Leserbriefe

"Ein überfälliger Schritt"

Leser zu dem BER-Desaster und den Diskussionen um die Zukunft von Flughafenchef Rainer Schwarz

Dass Flughafenchef Rainer Schwarz gehen soll, ist ein überfälliger Schritt. Leider stellt sich nun heraus, dass die Verzögerungen beim Flughafenbau auch das gesamte Konzept infrage stellen. So wurde Air Berlin nicht zuletzt durch diese Verzögerungen an den Rand der Insolvenz gebracht. In ihrer Not holte sich die Fluggesellschaft Hilfe von Etihad - zu einem hohen Preis. So gibt es seit dem Einstieg von Etihad keine Direktflüge mehr mit Air Berlin nach Asien. Vielmehr transportiert Air Berlin die Passagiere nur noch nach Abu Dhabi, wo dann in den Etihad-Flieger umgestiegen wird. Das einst für Berlin geplante Drehkreuz wird nun in Abu Dhabi installiert. Somit entfällt einer der Hauptgründe für den Flughafenneubau.

Fritz Thaler, per E-Mail

Da geht ein Aufatmen durch Berlin, wenn Flughafenchef Rainer Schwarz den Hut nimmt - und schon bemüht sich ein Senatssprecher, von einem Aprilscherz zu sprechen. Besser wäre, wenn Flughafenchef und Aufsichtsratsvorsitzender einen Abflug machen würden. Ich bin gespannt, wer eines Tages den Großflughafen BER einweihen wird.

Rolf Pilgram, Schöneberg

15 Menschen saßen und sitzen im Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft, für ihre Ignoranz sogar noch honoriert. Sie alle merkten und wussten nichts, sie alle wurden immer wieder überrascht - eine wahrhaft klägliche Vorstellung. Insbesondere die Herren Wowereit und Platzeck als Vorsitzender beziehungsweise stellvertretender Vorsitzender dieses ineffizienten Gremiums haben durch Untätigkeit und Unfähigkeit nicht nur für ihre Länder einen erheblichen finanziellen Schaden verursacht, vielmehr die Region und deren Menschen international der Lächerlichkeit preisgegeben. Ihre Selbstgefälligkeit jedoch haben sie bewahrt, müssen sie doch eine Kontrolle durch die Rechnungshöfe ihrer Länder erfahrungsgemäß nicht fürchten. Auch Rainer Schwarz wird womöglich als Chef der Flughafengesellschaft überleben, wusste und weiß er doch, was die Herren Wowereit und Platzeck wann wussten. Bei seinem üppigen Gehalt wird sich Schwarz hüten, die Ausflüchte und Ausreden von Wowereit und Platzeck öffentlich zu korrigieren oder zu kommentieren. Im Gegensatz zum Brandschutz auf dem BER klappt bei den genannten Herren das System wechselseitiger Absicherung offenbar perfekt.

Helmut Mießner, per E-Mail

Vor dem Hintergrund des Flugplatzdesasters geschieht jetzt zu allem Überfluss das Kräftemessen der Politiker. Wowereit - in großer Gefahr seines Rufes - möchte den Flughafenchef Schwarz halten. Ein guter, ein löblicher Entschluss; der Mann kennt die Monsterbaustelle. Ramsauer möchte Herrn Schwarz mit Karacho feuern und verspricht sich mit dieser Tat Wählerstimmen. Welch eine inhumane Taktik - man wechselt die Pferde. Apropos, die richtigen? Der neue Technikchef Horst Amann ist kein Wunderheiler. Mit Politikern kann und darf man nicht bauen. Die freie Marktwirtschaft lässt keine konstruktive Zusammenarbeit mit den diskutierenden und politisierenden Machern zu. Und die Kosten schreiten galoppierend voran, und keiner bekommt sie in den Griff, keiner.

Horst Träger, Dallgow-Döberitz

Großprojekte wie der neue Flughafen BER brauchen erfahrungsgemäß viel und meistens mehr Geld und leider aber immer auch mehr Zeit als geplant. Warum die Auftragssumme von 2,2 beziehungsweise 2,4 Milliarden Euro vor mehr als sechs Jahren zu niedrig veranschlagt war, muss nun genauso akribisch geprüft werden wie die jetzt erst bekannt gewordenen Mehrkosten.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Denkmalschutz darf nicht über Sicherheit für Leib und Leben stehen

Zum Artikel: "Kaum eine Schule ohne Mängel beim Brandschutz" vom 19. August

Ist es die Borniertheit der Bezirke, ist es Dummheit, oder sind die falschen Leute am Platze? Es kann nicht sein, dass man sich hinter fehlenden Haushaltsmitteln versteckt, um Geld für notwendige Sicherheit einzusparen. Gut, dass sich einige dazu geäußert haben, denn so hat im Ernstfall der Staatsanwalt ein leichtes Spiel, Ross und Reiter zu finden. Fehlende Mittel sind kein Argument vor dem Richter. Nach der Versammlungsstättenverordnung gibt es verschärfte Regeln, was den Brandschutz angeht, ausnahmslos. Den Denkmalschutz über Leib und Leben zu stellen, ist ein eklatanter Verstoß. Aus meiner Sicht wird dieser zu ernst genommen. Dann dürften eben solche denkmalgeschützten Häuser nicht genutzt werden. Berlin hat seine Brandschutzbeauftragten, denen diese Missstände bekannt sind, die Hand in Hand mit der Feuerwehr arbeiten und trotzdem nicht gehört werden.

Karl-Heinz Heß, Brandschutzbeauftragter der Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin