund, sondern die Parteiräson. Ziel ist es dabei, mit so vielen Mandaten wie möglich politischen Einfluss, Macht und gute Pfründe zu haben - ganz gleich, ob mit Überhang- oder Ausgleichsmandaten. Die Prinzipien des Lean Managements, welche für eine schlanke und effiziente Führung in der Wirtschaft und somit auch für die stetige Verkleinerung des Beamtenapparats bei Bürokratieabbau und demografisch bedingter sinkender Bevölkerung in Deutschland gelten sollen, werden bei der Anzahl der Abgeordneten im Bundestag außer Acht gelassen. Hier verhält sich ein Mehr an Abgeordneten und damit verbundener Unterhaltszahlungen umgekehrt proportional zu einem Weniger an Glaubwürdigkeit, Entscheidungsfähigkeit und erforderlicher Anwesenheit bei politischen Auseinandersetzungen. Quo vadis, Bundestag?

Roland Klose, per E-Mail

Reale Chance für Erweiterung mit guter Architektur

Zum Artikel: "Architekt schlägt Erweiterungsbau der Nationalgalerie vor" vom 20. Oktober

Das halte ich für eine hervorragende städtebauliche Idee für den Kemperplatz, der Platzcharakter bliebe erhalten. Er hat doch das Einmalige, dass er ein Ensemble aus Solitären ist, einschließlich der Staatsbibliothek, und hat als solcher etwas Großartiges. Damit käme der noch fehlende Solitärbau hinzu. Da hier auch die Bauaufgabe konkret ist (Museumserweiterung), besteht real die Chance, dass weitere gute Architektur hier hinzukommt. Das wäre viel eher Berlin, als diese biedere, rückkorrigierende, entstellende Lösung von Ex-Stadtbaudirektor Hans Stimmann, der vor die Solitäre gesichtslose "Klötzchen" setzen will.

Jürgen Spiegel, Neukölln

Rascher Baufortschritt ist wichtiger als endlose Schuldzuweisungen

Zum Artikel: "Wieder Zweifel am Starttermin für den BER" vom 25. Oktober

Dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter, ist daran gelegen, dass unser BER schnellstmöglich eröffnet wird. Deshalb will er demnächst mit Flughafen-Technikchef Horst Ammann die Situation im Verkehrsausschuss erörtern. Konstruktive Beiträge hierzu wären auch vonseiten des Bundesverkehrsministeriums hilfreich, indem es sich beispielsweise in Brüssel für die Genehmigung der noch für die Fertigstellung des Flughafens erforderlichen finanziellen Mittel einsetzen würde, anstatt eine personalpolitisch geführte Diskussion um Flughafenchef Rainer Schwarz zu betreiben. Weitere Probleme sind zudem durch den weiterhin erforderlichen Flugbetrieb in Tegel entstanden. So beklagen Mitglieder der Fluglärmkommission sogar schon den Flugverkehr tagsüber. Bei aller zurzeit negativen Diskussion über unseren regionalen Luftverkehr sollte nicht auch noch der Flugplan unnötig behindert werden.

Holger Voss, Spandau