Leserbriefe

Geld wird anderswo verschwendet

Leser zu der Studie, nach der gesundes Schulessen in Berlin aus Kostengründen nicht möglich ist

Es ist nicht nachzuvollziehen, warum ein Schulessen für Grundschüler, Gymnasiasten und Sekundarschüler unterschiedlich viel kosten soll. Das sind alles Kinder und Jugendliche, und die brauchen vitaminreiches und nahrhaftes Essen, egal, welche Schule sie besuchen. Eltern, die ein gewisses Einkommen überschreiten, müssen sich an den Kosten beteiligen beziehungsweise das Schulessen selbst bezahlen.

Für Eltern oder Alleinerziehende, die wenig verdienen, übernimmt das Land Berlin die Kosten. Das sollten uns die Kinder wert sein.

Lothar Wirth, per E-Mail

Bereits im Mai hatte ich einen Brief an den Regierenden Bürgermeister geschrieben, um ihn daran zu erinnern, wie er sich einst als Stadtrat in Tempelhof um die Kinder gekümmert hat. Ich stelle fest, dass es diesen Klaus Wowereit aus jener Zeit schon lange nicht mehr gibt.

Aus seinem Büro bekam ich einen lapidaren Brief mit der Bemerkung, dass sich Herr Wowereit selbstverständlich noch immer für die Kinder einsetzt. Nun frage ich mich, nennt er das Einsetzen für die Kinder seiner Stadt, wenn jetzt bekannt wird, dass das Schulessen in Berlin von schlechter Qualität ist? Wie viele Kinder gehen ohne Essen in die Schule und bekommen dann dort nur minderwertige Schulspeisung vorgesetzt? So etwas kann und darf es einfach nicht geben. Aber es ist ja nicht nur das Schulessen, das miserabel ist, sondern auch unsere Schuleinrichtungen und Kindertagesstätten sind größtenteils eine Katastrophe. In einigen Bezirken ist nicht einmal das Geld da, um weitere Kitas zu schaffen, obwohl mehr Kita-Plätze benötigt werden, weil es dort wieder mehr Kinder gibt. Wowereit hat schon lange jeglichen Bezug zur Realität in der Stadt verloren. Es ist traurig und erbärmlich, wenn man solche Berichte lesen muss, und nur wenig später steht in der Zeitung, dass eine 2,5 Millionen Euro teure Abfertigungshalle auf dem BER, die erst im Frühjahr aufgebaut wurde, aber nie genutzt worden ist, nicht mehr gebraucht wird und wieder abgetragen werden muss. Wie gut hätte man dieses Geld unter anderem auch für unsere Kinder einsetzen können.

Christine Radke, Lichtenrade

Wenn ich lese, dass die entlassene Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz 72.745 Euro Übergangsgeld erhalten soll, auf der anderen Seite aber kein Geld für vernünftige Schulspeisung da ist, kommt mir die Erkenntnis, dass diese Frau den Schulkindern alles wegisst, und mir wird auch klar, was Klaus Wowereit meint mit seinem Spruch, Berlin sei arm, aber sexy.

Arnfried Wünscher, Spandau

Kaum Anreize vorhanden, im Niedriglohnsektor arbeiten zu gehen

Zum Artikel: "Hartz-IV-Satz wird 2013 angehoben" vom 14. September

Jedem Hartz-IV-Bezieher ist jeder Euro zu gönnen. Aber ist sich die Politik eigentlich bewusst, was sie anrichtet, wenn die Hartz-IV-Sätze steigen? Hartz-IV-Bezieher bekommen zusätzlich noch Heizkosten, Miete, Rundfunkgebühren und andere Kosten erstattet. Hingegen stehen Millionen Menschen jeden Tag auf und gehen zur Arbeit, obwohl sie im Niedriglohnbereich beschäftigt sind. Laut einer Studie der Universität Duisburg arbeitet jeder Fünfte in Deutschland im Niedriglohnbereich, das sind fast acht Millionen Menschen. Diese Menschen haben meist kaum mehr als ein Hartz-IV-Bezieher, und es ist keinem zu verdenken, wenn er sich die Frage stellt, warum er überhaupt zur Arbeit geht. Und die Rentner, die ihr Leben lang gearbeitet haben und als Dank dafür nur eine kleine Rente beziehen, werden so auch verhöhnt. CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP machen diesbezüglich eine miserable Politik.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Rolle des Ostbeauftragten der Bundeskanzlerin ist fragwürdig

Zum Artikel: "Armutsrisiko für Berliner steigt" vom 14. September

Überraschen sollte es keinen, wenn das Statistische Bundesamt in Wiesbaden für Berlin und die übrigen ostdeutschen Bundesländer feststellt, dass jeder Fünfte im Land von Armut bedroht ist.

Das heißt im Klartext, dass 20 Prozent aller Haushalte mit weniger als 848 Euro im Monat über die Runden kommen müssen, und das unabhängig von ihrer Miete und den immer weiter steigenden Lebenshaltungskosten. Warum es vor diesem Hintergrund noch einen Ostbeauftragten der Bundesregierung gibt, bleibt wohl das Geheimnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der aus Halle an der Saale stammende CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Bergner sollte nicht länger als Ostbeauftragter fungieren. Als Sachverwalter ostdeutscher Interessen hat er versagt und das zunehmende Problem von Armut und Altersarmut in Ostdeutschland ignoriert, anstatt einen Zehn-Punkte-Plan zur Bekämpfung von Armut in Ostdeutschland vorzulegen.

Albert Alten, per E-Mail