Leserbriefe

"Verlust für Kongressstadt Berlin"

Leser zur geplanten Umnutzung des ICC nach dessen Sanierung für geschätzte 200 Millionen Euro

Der gefundene Kompromiss ist für mich kein Kompromiss, sondern eine Beerdigung erster Klasse. Für alles und jedes wird heute ein großer Investor gesucht - jetzt auch für das ICC, das uns einst eine Milliarde D-Mark gekostet hat. Warum wir in Berlin kein derartiges, vielfach ausgezeichnetes Kongresszentrum brauchen, erschließt sich mir nicht. Die anderen Kongressstädte werden sich freuen, sind sie doch einen großen Konkurrenten los. Aber wen interessiert das schon im Berliner Senat, der mit öffentlichem Eigentum nachlässig und lieblos umgeht und nicht erkennt, dass Kongressteilnehmer viel Geld in die Stadt bringen und das Ansehen Berlins weltweit gestärkt haben? Wieder geht nach der Deutschland- und der Eissporthalle sowie zahlreichen Bühnen ein weiterer Veranstaltungsort im Westteil der Stadt verloren. Die zahlreichen privaten Investoren im kulturellen und strukturpolitischen Bereich im Ostteil der Stadt haben schon heute dafür gesorgt, dass Kultur für viele nicht mehr bezahlbar ist. Mit hohen Eintrittspreisen zahlen wir alle die neu gebauten Hallen ab und legen weite Wege zurück, um überhaupt noch kulturelle Ereignisse sehen zu können.

Ursula Schäfer, Westend

Asbestverseuchung des ICC? Eine Lüge! Ich habe als Verantwortlicher für den Stahlbau die Verhandlung für den Brandschutz geführt und weiß daher, dass das eingebaute Material Cafco keinen Asbest enthält. Im ICC Berlin ist Asbest nur in Platten enthalten, die für Kanalumkleidungen verwendet wurden. Da würde Asbest nur frei, wenn diese Platten zerstört würden. Sie müssen nicht, aber können ersetzt werden. Das Material Cafco gab es vor der Schutzummantelung der Stahlkonstruktion des ICC nicht, sodass die zuständigen Fachleute etwa für den Palast der Republik oder den Steglitzer Kreisel gar kein anderes Material als Asbest einsetzen konnten.

Heinz Oeter, per E-Mail

Vorschlag widerspricht der Lebenswirklichkeit in Deutschland

Zum Artikel: "Kristina Schröder und das Enkel-Volontariat" vom 28. September

Die geplante Einführung einer Großelternzeit ist genauso schwachsinnig wie die Einführung von Betreuungsgeld für Kinder, die nicht in den Kindergarten geschickt werden. Frau Schröder selbst ist das erste Mal mit 34 Jahren Mutter geworden. Wie alt mag wohl ihre eigene Mutter sein? Ich kenne einige Menschen, die das erste Mal im Alter von weit über 70 Jahren Großeltern geworden sind. Wer steht denn in diesem Alter noch im Berufsleben?

Christiane Wittke, Spandau

Richtige und wichtige Maßnahme für mehr Steuergerechtigkeit

Zum Artikel: "Finanzanwärter werden erstmals auf Probe übernommen" vom 26. September

Jetzt hat sich das Engagement der Gewerkschaft Ver.di für die Nachwuchskräfte in den Berliner Finanzämtern endlich ausgezahlt - und alle profitieren davon. Zuallererst natürlich die jungen Menschen, die jetzt mit einer bestandenen anspruchsvollen Ausbildung nicht sinnlos in die Arbeitslosigkeit geschickt werden, sondern ihr erlerntes Wissen auch anwenden können. Aber auch die Berliner insgesamt, denn mehr Personal führt auch zu mehr Steuergerechtigkeit, höheren Steuereinnahmen und einer kürzeren Bearbeitungsdauer. Die Mehreinnahmen braucht Berlin dringend für bessere Kinderbetreuung, bessere Bildungsangebote, die Sanierung von Schulen, Straßeninstandsetzung und vieles andere mehr. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (für SPD) sollte jetzt den ganzen Sprung über seinen Schatten wagen und endlich alle, die die Ausbildung bestanden haben, auch übernehmen.

Jörg Bewersdorf, per E-Mail

Bemäntelte Sparmaßnahme ist kein pädagogischer Fortschritt

Zum Artikel: "Ein Lehrer für die Oberschule" vom27. September

Nachdem es nicht gelungen ist, das Gymnasium zugunsten flächendeckender Gesamtschulen ganz abzuschaffen, versucht man es mit dem Einheitslehrer nun durch die Hintertür. Ganz klar, dass dieser nicht mehr die fachliche Qualifikation eines Studienrats haben wird. Diese Sparmaßnahme auch noch als pädagogischen Fortschritt zu verkaufen, ist eine Frechheit sondergleichen.

Götz Frömming, per E-Mail

Schwerere Unfallfolgen auch wegen fehlender Stoßstangen

Zum Artikel: "Tote und Schwerverletzte auf der A 10" vom 28. September

Sicher ist Übermüdung ein großes Sicherheitsproblem, aber auch fehlende Stoßstangen an Lkws und Bussen. Die würden einen Aufprall wesentlich mindern, besonders auch für die Lkw-Fahrer, die keinen Motorraum vorne als Puffer haben.

Ingrid Gollinger-Riedl, per E-Mail