Leserbriefe

"Kläglich vergeigte Partie"

Leser zum WM-Qualifikationsspiel, in dem die Nationalelf einen Vier-Tore-Vorsprung verspielt hat

Nach dieser so kläglich vergeigten Partie kündigt Bierhof eine knallharte Analyse an. Was hat er denn bisher getan? Täglich ein paar nette Worte? Jeder, der das Spiel gesehen hat, weiß doch, was den Deutschen fehlt: Leidenschaft, ein wacher, selbstkritischer Geist und ein Ibrahimovic. Unter den deutschen Spielern war nicht ein einziger in der Lage, auf die nach dem zweiten Gegentor entstandene Situation mit Verstand und fußballerischem Willen zu reagieren. Ibrahimovic hat seine Mannen in der Halbzeitpause mit einer flammenden Rede aufgerichtet, die Folge haben wir erlebt. Kapitän Lahm hingegen forderte seine Mitspieler auf dem Feld in keiner Sekunde sichtbar für alle zur Gegenwehr auf, jeder schien mit sich selbst beschäftigt zu sein, Trainer Löw sowieso. Auch wenn in Fußball-Deutschland die Diskussion über Führungsspieler gern als Rückfall in die Steinzeit abgewiegelt wird, die Mannschaft wird nicht drumherum kommen, sich der mentalen Schwäche samt der lahmschen Selbstüberhebung bewusst zu werden. Es sei denn, jeder einzelne erweist sich als sein eigener kritischer Antreiber.

Torsten Trautmann, Spandau

Bei der "Manöverkritik" nach dem Spiel Deutschland - Schweden mit Herrn Beckmann, Herrn Scholl und dem später dazugekommenen Herrn Löw wurde die schwedische Mannschaft nicht mit einem einzigen Wort erwähnt. Zumindest Herrn Löw dürfte doch nach einigen Jahren Trainertätigkeit nicht entgangen sein, dass ein Fußballspiel von zwei Mannschaften bestritten wird. Hier liegt nämlich der Schlüssel für das Desaster. Die schwedische Mannschaft hatte, bedingt durch historische Erfahrung und unter dem Eindruck des 6:1 (Deutschland - Irland) viel zu viel Respekt vor der deutschen Elf. Erst als es nach einer Stunde so schien, als hätten sie nichts mehr zu verlieren und als ginge es nur noch darum, eine gute Figur zu machen, spielten sie frisch auf, und dann fiel auch gleich das 1:4! Und als dann kurz danach auch noch das 2:4 fiel, merkten sie natürlich, dass es mit der "Weltklassemannschaft Deutschland" gar nicht so weit her ist. Hätte das Spiel auch nur ein paar Minuten länger gedauert oder wäre es in die Verlängerung gegangen, Deutschland wäre mit fliegenden Fahnen unter- und als Verlierer vom Platz gegangen. Traurig, aber wahr. Glückwunsch an die Schweden, die dieses Unentschieden wie einen Sieg feiern können!

Rolf Pilgram, Schöneberg

In dem Sportbericht zum Schwedenspiel ist mir etwas an die Nieren gegangen. Da wird Klose mit Gerd Müller verglichen und dass ihm nur ein Tor fehle, um mit Müller gleichzuziehen. Das ist eine Diskriminierung von Gerd Müller. Müller hat in 62 Länderspielen 68 Tore erzielt und Klose in 126 Länderspielen 67 Tore. Dieses miteinander zu vergleichen ist doch wohl ein Witz. Wenn Klose nur annährend wie Gerd Müller wäre, hätte er mindestens 130 Tore erzielen müssen.

Uwe Köller, Steglitz

Immer wieder dieselben Fehler in der Berliner Verkehrspolitik

Zum Artikel: "Neue Großbaustelle am Hauptbahnhof für S-Bahn-Linie 21" vom 13. Oktober

Seit Jahrzehnten wird in der Berliner Verkehrspolitik derselbe Fehler gemacht: Im Zentrum finanziert man viel zu teuer Parallel-Bahn-Linien, die vorhandene Fahrgastströme nur neu verteilen, und in den Außenbezirken versäumt man, stillliegende Strecken zu aktivieren! Schlimmes Beispiel dafür ist die U5 Unter den Linden, die nur Kunden von der 200 bis 350 Meter entfernten Stadtbahn abzieht. Ähnlich kurzsichtig wird mit der Parallelstrecke Gesundbrunnen-Wedding-Hauptbahnhof zum Nord-Südtunnel Gesundbrunnen-Friedrichstraße verfahren: Am Spandauer Schifffahrtskanal soll ein Gewirr von Brücke und neuen Straßen entstehen, das noch nicht einmal die Wohngegend um die Perleberger Straße erschließt. Und wer soll denn mit der S-Bahn von Königs Wusterhausen über Süd-, West- und Nordring umständlich zum Hauptbahnhof gondeln, wenn doch die Verbindung Südkreuz-Hauptbahnhof viel kürzer ist?

Jürgen Czarnetzki, Spandau

Steinmeier war in der Troika sowieso chancenlos

Zum Artikel: "Steinmeier verzichtet seiner Frau zuliebe" vom 15. Oktober

In den Medien wird lautstark verbreitet, dass Herr Steinmeier (SPD) auf eine Kandidatur zum Bundeskanzler großzügig wegen seines Privatlebens verzichtet. Wer das glaubt, wird selig. Wochenlang kämpfte er in der Troika Gabriel, Steinbrück und Steinmeier, alle SPD, um die Vorherrschaft zum Wahlkandidaten für das Amt des Bundeskanzlers. Er war chancenlos unter den drei Kandidaten. Herr Steinmeier hätte doch zugeben können, dass Gabriel schon vom Altbundeskanzler Schmidt (SPD) ausgewählt wurde.

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg