Leserbriefe

"Freibrief für Milliarden-Hilfen"

Leser zum Verfassungsgerichtsurteil über den ESM mit einer Höchsthaftung von 190 Milliarden Euro

Ein schwarzer Tag für Deutschland. Gegen Recht und Vernunft wird mit dem Euro-Rettungsschirm ESM die Finanzhoheit unseres Landes, ein wesentliches Merkmal eines demokratischen Staates, auf wenige unfähige Beamte übertragen - und dies für immer. Die Abgeordneten werden zu Abstimmungs-Hampelmännern degradiert. Das Bundesverfassungsgericht hat seine ureigenste Aufgabe, Recht zu sprechen, aufs Gröbste verletzt, indem es politisches Taktieren höher wertete als die Einhaltung bestehenden Rechts. Denn der ESM verstößt eindeutig gegen unser Grundgesetz und den Europäischen Vertrag. Und eine rechtsstaatliche Demokratie geht nicht an finanziellen Problemen zugrunde, aber mit Sicherheit an Rechtsbeugung.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Das Bundesverfassungsgericht hat die Klagen der Euro-Gegner abgewiesen und nur kosmetisch kleine Auflagen gemacht. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Milliarden-ESM-Rettungsschirm ist ein Freibrief für die CDU/CSU-FDP-Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel, Milliarden zur Rettung der Europäischen Union zu verpulvern. Nach diesem Urteil aus Karlsruhe ist lediglich das Haftungslimit beim Rettungsschirm auf gigantische 190 Milliarden Euro begrenzt worden. Jeder mittelständische Betrieb in Deutschland wäre in einer Krise froh, wenn er nur annähernd einen kleinen Bruchteil aus diesem Rettungsschirm bekäme.

Albert Alten, per E-Mail

Bei Gründung der EU war das mit einem gesunden Patienten vergleichbar. Mit jeder Erweiterung durch Pleitestaaten wurde der Patient kranker. Heute liegt der Patient im Sterbebett und wird mit immer teureren Maßnahmen mühsam am Leben erhalten. Wie das endet, weiß jeder: Der Patient stirbt, und der Zahlende ist pleite.

O. Kaiser, Britz

Einstiges Kirchengebäude hätte diese Aufgabe auch erfüllt

Zum Artikel: "Ein schlichter Bau vereint drei Religionen" vom 8. September

Es ist doch nicht so, dass es kein leer stehendes Kirchengebäude gäbe, das diese Aufgaben erfüllen kann und vielleicht besser sogar in einem dichten Wohngebiet erfüllen würde. Der Gedanke kommt also, ob dieser Ort hierfür taugt, oder ob es nicht um ein künstliches Abkoppeln geht.

Jürgen Spiegel, Neukölln

Gemeinsame Weiterentwicklung des Museumskonzepts

Zum Artikel: "Geschichtspfad des Kalten Krieges" vom 10. September

Den massenhaft zum Checkpoint Charlie strömenden Berlin-Besuchern sollte man nicht unterstellen, sie seien nur an Oberflächlichem interessiert. Das Verweilen vor den Fototafeln offenbart das Bedürfnis nach Einzelheiten und Erklärung. Das Haus am Checkpoint Charlie (Mauermuseum) zeigt in großer Intensität Einzelaspekte von Unterdrückungsregime, Flucht und Mauerterror. Das Alliiertenmuseum ist den vor allem westlichen Alliierten gewidmet, eine Erweiterung seiner Thematik scheint Grenzen zu haben - auch aus Sicht der vormaligen Westmächte. Andere Stätten konzentrieren sich auf ihre jeweiligen Hauptaspekte wie etwa Mauer oder Stasi. Was fehlt, ist eine anspruchsvolle, übergreifende Erläuterung der - auch internationalen - Zusammenhänge im Kalten Krieg. Gerade für Jüngere, welche die Ost-West-Konfrontation und die Brutalität des kommunistischen Regimes nicht miterlebt haben, müssen diese in den größeren Kontext gestellt werden. Die Besorgnis vermeintlicher Relativierung kommunistischen Unrechts durch das geplante Museum ist völlig unbegründet. Und Furcht vor Konkurrenz sollte keine der etablierten Einrichtungen haben. Der Gedanke eines "Geschichtspfads des Kalten Krieges" ruft nach Kooperation und gemeinsamer Weiterentwicklung des Museumskonzepts, nachdem am 20. September die "Black Box" als Vorläufer eröffnet sein wird. Dass für dieses Museum der Checkpoint Charlie das einzig richtige ist - diese Erkenntnis beginnt sich durchzusetzen. Darüber, dass die Verwahrlosung des Gesamtareals ein Ende haben muss, scheint schon jetzt Einigkeit zu bestehen.

Dr. Klaus Wittmann, per E-Mail

Düngerrückstände in Bio-Produkten stammen meist von Nachbarfeldern

Zum Artikel: "Alles Bio oder was?" vom 5. September

Jeder Verbraucher sollte die Verpackungen mit Angabe der Zusatzstoffe genau studieren, wer dann noch glaubt, dass Bio nicht besser ist, dem ist nicht zu helfen. Wenn Bio nicht ganz rückstandsfrei ist, liegt es nur daran, dass auf den umliegenden Äckern und Feldern Gift gespritzt und gedüngt wird, was das Zeug hält. Dort wird der Grundstein für Krebs gelegt.

Ursula Miersch, Kreuzberg