Leserbriefe

"Krankenstand überrascht nicht"

Leser zum drohenden Lehrermangel wegen der zahlreichen akut und chronisch kranken Pädagogen

Auch wenn der Berliner Senat immer wieder das Gegenteil behauptet, seine andauernde unsinnige Sparpolitik ist zu einem riesigen Problem für die ganze Stadt geworden. Seit Jahren nun schon wird der gesamte öffentliche Dienst schlechter bezahlt als in anderen Bundesländern, und obendrein stehen massive Stellenkürzungen weiterhin auf der Agenda. Wo soll das noch enden? Der hohe Krankenstand bei den Lehrern kommt da nicht von ungefähr. Der Fragebogen Gesundheitsmanagement der Bildungsverwaltung ist doch nur reiner Aktionismus und führt ins Leere, weil die politischen Rahmenbedingungen nicht stimmen. Wo ständige Personaleinsparungen außerdem hinführen, haben wir nun gerade auch beim Mord am Alexanderplatz erfahren müssen, denn bei mehr Polizeipräsenz hätte dies womöglich verhindert werden können. Ich stelle fest, dass der Wowereit-Senat seinen Aufgaben in dieser Stadt nicht mehr gewachsen ist.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Die Gesamtelternvertretung der Grundschule am Brandwerder in Staaken hat bereits Mitte September auf die alarmierenden Zustände bezüglich der verfügbaren Lehrkräfte und der zuständigen Erzieher hingewiesen. Hinzu kam die längere Erkrankung des Schulleiters. Dessen Vertreter kämpft bereits an allen Fronten, um den Schulbetrieb einigermaßen aufrecht zu erhalten. Die Schule hat derzeit 282 Kinder. Von den 22 tätigen Lehrkräften fehlten sechs. Bei den Erziehern sah es nicht besser aus: Von neun Erziehern waren drei erkrankt. Dies hatte zur Folge, dass beim Jahrgangsübergreifenden Lernen (JÜL) die erste Stunde ersatzlos gestrichen und Leistungskurse der Sport AG eingestellt wurden. Ein Brief an die Schulaufsicht hat ein Gespräch zur Folge, allerdings wird seitens der Schule wenig Hoffnung auf eine zeitnahe, adäquate Änderung signalisiert.

Michael Klages, per E-Mail

Schwaben sind immer für eine Überraschung gut

Zum Artikel: "Grünen-Politiker Fritz Kuhn gewinnt Wahl in Stuttgart" vom 22. Oktober

Ich freue mich über den Sieg des Grünen Fritz Kuhn bei der Oberbürgermeister-Wahl in Stuttgart. Es zeigt doch, dass die Schwaben immer für eine Überraschung gut sind und damit auch eine intelligente Wahl getroffen haben. Die CDU hat sich nach dem Mappus-Desaster in Baden-Württemberg einen weiteren Bärendienst erwiesen, indem sie einen Unternehmer zu ihrem Kandidaten kürte. Wie kann man in der heutigen Zeit solch eine politische Fehlentscheidung treffen, wo gerade Unternehmer, Banker und sonstige Kapitalisten einen äußerst schlechten Ruf besitzen?

Christian Bojé, per E-Mail

Haftung deckt bei den Dimensionen des Bauvorhabens kaum etwas ab

Zum Artikel: "BER: Bund will Flughafenchef haftbar machen" vom 21. Oktober

Wenn man BER liest, fällt einem immer wieder die arme Kassiererin ein, die einen fremden Pfandzettel für sich einlöste und sich damit strafbar machte. Wegen 1,30 Euro verlor sie ihre Arbeit. Ehrlichkeit und Rechtsprinzipien gelten auch im Kleinen, Verhältnismäßigkeit und Tolerierung bleiben eine Ermessensfrage. Wenn auch nicht mit dem BER vergleichbar, so ergibt sich die Frage, was wäre anders gewesen, wenn der Flughafenchef die McKinsey-Information, dass es Probleme beim Probebetrieb gäbe, bereits im März statt im Mai auf den Tisch des Aufsichtsrates gelegt hätte? Es ist zu befürchten: Nichts! Der Brandschutz und viele andere Mängel wären die benannte Ursache des Übels geblieben. Als Außenstehender weiß man inzwischen, dass unangenehme Fragen und Informationen unerwünscht waren. Man kann die beiden Geschäftsführer theoretisch voll, praktisch aber nur sehr begrenzt haftbar machen. Bei der gewaltigen Dimension des Schadens werden wir Steuerzahler die entscheidende Last zu tragen haben. Die Ursache dieses Debakels ist offensichtlich die fehlerhafte Gesamtorganisation des Vorhabens. Die fehlende fachkompetente Organisation und Begleitung der einzelnen Phasen ist mit gelegentlicher Aufsicht nicht zu kompensieren.

H. Kunzelmann, per E-Mail

Auch bei Dispo-Krediten muss eine Höchstgrenze festgelegt werden

Zum Artikel: "Krankenkassen: Union und FDP wollen Wucherzinsen verbieten" vom 21. Oktober

Es ist höchste Zeit, dass die Wucherzinsen generell - also nicht nur für Beitragsschuldner bei den Krankenkassen -, sondern vor allem auch bei den Banken für Dispo-Kredite abgeschafft werden. Dort trifft es meistens die Geringverdiener und Armen. Die Banken bekommen von der Bundesbank Geld für 0,75 Prozent oder gar noch geringere Zinsen. Deren Sollzins bei Dispo-Krediten liegt aber oftmals über 12 Prozent. Aber selbst schon mehr als 4 bis 5 Prozent sollten verboten werden.

Ludger Riedel, Konradshöhe