Leserbriefe

"Verblühende Landschaften"

Leser zum Stand der deutschen Einheit 22 Jahre nach der Wiedervereinigung

Der kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober erneut vorgelegte Bericht zum Stand der deutschen Einheit der Bundesregierung steht auch im 22. Jahr der Wiedervereinigung weiterhin unter dem Motto: Im Osten nichts Neues. Die Kaufkraft der Ostdeutschen liegt immer noch deutlich unter der der Westdeutschen. In Sachsen-Anhalt liegt die Kaufkraft sogar 16 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Der Bevölkerungsrückgang zwischen Rügen und Dresden wird immer größer. Trauriger Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt. Dort schrumpfte die Einwohnerzahl um mehr als 20 Prozent. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wird in den kommenden Jahren die künftige Seniorenrepublik Deutschland aufgrund der Überalterung und Geburtenrückgänge besonders sichtbar. Dass die Arbeitslosenquote in den neuen Ländern noch immer doppelt so hoch ist wie im Westen und die Löhne und Renten im Billiglohnland Ostdeutschland ebenfalls deutlich niedriger sind, verwundert schon lange keinen mehr. In Ostdeutschland entstehen leider verblühende Landschaften.

Albert Alten, per E-Mail

Wir feiern seit 22 Jahren die Wiedervereinigung und haben eigentlich auch Grund dazu. Das Terrorregime DDR wurde beseitigt, die russische Besatzung beendet und die Mauer abgetragen. Aber Fakt ist leider auch: Unterschiede existieren noch immer. Es herrscht ein unterschiedliches Rentensystem, es werden andere Löhne gezahlt, andere Hartz-IV-Sätze, andere Zeiten bei der Arbeitslosenunterstützung und andere Sozialleistungssätze gewährt, Lehrer nicht verbeamtet und anderes mehr. Solange Politiker nicht gewillt sind, diese Teilung unseres Landes zu beenden, haben wir keinen Anlass, diese Ungerechtigkeiten noch zu bejubeln. Vor der Einheit Europas muss erst einmal die deutsche Einheit hergestellt werden, da gibt es noch viel zu tun.

Günter Laser, Karow

Gutes Leistungsangebot lockt Flüchtlinge nach Deutschland

Zum Artikel: "Flüchtlinge wissen nicht mehr, wohin" vom 25. September

Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, Kriegsflüchtlingen Aufenthalt zu gewähren, um ihr Leben zu schützen. Verstärkt gelangen aber Menschen zu uns, die wegen der gemäß dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gewährten erhöhten Leistungen Asyl beantragen. Ohnehin kommen die meisten Menschen aus Nichtkriegsgebieten hierher und stellen Asylanträge, um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. In den Flüchtlingslagern in Berlin entstehen bereits am Beginn der Aufnahmeverfahren Probleme mit Teilen der Asylsuchenden wie Verletzung der elterlichen Fürsorgepflicht, der Schulpflicht und Streitereien unter ethnischen Gruppen. Hier sind klare Signale zu senden und gegebenenfalls die Aufnahmeverfahren bereits im Anfangsstadium zu beenden.

Rolf Lehmann, Rudow

Drohendes Nachtflugverbot macht den Standort Berlin unattraktiv

Zum Artikel: "Lufthansa lässt Flughafen Berlin fallen - Größte Fluggesellschaft Europas zieht den Kölner Airport dem BER vor" vom 29. September

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) hatte sich um eine weitere Lufthansa-Ansiedlung in unserer Region bemüht, ist dabei aber an der hier nur mangelhaft vorhandenen Flexibilität in unserer Region gescheitert. Denn im Gegensatz zu Köln gibt es hier unzureichende Flugbetriebszeiten, dem neuen Großflughafen BER droht sogar ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Doch die in unserer Region vorhandenen Branchen - Pharma-, Chemie- sowie die Automobilzuliefererindustrie - sind auf ausreichende Flugbetriebszeiten angewiesen.

Holger Voss, Spandau

Lärm strapaziert das Gehör und verursacht psychische Störungen

Zum Artikel: "Jetzt entscheiden die Richter im Streit um die A 100" vom 24. September

Lärm ist einer der Hauptgründe, warum immer mehr Menschen an psychischen Störungen erkranken. Experten sind ständig unterwegs, um anfallende Lärmbelästigungen zu messen. Bund, Länder und Gemeinden investieren viel Geld in Lärmschutzmaßnahmen, wenn bestimmte Grenzwerte überschritten werden. An einigen Stellen von Autobahnen sollen Tempobeschränkungen den anfallenden Lärmpegel drosseln helfen. Dennoch stellt sich die Frage, ob mit solchen Maßnahmen der bestmögliche Schutz erreicht werden kann. Es bleibt zu hoffen, dass die Investitionen gegen den Lärm wirklich Abhilfe schaffen. Veranstaltungen mit Beschallungsanlagen und Feuerwerk zu jeder Gelegenheit tragen auch dazu bei, unser Gehör überzustrapazieren. Gartenhelfer wie Rasenmäher, Laubsauger, Heckenschere oder Hochdruckreiniger leisten ebenfalls einen nicht unerheblichen Beitrag, die Leistungsfähigkeit unseres Gehörs gefährlich auszureizen.

Peter Fuchs, per E-Mail