Leserbriefe

"Allein Kompetenz sollte zählen"

Leser zu der Gesetzesinitiative für eine Frauenquote in Aufsichtsräten von Dax-Unternehmen

Sicher sind viele ideologisch ausgerichtete Menschen über die gesetzliche Regelung einer Frauenquote in Aufsichtsräten beglückt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass eine Quotenregelung eine Garantie für die Effizienz dieses Aufsichtsrates ergibt. Vielmehr ist tief greifendes Fachwissen gefragt, um den Aufgaben eines Aufsichtsrates gerecht zu werden. Um eine Aufgabe gut vertreten zu können, reicht es nicht, etwas zu wissen, und selbst jahrelanges Studium muss noch durch ausreichende Praxis untermauert sein. Zum Beispiel gehört in den Aufsichtsrat des BER Fachwissen unterschiedlicher Sparten (Hochbau, Tiefbau, Sicherheitstechnik, Infrastruktur, Finanzen), um nicht ausschließlich auf die ausgefertigten Berichte der Ausführenden angewiesen zu sein - und dann ein Debakel zu erleben. Eine Frauenquote ohne entsprechendes Fachwissen hätte da nichts genutzt.

Wolfgang Grönke, per E-Mail

Wieder ein Gesetz, das überflüssig ist. Nach Artikel 3 des Grundgesetzes darf niemand wegen seines Geschlechtes bevorzugt oder benachteiligt werden. Bei Behörden sind diese Quotenregelungen zumeist ein zeitlicher Bremsklotz zur Stellenbesetzung. Hier wird eine gehobene Stelle so oft ausgeschrieben, bis sich eine Frau findet, die den Ansprüchen genügt. Priorität müssen das Wissen und die Eignung für die Stelle haben, alles andere schafft nur böses Blut. Den Frauen müsste es doch peinlich sein, wenn ihnen eine Stelle wegen ihres Geschlechts zugeschanzt wird.

Thomas Hansen, per E-Mail

Kein Problem, wenn Frauen wichtige Positionen in der Wirtschaft und auch anderswo besetzen. Dass die Männer den Weg der Frauen blockieren wollen, ist bekannt. Aber der jetzt eingeschlagene Weg, die gesetzliche Vorgabe, ist nicht der richtige. Man kann doch nicht bestimmen, wie hoch das Gras in Nachbars Garten sein soll, solange im eigenen Garten das Gestrüpp meterhoch wächst.

Bevor man per Gesetz bestimmen will, dass in der Wirtschaft bestimmte Positionen mit Frauen besetzt werden sollen, müssen die Politiker dieses Anliegen zuerst in den eigenen Reihen umsetzen. Wo ist denn die Frauenquote in den Parteien, wo in den Landesparlamenten, wo in den Gewerkschaften, wie viele Ministerpräsidentinnen gibt es denn und wie viele Ministerinnen in den Landesregierungen? Wie viele Frauen in den höheren Positionen gibt es in den Behörden? Also, alles zurück auf Los und im eigenen Laden die Forderungen umsetzen!

Wolf Kander, per E-Mail

Der Gesetzgeber überschreitet seine Kompetenz, wenn er in Sachen Frauenquote in betriebswirtschaftliche Abläufe eingreift.

Wolfgang Heller, Westend

Laut Grundgesetz darf niemand wegen seines Geschlechtes benachteiligt oder bevorzugt werden. Somit wäre eine Quotenregelung verfassungswidrig. Der Gesetzgeber sollte sich daher besser mit den ungleichen Löhnen für Frauen bei gleicher Arbeit beschäftigen und hier das Grundgesetz endlich durchsetzen. Ein einheitlicher Mindestlohn wäre im Ansatz schon erfolgreich, da er Männer und Frauen gleichermaßen betrifft.

Thomas Kramer, Marienfelde

Bei der Forderung nach einer Frauenquote werden aus lauter ideologischer Gleichmacherei die Unterschiede und Realitäten nicht mehr gesehen. Das ideale Umfeld mit den hervorragenden Bedingungen - auch aus finanzieller Sicht - einer Familie von der Leyen ist nun einmal nicht der Normalfall in Deutschland. Ein Mädchen macht mit 18/19 Jahren Abitur, studiert vier bis fünf Jahre und ist dann 23 bis 25 Jahre alt. Berufliche Fortbildung und Qualifizierungen folgen. Bekommt diese Frau dann erst Kinder, wäre sie aus dem Beruf raus, oder die Kinder müssen von Fremden erzogen werden. Ebenso problematisch sind eigene Kinder während des Studiums. Irgendwer muss immer Abstriche machen.

Regina Werpuschinski, Frohnau

Wenig echte Innovationen im Eisenbahngüterverkehr

Zum Artikel: "Großes Fest für Eisenbahn-Fans" vom 23. September

Auf der Innotrans gab wenig echte Innovationen im Eisenbahngüterverkehr. Die chronische Unterfinanzierung auf dem Forschungssektor zeigte sich nun auch auf der Schienenfahrzeugmesse. Nicht ohne Grund fordert Prof. Michel Hompel, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik, mehr Forschungsmittel für die Logistik bereitzustellen. Wie will die EU oder die Bundesregierung ihre Ziele erreichen, den Modalsplit Schiene bis 2025 von heute über 17 auf 25 Prozent zu erhöhen, wenn weder die verkehrspolitischen Rahmenbedingungen noch Logistikangebote den veränderten Marktanforderungen nach kleinvolumigen Gütern entsprechen?

B. Just, per E-Mail