Leserbriefe

"Erfolge werden oft ignoriert"

Leser zum Tag der Deutschen Einheit und der Bilanz nach 22 Jahren Wiedervereinigung

Seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wird dieses historische Datum als Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Aber was ist nach 22 Jahren noch von diesem Freudentag übrig geblieben? Wer noch die kommunistisch, diktatorisch regierte DDR kennt, sollte mal jetzt unsere neuen Bundesländer besuchen: saubere Häuser, neue Autobahnen, viele neue Autos vor den Türen, volle Einkaufszentren und vieles mehr. Aber was ist aus den Menschen geworden, die kurz vor der Wende mit brennenden Kerzen in die Kirchen gelaufen sind? Was ist aus der Region Brandenburg geworden? Die Kirchen sind leer, und die alten kommunistischen Seilschaften haben wieder Fuß gefasst. Bei Landtagswahlen wird von fast einem Drittel der Wähler der SED-Nachfolger Linkspartei gewählt. Brandenburg wählt rot. Wie scheinheilig sind dort nur die Bürger?

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

Die Lichtgestalt und der Messias Helmut Kohl taucht noch einmal in seiner heimeligen CDU-Bundestagsfraktion auf, die er 16 Jahre lang als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland rigoros dominiert hat. Helmut Kohl, der DDR-Eroberer und Kanzler der Einheit. Für viele jedoch einfach nur der Phrasen dreschende Polit-Prophet von blühenden Landschaften und einer geistig-moralischen Wende, die so in Deutschland nie stattgefunden hat.

Roland Klose, per E-Mail

Die negative Einstellung mancher Leser zum Stand der Wiedervereinigung kann ich nicht teilen. Ich weiß noch, wie ich nach dem Mauerfall zum ersten Mal über Magdeburg - Halberstadt - Wernigerode nach Bad Harzburg gefahren bin. Besonders bei Dunkelheit habe ich mich ins frühe Mittelalter zurückversetzt gefühlt. Lediglich Wernigerode ragte als DDR-Vorzeigeobjekt angenehm heraus. Man sollte mal jetzt diese Strecke fahren. Verblühenden Landschaften sind heute eher im Westen zu finden. Entsetzen hat mich gepackt, als ich Wuppertal nach 20 Jahren einmal wieder besucht habe. Längst hätte sich der Slogan Aufbau Ost vor Ausbau West in Verfallstopp West vor weiteren Ausbau Ost umkehren müssen. Wir haben ja nicht nur ein Ost-West-Gefälle (wenn es das denn überhaupt noch gibt), sondern auch ein Nord-Süd-Gefälle. Richtig ist, es besteht ein unterschiedliches Rentensystem. Dies war vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl zum Vorteil der Ostrentner so gewollt. Gerade die Ältesten sollten noch von der Wiedervereinigung profitieren. Die Behauptung aber, die Renten seien in Ostdeutschland deutlich niedriger, ist falsch. Dazu Zahlen von 2010: Durchschnittsrente Männer in alten Bundesländern: 1048 Euro (von Bayern mit 983 bis zum Saarland mit 1119 Euro); neue Bundesländer (ohne Berlin): 1031 Euro (von Mecklenburg-Vorpommern mit 1001 bis Sachsen mit 1059 Euro). Frauen in alten Bundesländern: 483 Euro (vom Saarland mit 390 bis Hamburg mit 596 Euro). Durchschnitt der Renten für Frauen in den neuen Bundesländern sind 667 Euro (von Sachsen-Anhalt mit 650 bis Sachsen mit 683 Euro). Das sind die Fakten.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Er strahlte viel Freundlichkeit aus und begeisterte das Publikum

Zum Artikel: "Dirk Bach stirbt überraschend in Berliner Hotel" vom 2. Oktober

Ein kleiner Großer hat die Bühne des Lebens verlassen. Mit Dirk Bach verliert die Nation einen liebevollen Charakter, der nur noch selten zu finden ist. Er strahlte viel Freundlichkeit aus, und sein schauspielerisches Talent begeisterte das Publikum. Im Gegensatz zu der jüngeren Generation der Komiker strahlte er Wärme und natürlichen Humor aus und machte sich nicht auf Kosten anderer lustig. Das Dschungelcamp gewann erst durch ihn und seine Partnerin Sonja Zietlow die nötige Würze, die eine im Prinzip langweilige Sendung einigermaßen erträglich machte. Er war ein Entertainer, der Deutschland in humorvoller Weise gut repräsentiert hat.

Thomas Hansen, per E-Mail

Nur mehr Kita-Plätze und flexible Arbeitszeiten können wirklich helfen

Zum Artikel: "Kristina Schröder und das Enkel- Volontariat" vom 28. September

Die Kritik an den absurden Vorschlägen von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ist berechtigt. Denn letztlich nimmt man berufstätige Frauen auch auf die Schippe, wenn nun plötzlich die Großeltern aus Steuergeldern finanziert auf die Kinder aufpassen sollen. Nur genügend Kita-Plätze sowie flexible Arbeitszeitmodelle - die die Bundesregierung nur unverbindlich von der Wirtschaft einfordert - können wirklich etwas an den gegenwärtigen Problemen ändern. Deswegen läuft die CDU mit Frau Schröder Gefahr, der SPD eine Steilvorlage für den Wahlkampf zu liefern, weil diese auch durch die Befürwortung einer Frauenquote wesentlich zukunftsgerechter denkt.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail