Leserbriefe

"Mutige Entschuldung nötig"

Leser zu den von den Euro-Staaten geplanten Maßnahmen zur Rettung Griechenlands

Für Griechenland ist zwar das Ende der Fahnenstange erreicht, aber ein vernünftiger Kompromiss sollte immer möglich sein. Wenn Griechenland die bisherigen Vereinbarungen einhält, sollte die Europäische Zentralbank (EZB) mit Zustimmung von Frankreich und Deutschland eine Überbrückungszeit von maximal zwei Jahren für die Griechen finanzieren. Obwohl ja die Griechen so ein stolzes Volk sind, nehmen sie das Geld der anderen EU-Partner gern. Dafür müssen sie aber auch einer Überwachung durch die Geldgeber zustimmen.

Lutz-Peter Schmitz, Mitte

Was tun wir, wenn eine zur Heilung des Patienten verabreichte Therapie dessen Zustand verschlimmert und ihn mit mathematischer Präzision in den Tod führt? Neulich wurde bekannt, dass IWF-Präsidentin Christine Lagarde die Meinung vertrat, die Verschuldung Griechenlands müsse auf ein "überlebensfähiges Niveau" gesenkt werden, um weitere Milliarden zu gewähren. Lagarde ist zumindest sehr wohl bekannt, dass die tiefe Rezession in Griechenland das Rettungsprogramm gefährdet. Das Einzige, was diese Politik erreicht, ist die Zerstörung der griechischen Wirtschaft, die Auflösung des gesellschaftlichen Gerüsts und die Verwandlung des einst blühenden Landes in eine Region der Depression und Verzweiflung. Ohne eine mutige Entschuldung ist Griechenland sehr bald bankrott.

Erich Lo, per E-Mail

Von Margaret Thatcher stammt das Zitat: "Wenn ich Deutsche wäre, würde ich die Bundesbank und die D-Mark auf alle Fälle behalten." Von Angela Merkel hört man hingegen unaufhörlich: "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa." Ist es nicht vielmehr so, dass Angela Merkel und die Europäische Union scheitern, wenn sie nicht die Vereinigten Staaten von Europa durchsetzen?

Roland Klose, per E-Mail

Lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein

Zum Artikel: "Berlin will mehr Quereinsteiger für die Schulen" vom 24. August

Der in den Schulen entstandene Engpass bei den Lehrern der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) ist nicht erst seit diesem Schuljahr bekannt. Er war seit zehn Jahren absehbar. Was haben alle Regierungen in Berlin bisher getan, um die Attraktivität des Arbeitsplatzes Schule zu verbessern? Nichts! Nein, die Rahmenbedingungen wurden schlechter, ob es sich um Ausstattung, Arbeitsbelastung oder Besoldung handelt. Nichts ist gegen Seiteneinsteiger zu sagen, wenn sie sich pädagogisch-didaktisch nachschulen lassen. Sie werden aber ein Tropfen auf dem heißen Stein bleiben. Es ist also eine Notoperation, die hier versucht wird. Ohne eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen wird es nicht zur nennenswerten Steigerung der Studierendenzahlen in den MINT-Fächern kommen.

Marion Kittelmann, per E-Mail

Leistungsfähigkeitsprinzip und Verfassungsmäßigkeit entscheidend

Zum Artikel: "Hände weg vom Ehegattensplitting" vom 19. August

Die entscheidenden Kriterien für die Beurteilung der Besteuerungsmethoden sind das Leistungsfähigkeitsprinzip und die Verfassungsmäßigkeit. Bei der Verfassungsmäßigkeit stellt man auf den Schutz der Ehe nach Artikel 6 Grundgesetz und das Gebot der Gleichbehandlung nach Artikel 3 Grundgesetz ab. Das Ehegattensplitting stellt bei einem direkt progressiven Tarif die sachgerechte Lösung dar, weil das Ehegattensplitting verfassungsgemäß ist und auch das Leistungsfähigkeitsprinzip hier gewahrt bleibt. Das Ehegattensplitting ist bei einem direkt progressiven Tarif eine Notwendigkeit, da Haushalts- und Individualbesteuerung verfassungswidrig sind und gegen das Leistungsfähigkeitsprinzip verstoßen (bei direkt progressiven Tarif). Andere Maßnahmen, wie Abschaffung des Ehegattensplittings, reduziertes Splitting, Realsplitting (freies, gedeckeltes) und Familiensplitting (Voll- oder Teilsplitting), verstoßen gegen eines der Kriterien beziehungsweise deren Ergebnisse.

Oliver Uhlenbrock, per E-Mail

Verkompliziertes Steuersystem droht aus dem Ruder zu laufen

Zum Artikel: "Endlich Steuergerechtigkeit" vom 21. August

Wir müssen unser aus dem Ruder gelaufenes und sich weiter verkomplizierendes Steuersystem durch ein einfaches, verständliches ersetzen. Nur so ist Steuergerechtigkeit möglich. Das Rutschen bei Lohnerhöhungen in die nächsthöhere Steuerprogressionsstufe kann dabei leicht beseitigt werden, wenn man den Steuertarif auf einen linearen Steuersatz umstellt. Für Besserverdiener kann der Steuertarif ab einem bestimmten Einkommen wieder progressiv gestaltet werden.

Norbert Gewies, Konradshöhe