Leserbriefe

"Längst fällige Diskussion"

Leser zur Debatte um eine Zuschussrente und über Modelle zur finanziellen Absicherung im Alter

Im Rentenalter muss man weiter arbeiten, weil die Rente nicht ausreicht, um seine Nahrungsmittel und die Nebenkosten samt Miete zu bezahlen. Wenn man wie ich 35 Jahre in Vollzeit gearbeitet hat, dann sollte man meinen, die Rente reicht einem, aber das ist nicht der Fall. Man bekommt so wenig Rente, dass man nicht Leben kann und auf staatliche Hilfe angewiesen ist. Die meisten Rentner, zu denen ich mich auch zähle, wollen diese Hilfe nicht, sondern eine angemessene Rente, die den derzeitigen Lebensbedingungen gerecht wird. Um seine Rente aufzubessern, wäre eine Erhöhung des Rentenbeitrages angemessen. Dies gilt insbesondere für Wenigverdiener wie Minijober und Menschen mit Erwerbsminderung. Die derzeitige Lebenssituation in Deutschland lässt einem keine Chance, die Rente aufzubessern. Ein weiteres Problem sind die Leihfirmen, von denen es zu viele gibt und deren Bezahlung einem kaum etwas zum Sparen lässt, geschweige denn zum Aufbau einer Zusatzrente.

Helga Sieradzki, per E-Mail

Das Thema Altersarmut ist nicht neu. Schon die Kriegsgeneration, besonders die Frauen, haben diese Armut gekannt. Die heutige Diskussion ist also überfällig. Liebe beamtete Politiker, wie wäre es mit einer freiwilligen monatlichen Spende in die Renten- beziehungsweise Pflichtkrankenkassen? Ein Gutes hätte diese Geste noch: die Wahlmüdigkeit würde abnehmen und die Gerechtigkeit wäre wiederhergestellt.

Margarete Guth, per E-Mail

Von welcher Lobby der Versicherer wird Ursula von der Leyen beraten? Gerade jetzt, da bei den Versicherern die Abschlüsse von Riesterverträgen zurückgehen, kommt Frau von der Leyen mit diesem Vorschlag, dass künftig nur eine Aufstockungsrente bekommen soll, wer privat vorgesorgt hat (Riesterrente). Diese wird momentan aber auf die Altersrentenaufstockung angerechnet, also hat derjenige nichts davon. Wie sollen Geringverdiener eine Altersvorsorge finanzieren, wenn sie schon jetzt vom Arbeitsamt eine Aufstockung über Hartz IV erhalten? Die Verdienste reichen gerade mal so zum Leben, und das bei steigenden Preisen. Herr Riester hat ja nach seinem genialen Vorschlag der Riesterrente eine lukrative Stelle bei einer großen Versicherung bekommen. Da fragt man sich doch, ob Frau von der Leyen im Sinne von Riester auch Vorsorge betreibt, sollte sie nach den nächsten Wahlen nicht mehr dem Kabinett angehören?

Wolfram Jung, per E-Mail

Wenn ich vom Thema Rente höre, packt mich die Wut. Wenn nicht seit den 70er-Jahren der Rententopf geplündert worden wäre, um andere Löcher zu stopfen, und dieses Geld angelegt worden wäre, dann hätte man heute nicht diese Probleme.

Rudolf Slotwinsky, per E-Mail

Über das gerechte Rentensystem wird schon seit Langem viel diskutiert. Gerechte Rente? Gerecht wäre wohl, wenn ausnahmslos alle (Arbeiter, Angestellte, Selbstständige, Beamte, Abgeordnete, Manager, Bankdirektoren) prozentual entsprechend des Verdienstes in die Rentenkasse einzahlten. So wäre es auch möglich, allen eine Grundrente zahlen zu können. Bürger, die gearbeitet haben, müssten demzufolge eine Anerkennungsrente bekommen.

Angelika Dorms, Karow

Sigmar Gabriels (SPD) geheimes Gegenkonzept zu Ursula von der Leyens (CDU) Zuschussrente wegen der drohenden Altersarmut in Deutschland ist auch nur Stückwerk. Sozial gerecht wäre es, wenn alle Arbeiter, Angestellte, Beamte, Berufspolitiker und Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung entsprechend ihres Verdienstes bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von 6000 Euro/Monat einzahlen würden. Das durchschnittliche Rentenniveau sollte dann für alle bei mindestens etwa 63 Prozent liegen, wobei es eine Mindestrente von etwa 1250 Euro und eine Höchstrente von etwa 3000 Euro/Monat brutto geben sollte. Wer mehr Rente im Alter benötigt, der sollte sich darüber hinaus noch zusätzlich privat versichern.

Roland Klose, per E-Mail

In einem Leserbrief wurde angeregt, dass die Bundesregierung beschließen solle, dass alle die, die Rente aus der Beamtenrentenkasse (richtig wäre Pensionskasse) beziehen, ihren eigenen monatlichen Beitrag leisten und sich nicht auf "Kosten des Steuerzahlers" einen ruhigen Lebensabend machen. Richtig ist: Für jeden, der Beamter geworden ist, wird mit Zahlung seiner ersten Besoldung eine Pensionskasse angelegt. Er erhält also seine monatliche Besoldung um die Rücklage für seine Pension gekürzt ausgezahlt. Es kann also keine Rede davon sei, dass der Beamte seine Pension vom Steuerzahler finanziert bekommt. Hinzu kommt noch, dass der Beamte - im Gegensatz zum Arbeitnehmer - seine Pension voll versteuern muss.

Jürgen Stotzka, Velten