Leserbriefe

"Endlich Konsequenzen ziehen"

Leser zu der erneuten Verschiebung der Eröffnung des Großflughafens BER auf den 27. Oktober 2013

Mit der erneuten Verschiebung des Eröffnungstermins für den neuen Hauptstadt-Airport BER steht Klaus Wowereit als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft und als Regierender Bürgermeister von Berlin endgültig vor den Trümmern seiner Flughafenpolitik, die von Beginn an begleitet war von Täuschungen und Vertuschungen. Mit unwahren Behauptungen wurde 2008 die Schließung des Flughafens Tempelhof durchgepeitscht, auch daraus resultierende Kapazitätsengpässe in Tegel wurden erst dementiert und später kleingeredet. Und auch der Bau des Single-Airports in Schönefeld war gekennzeichnet von Vertuschungen und Täuschungen, etwa was den Lärmschutz oder die Finanzierung, Flugrouten und Arbeitsplätze anbelangt. Die inzwischen bekannt gewordenen Mängel sind erschreckend. Die explodierenden Kosten für den BER werden den Steuerzahlern noch zu erklären sein. Der BER ist von Wowereit zur Chefsache erklärt worden. Der Chef hat versagt. Es ist Zeit, dass er die Konsequenzen zieht.

Hans von Przychowski, Tempelhof

Da werden sich Klaus Wowereit & Co. aber freuen, dass jemand die Schuld für das Desaster des Großfughafens BER dem Architekten in die Schuhe schiebt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Als ob nicht bei einem Projekt dieser Größe etliche Gremien die Pläne prüfen, entscheiden und agieren müssen. Da hätte man doch leicht auf einen anderen Entwurf setzen können.

Gero Marschall, Spandau

Jetzt können sich die verantwortlichen Herren bequem zurücklehnen und auf Herrn Amann anstoßen. Noch lächerliche 1,17 Milliarden Euro und der Hafen der Flieger ist so gut wie fertig.

Ich nehme mal an, es ist mehr oder weniger eine optimistische zeitliche Grobplanung, um das Volk zu beruhigen. Warten wir es ab und hoffen wirklich, dass am 27. Oktober 2013 der Rauch planmäßig abzieht und der erste Flieger in den Berliner Himmel abhebt. Zweifel sind jedoch erlaubt. Insgesamt ein Trauerspiel. Man kann nur hoffen, dass in der Winterzeit der Flugverkehr in Tegel nicht zusammenbricht.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Nun ist die Katze aus dem Sack. Nach den letzten chaotischen Beschlüssen, die darin gipfelten, dass das gesamte Planungsbüro unter dem schon beim Bau des Flughafens Tegel erfolgreich tätigen Gerkan, Marg & Partner fristlos gekündigt wurde, war die erneute Terminverschiebung zu erwarten. Politiker sollten nicht in Aufsichtsräten sitzen, sondern ihre Tätigkeiten außerhalb des Parlaments auf erste Spatenstiche, Festreden oder Konfettiwerfen bei Karnevalsumzügen beschränken. Da können sie nicht so viel Schaden anrichten. Bei einem so komplexen Projekt wie dem Bau eines Großflughafens sind Ingenieure und Techniker wichtigste Akteure; sie müssen bis in die oberste Spitze der Entscheider vertreten sein. Zum Glück gibt es seit August mit dem neuen technischen Geschäftsführer Horst Amann an führender Position einen erfahrenen Ingenieur. Bei ihm hat man die Hoffnung, dass der neu gesetzte Termin nun auch eingehalten wird.

Wolfgang Pöhler, per E-Mail

Darüber, dass beim BER die Kapazitäten für die Passagierabfertigung viel zu gering sind, wurde bislang kaum berichtet. Auch der neue Technikchef Horst Amann spricht erstaunlicherweise nicht darüber, obwohl der Flughafenexperte Dieter Faulenbach da Costa das im Interview mit der Berliner Morgenpost tags zuvor bemängelt hat. Obwohl etwa ein Flughafen wie der in Frankfurt mit jährlich 54 Millionen Passagieren (davon 27 Millionen Umsteigepassagiere) 383 Check-in-Counter und 38 Gepäckausgabebänder hat, gibt man sich beim BER mit derzeit immerhin schon 24 Millionen Passagieren mit 96 Abfertigungsschaltern und sogar nur acht Gepäckausgaben zufrieden. Diese Diskrepanz muss dringend aufgeklärt werden.

Regina Werpuschinski, Frohnau

Steuerzahler muss für die fehlende Moral etlicher Unternehmer blechen

Zum Artikel: ",Der Arbeitsmarkt wird voraussichtlich stabil bleiben'", vom 8. September

Die Argumentation von Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise greift immer noch zu kurz. Es gibt keinen eindeutigen Nachweis dafür, dass ein Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet. Deswegen sollte man differenzierter denken, zumal erst jüngst die Schweiz zur wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft gekürt wurde, die nahezu auf einen Niedriglohnsektor verzichtet. Selbst eine Grenze, die unter 7,50 Euro liegt, kann etwas bewirken, da so zumindest verhindert würde, dass der Steuerzahler für die fehlende Moral etlicher auch namhafter Unternehmen aufkommen und Gehälter aufstocken muss. Deswegen gehört eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff Leistungsgerechtigkeit auf die Tagesordnung.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail