Leserbriefe

"Schritt in die richtige Richtung"

Leser zu den Plänen von Ursula von der Leyen, Geringverdienern eine Zuschussrente zu gewähren

Wie weltfremd sind eigentlich unsere Politiker? Welcher Arbeitnehmer hat 2500 Euro brutto? Welcher Arbeitnehmer zahlt heutzutage in seinem Leben 35 Jahre in die Rentenkasse ein? Welcher Arbeitnehmer kann bei den niedrigen Löhnen privat vorsorgen? Ist man arbeitsuchend, bekommt man einen befristeten Arbeitsvertrag mit einem niedrigen Lohn, oder man bekommt einen Minijob - wenn man überhaupt eine Arbeit bekommt! Alle Politiker müssten nur ein Jahr lang ein Leben als normaler Durchschnittsarbeitnehmer führen, dann wüssten sie auch, wie die Realität aussieht!

Monika Jung, per E-Mail

Endlich packt mit Ursula von der Leyen (CDU) mal eine Ministerin das Thema Renten an. Das ist schon lange mehr als fällig. Und schon bekommt sie von allen Seiten Feuerwerk. Natürlich ist ihr Vorschlag nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber es ist doch immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Wer das, was sie beabsichtigt, nicht will, der muss das gesamte Rentensystem auf den Prüfstand stellen. Es kann doch wohl nun wirklich nicht wahr sein, dass jemand, der bei uns in Deutschland 40 Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, mal gerade so viel - oder genauer gesagt so wenig - bekommt, wie ein Hartz-IV-Empfänger. Die Renten in Deutschland haben sich seit der Einführung des Euro im Wert halbiert.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Die Diskussion der Parteien zum Thema Altersarmut geht meiner Meinung gezielt und gewollt, auch mit Angstmacherei, in die Richtung, dem Steuerzahler klarzumachen, dass er sich selbst eine Altersversorgung für seinen Lebensabend anlegen muss. Richtiger wäre, wenn Bundesregierung und alle Parteien im Bundestag und auch der Bundesrat, die alle so gerne von Solidarität, Gemeinsamkeit und Gerechtigkeit reden, beschließen würden, dass alle die, die Rente aus der Beamtenrentenkasse beziehen, ihren eigenen monatlichen Beitrag leisten und sich nicht auf Kosten des Steuerzahlers einen ruhigen Lebensabend machen.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Wenn man heute bereits weiß, dass man trotz eines Bruttolohnes von 2500 Euro nur noch 688 Euro Rente bekommt, dann kann man nur noch versuchen, schnellstens aus diesem System auszubrechen. Bei diesem Bruttoverdienst zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in 35 Jahren bei 19 Prozent Beitrag insgesamt knapp 200.000 Euro in die Rentenkasse ein. Würde man diese Beiträge regelmäßig privat anlegen, hätte man nach35 Jahren etwa 445.000 Euro. Das zeigt deutlich, dass die gesetzliche Rentenversicherung am Ende ist. Daran kann auch eine Aufstockung einer kleinen Rente nichts mehr ändern. Wer heute schon als Jugendlicher von Hartz IV lebt, wird kaum noch Anreize zu einer Arbeitsaufnahme haben, wenn er jetzt schon weiß, dass er auch ohne Arbeit die Grundsicherung erhält. Der Gedanke einer steuerfinanzierten Grundrente, die dann jeder freiwillig aufstocken kann, wird daher immer wahrscheinlicher.

Thomas Kramer, Marienfelde

Wegen ruhebedürftiger Nachbarn soll Besucherzahl reduziert werden

Zum Artikel: "Von wegen Landlust" vom 27. August

Kritisiert wird die Idee, in die Remise auf dem Gutshof ein Landgasthaus zu integrieren. Zufälligerweise war ich am vergangenen Wochenende wieder einmal Gast auf einem der schönen Feste der Domäne Dahlem. Als es am Wochenende regnete, saß ich mit vielen anderen unter der offenen Remise und wurde aufgrund des Windes ziemlich nass. Ich frage mich, warum eine Verbesserung des Service überhaupt kritisiert wird. Aus meiner Sicht ist es eine Selbstverständlichkeit, wenn das Freilichtmuseum Domäne Dahlem versucht, seine Angebote zu halten oder gar zu verbessern. Ich habe mich in einer Informationsveranstaltung der Domäne Dahlem informiert, und ich muss sagen, dass die Idee, dass künftig mehr Gemüse und Obst aus der Domäne Dahlem in einem Landgasthaus angeboten werden soll, und zwar unabhängig vom Wetter, vollständig überzeugt hat. Wenn die Berliner Morgenpost berichtet, dass Anwohner kritisieren, sie würden zunehmenden Lärm befürchten, möchte ich nachfragen, auf welchem Niveau wir die Entwicklung unserer Kultur- und Museumseinrichtungen in Berlin überhaupt diskutieren. Soll das heißen, dass Berliner Museen vorrangig dafür zu sorgen hätten, Besucheraufkommen zugunsten der Ruhe von Nachbarn zu senken? Vielleicht sollten sich derartige Anwohner der Domäne Dahlem mit Anwohnern der Museumsinsel in Mitte zusammentun, damit endlich wieder Ruhe einkehrt in Berlin. Wozu benötigen wir Museumsbesucher und Kulturtouristen - uns geht es doch gut in Berlin.

Maurice Gotthardt, per E-Mail