Leserbriefe

"Würde geht über den Tod hinaus"

Leser zu dem Diebstahl eines Kleintransporters, in dem zwölf Leichen lagen

Als ehemaliger Direktor des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin und damit auch zuständig gewesen für das Berliner Leichenschauhaus, habe ich immer großen Wert darauf gelegt, dass mit den uns anvertrauten Leichen sorgsam umgegangen wird. Nun lese ich, dass in einem Gewerbegebiet drei Kleintransporter gestohlen worden sind, von denen einer, wie es heißt, eine überaus heikle Fracht enthielt: In dem abgestellten Mercedes Sprinter lagerten die sterblichen Überreste von zwölf Menschen. Die Toten sollten im Auftrag von mehreren Bestattungsunternehmen zur Einäscherung in ein Krematorium gefahren werden. Unsere Sprinter (Leichenschauhaus) waren jeweils so ausgebaut, dass sie maximal vier Leichen aufnehmen konnten. Zwölf Leichen in einem solchen Fahrzeug hieße aber, dass die Leichen wie sonstiges Transportgut gelagert/gestapelt waren. Man mag sich das gar nicht vorstellen. Meinen Studenten habe ich regelmäßig zu Beginn des Semesters (Rechtsmedizin) gesagt: "Die Würde des Menschen geht auch über den Tod hinaus." Ich denke, dass dieser Vorgang noch weitere Fragen nach sich ziehen wird.

Prof. Volkmar Schneider, Lichtenrade

Wäre mal interessant zu wissen, wie der Transport bei den Angehörigen verrechnet wurde. Bestimmt nicht rabattmäßig, da es sich ja hier um einen würdelosen "Massentransport" gehandelt haben dürfte. Wenn diese Beerdigungsinstitute etwas kundenfreundlicher beziehungsweise preisgünstiger wären, könnte man sich diesen pietätlosen Leichentransport ersparen.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Es ist schier unglaublich, mit welcher Respektlosigkeit die Herren beim Autoklau vorgehen. Sollte der Leichenkonvoi in Osteuropa landen, darf man davon ausgehen, dass da jede Spur fehlen wird. Die Grenzkontrollen sind lächerlich. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwann fängt man an, sich die alten Vor-EU-Grenzkontrollen zurückzuwünschen. Die Kriminalität gerät bei aller zu schätzenden Freiheit in Europa angesichts der krassen wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede der Länder irgendwann außer Kontrolle. Vielleicht ist es schon so weit.

Armin Garske, Mitte

Kostenträchtige Probleme gibt es auch in unserem Land

Zum Artikel: "Schäubles Traum vom gemeinsamen Geld" vom 17. Oktober

Wegen der erheblich unterschiedlichen Verhältnisse und Einstellungen, die die verschiedenen Völker in Europa zu Geld, Verantwortung etc. haben, sollte Europa konsequent bei der bestehenden Vertrags- und Rechtslage bleiben, wonach kein Land für die Schulden eines anderen Landes einstehen muss. Das ist ganz offenbar die eindeutige Mehrheitsmeinung im Volk, zumal wir selbst hier bei uns große eigene kostenträchtige soziale Probleme lösen müssen.

Regina Werpuschinski, Frohnau

Friedenspreisträger bringt die Kritik auf den Punkt

Zum Artikel: "Das Imperium muss auseinanderbrechen" vom 15. Oktober

Selten hat ein Zeitzeuge die Machenschaften und Verbrechen der gegenwärtigen (und auch vorangegangenen) chinesischen Staatsführung so aufgelistet und anschaulich auf den Punkt gebracht wie der frisch gebackene Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, Liao Yiwu, in seiner Rede in der Paulskirche! Jetzt schäme ich mich erst recht, neulich ein supergünstiges Smartphone chinesischer Herkunft vom Discounter um die Ecke erworben zu haben.

Detlef Moese, Charlottenburg

Peinlicher Auftritt von S-Bahn-Chef Buchner

Zum Artikel: "Einsteigen bidde, zurückbleiben bidde" vom 14. Oktober

Nachdem ich den wirklich grandiosen Auftritt von Julian Zude in "Wetten, dass..?" verfolgt hatte, fand ich die PR-Kampagne der S-Bahn um diese Kinderwette eher peinlich. Der S-Bahn-Chef Peter Buchner nutzte die Gelegenheit, sich im Glanz des Auftritts seines zehnjährigen S-Bahn-Fans aus Meerbusch im Blitzlichtgewitter der Fotografen zu sonnen, obwohl er dazu keine Veranlassung hat. Noch immer klappt bei der S-Bahn so gut wie gar nichts! Verspätete oder ausfallende Züge nerven die Kunden, und es ist kein Ende abzusehen. Auf dem Bahnhof Friedrichstrasse sind seit über sechs Monaten die Rolltreppen defekt, und die S 85 fährt noch immer nicht. Es ist schon befremdlich, wenn man im Fernsehen die Bahnhöfe des Streckenabschnitts Oranienburg - Bornholmer Strasse von einem pfiffigen Jungen angesagt bekommt, aber in der Praxis diese Bahnhöfe nicht mehr alle erreichen kann, weil die S1 wegen Bauarbeiten unterbrochen ist!

Thomas Henschke, Waidmannslust