Leserbriefe

"Fechter die Würde zurückgeben"

Leser zu der Umbenennung der Zimmerstraße nach dem dort vor 50 Jahren erschossenen 18-Jährigen

Zum Menschsein gehört die Freiheit des Denkens, das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht, das eigene Land zu verlassen. Durch das politische System der DDR wurden die allgemeinen Menschenrechte verletzt. Peter Fechter, der nach dem Mauerbau einen Fluchtversuch nach West-Berlin unternahm, weil er in Freiheit leben wollte, wurde wie ein krimineller Grenzverletzer behandelt mit der Folge, dass er durch die Grenzbewacher auf DDR-Seite zu Tode kam. Das politische System der DDR hat Menschen wie Peter Fechter die Freiheit, das Leben und auch die menschliche Würde genommen, indem sogenannte Republikflüchtlinge kriminalisiert wurden. Die heutige, in Freiheit lebende Gesellschaft kann Peter Fechter die menschliche Würde zurückgeben, indem eine Straße am Ort des Geschehens nach ihm benannt wird.

Anita Gnielinski, per E-Mail

Sie schrieben: "Er wollte in die Freiheit fliehen und verblutete im Schatten der Mauer" - der Tod von Peter Fechter, der sein Leben nicht leben konnte, bestürzt mich heute wie damals. Ich bin immer wieder traurig, so oft ich an ihn denke. Was muss es erst für ein Schmerz für die Hinterbliebenen sein? Ja, eine Straße oder ein Platz muss seinen Namen tragen. Zu überlegen wäre, ob es nicht die Straße ist, wo das Schreckliche geschah.

Doris Rother, Charlottenburg

Als langjährige Leserin freue ich mich über Ihre Aktion. Es ist überfällig, die Zimmerstraße umzubenennen, ich hoffe, möglichst schnell.

Erika Dankert, Lichtenrade

Ich stimme der Umbenennung der Zimmerstraße auf jeden Fall zu. Der arme Junge musste hier sein Leben lassen, so soll diese Straße auch seinen Namen tragen zur Erinnerung an ihn und an die grausame Zeit, in der wir in Berlin leben mussten. Ich bin 1926 in Kreuzberg geboren. In all den Jahren danach habe ich alles miterlebt, was Berlin zu bieten hatte. Aber mir wäre nicht eingefallen, Berlin zu verlassen, auch nicht, als viele der Stadt den Rücken kehrten.

Eva-Maria Stojek, Charlottenburg

Eine Straße müsste schon längst an Peter Fechter erinnern. Die vorgeschlagene Zimmerstraße eignet sich dafür sehr gut.

H. Buker, per E-Mail

Wir sind der Meinung, dass unbedingt und nur die Zimmerstraße in Peter-Fechter-Straße umbenannt werden sollte. In den vergangenen Tagen wurde in der Berliner Morgenpost viel darüber geschrieben, und wir unterstreichen den Vorschlag von Freya Klier, dass unter seinem Namensschild kurz beschrieben werden sollte, was dort passiert ist. Auch den Artikel von Peter Raue begrüßen wir sehr. Die Tragödie Peter Fechters als Opfer des Kalten Krieges, der im sogenannten Todesstreifen vor den Augen von Ost und West hilflos verblutete, ist Berlinern in unauslöschlicher Erinnerung. Sollte die Umbenennung an der Ablehnung der Bezirksverordnetenversammlung Mitte scheitern, wäre es für Berlin - wie so manches - eine Blamage ohnegleichen.

Harm, Prenzlauer Berg

Es sollte baldmöglichst eine Straße nach Peter Fechter benannt werden. Aber nur eine einzige Straße für all die Morde an der Mauer? Die Namenstafeln an der Bernauer Straße bieten genug Namen für weitere Straßen.

Dirk Schulz, Celle

Wir wünschen uns die Umbenennung der Rudi-Dutschke-Straße in Peter-Fechter-Straße. Die Nähe zum Tatort und zum Axel-Springer-Verlag wäre der passende Ort. Damit würde der gemeinsame Freiheitswille von Axel Springer und Peter Fechter gewürdigt werden und die unverständliche und falsche Aufwertung von Rudi Dutschke könnte endlich rückgängig gemacht werden. So wie wir denken viele Berliner.

K. u. M. Renell, Steglitz

Der Mauertoten im Stadtbild gezielt zu gedenken ist längst überfällig. Ein Mahnmal aber würde wieder ein Jahrzehnt der Planung und Ausführung benötigen und könnte unter den vielen anderen seiner Art unterzugehen drohen. Allgemeine Mauermahnmale existieren ja bereits. Daher erscheint die Idee einer Straßenumbenennung durchaus überzeugend. Doch warum soll dafür der Name Zimmerstraße verschwinden? Dieser erinnert an die Bauarbeiter, die einst die Friedrichstadt errichteten. Ist der Tatort wirklich maßgeblich oder nicht eher das System, dem der Mord an Fechter anzulasten ist? Eine thematische Verbindung böte sich doch viel eher an - etwa eine Peter-Fechter-Straße die auf den Rosa-Luxemburg-Platz zuläuft. Das wäre eine spannungsreiche Kombination direkt vor der Tür der Linkspartei, die immer noch im Haus der KPD/SED residiert.

Lorenz Kosakowski, per E-Mail