Leserbriefe

"Völlig schockiert und fassungslos"

Leser zum Überfall auf den Rabbiner Daniel A. und dessen siebenjährige Tochter

Als alte, gebürtige Friedenauerin (Jahrgang 1921) ist es für mich unfassbar, wie es möglich ist, einen andersgläubigen Mitmenschen zu überfallen und derart zu verletzen. Die Wut steigt in mir hoch, wenn ich mir das nur vorstelle. Friedenau - der von Künstlern, Schauspielern und Intellektuellen bewohnte, gutbürgerliche Kiez - der in meiner Erinnerung eine liebevolle und schöne Wohngegend war, nein! Ich hatte eine schöne und behütete Jugend, ging in die Grundschule und dann ins Lyzeum, und mit meinen Klassenkameradinnen - ob sie nun Leni Cohn, Ellen Salomonski oder Steffi Goldstein hießen, verband mich eine enge Freundschaft. Das Land Israel habe ich schon mehr als fünf Mal besucht und traf dort nur freundliche und liebenswerte Menschen, die uns Touristen, ohne dass wir gefragt hätten, weiterhalfen, als wir ratlos über unsere Stadtpläne gebeugt nicht mehr weiterkamen. Ich liebe dieses Land und habe dort nie irgendwelche Feindseligkeiten erfahren, obwohl ich zu einer Generation gehöre, die den Krieg und die Vernichtung der Juden miterleben musste. Ich hoffe, dass die Jugendlichen, die einen unserer Mitmenschen mit anderem Glauben derart misshandelten, bald aufgespürt und ihrer verdienten Strafe zugeführt werden.

Hella Baumert, Marienfelde

Mit großem Interesse habe ich den Artikel "Du Opfer, du Jude" von Rainer Werner gelesen. Auch ich war natürlich über diesen feigen und widerwärtigen Angriff auf diesen Rabbiner und seine kleine Tochter völlig schockiert und fassungslos. Zu diesem Artikel möchte ich dem Autor am liebsten persönlich gratulieren. Er hat diese besondere Problematik - wie ich finde - absolut hervorragend, sachlich und ungeschönt in sehr klarer und gut verständlicher Form ganz präzise und analytisch auf den berühmten Punkt gebracht. Bei sehr vielen dieser jugendlichen Migranten vorwiegend arabischer Herkunft ist es ja oft einfach nur simple Unwissenheit, Ignoranz und Desinteresse, welches dann im traurigen Endeffekt zu diesen rassistischen, antijüdischen und hochkriminellen Übergriffen führt. Deshalb ist ja auch eine möglichst umfassende und gute Bildung so eminent wichtig. Ohne Bildung gibt es bekanntlich auch keine wirkliche Teilhabe an unserer Gesellschaft.

Lothar Wiese, per E-Mail

Eine Umfrage unter den jungen, hier aufgewachsenen Muslimen mit insbesondere türkischen oder arabischen Hintergrund zeigt in einem erschreckenden Maß, dass vielen an einer Integration in unsere Gesellschaft offensichtlich nicht gelegen ist. Da können die Politiker uns noch so viel Sand in die Augen streuen, für den Großteil der Berliner ist es mehr als offensichtlich, dass insbesondere bei vielen Migranten der zweiten oder dritten Generation die Integration gescheitert ist oder aufgrund mangelnder deutscher Sprachkenntnisse scheitern wird und es bereits Parallelgesellschaften gibt. Wie sonst kann man die eklatanten Sprachmängel bei diesen Menschen erklären? Es fehlt bestimmt nicht am Intellekt, vielmehr muss man doch wohl von fehlendem Willen ausgehen. Warum werden zum Beispiel die Angebote der Sprachförderung und der Weiterbildung so wenig angenommen? Warum werden die Kinder oft nicht in die Kitas gebracht? Warum müssen die sportlichen Aktivitäten in selbst gegründeten Vereinen stattfinden, obwohl es doch hier in Berlin Hunderte von Vereinen gibt, die diese Sportmöglichkeiten anbieten?

Heinrich Staerk, per E-Mail

Mit Entsetzen habe ich von dem Überfall von Jugendlichen auf einen Rabbiner in Berlin-Friedenau erfahren. Als Berlinerin des Jahrgangs 1938 bin ich entsetzt und habe Angst und bin wütend. Meine Bewunderung und mein Mitgefühl gelten dem Mann und seiner Familie. Ich habe einen Vorschlag, den man über Internet doch bestimmt verbreiten könnte: Aus Solidarität sollten alle, die sich gegen Rassismus auflehnen wollen, einen Tag (oder länger) eine Kippa tragen. Oder darf das nur ein Rabbi? Man könnte sich welche nähen, häkeln, stricken. Ich wäre dabei. Ansonsten hoffe ich, dass die Polizei die Schuldigen bald findet und ihnen unmissverständlich klar gemacht wird, dass es so etwas nicht geben darf.

Christa Wels, per E-Mail

Der Angriff auf einen Rabbiner ist nach meinem Empfinden eine solche Ungeheuerlichkeit, für die sich nur schwer Worte finden lassen. Die Kinder derer, die in unserem Land Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und soziale Fürsorge genießen, zeigen ein Verhalten, das nur bedingt mit Unwissenheit zu erklären ist. Offensichtlich ist selbst im christlichen Abendland die Tatsache in den Hintergrund getreten, dass wir diesem Volk die Bibel zu verdanken haben. Ich bin dankbar für diejenigen, die durch das Tragen der Kippa ihre Solidarität mit diesem über Jahrhunderte geplagten Volk im Allgemeinen und in Bezug auf den Rabbiner im Besonderen zum Ausdruck bringen.

Manfred Glimm, Spandau