Leserbriefe

"Sport stand im Vordergrund"

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Leser zu den Olympischen Spielen in London und dem Abschneiden der deutschen Mannschaft

Es war eine tolle Berichterstattung in der Zeitung von einem Fest der Freude und Ungezwungenheit, das sich sehen lassen konnte. Dabei kam zum Glück der englische Humor auch nicht zu kurz. Was leider etwas irritierte, waren einige Fehlentscheidungen, die schlicht an den Nerven der Beteiligten und der Zuschauern zerrten. Vielleicht sollte man bei künftigen Olympischen Spielen nicht ganz so unerfahrene Kampfrichter einsetzen.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Es waren herrlich unauffällige Spiele in einem ausgeglichenen Land ohne Profilierungssüchte und übermäßige Show. Der Sport stand im Vordergrund, leider nicht bei unseren Sportlern. Es stellt sich die Frage, brauchen wir immer so ein Massenaufgebot? Brauchen wir überhaupt staatlich geförderten Leistungssport? Wen interessiert ein Medaillenspiegel? Wir sollten endlich viel Geld sparen und die Leistungsförderung einstellen und einen Teil des so eingesparten Geldes in den Freizeitsport und die Freizeitvereine stecken. Wer dennoch Leistungssport betreiben will, soll sich selber Sponsoren suchen.

Christian Hahn, Friedenau

Die Berichterstattung der Berliner Morgenpost war Spitze. Warum aber Angehörige der britischen Armee die Olympia-Flagge aus dem Stadion getragen haben und keine Sportler, erschließt sich mir nicht. Da fehlte wohl etwas der olympische Gedanke.

Gero Striek, Britz

Die Gewinner dieser Spiele sind das Internationale Olympische Komitee (IOC), die Funktionäre des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und vielleicht die Trainer, weil sie einen Job haben, der eventuell über mehrere Jahre Bestand hat. Die eindeutigen Verlierer dieses Sportfestes sind die Hauptpersonen, die Leistungssportler. Die müssen sich mit den Brosamen begnügen, die von der reichlich gedeckten Tafel fallen. Ihre Medaillen können sie sich irgendwo an die Wand nageln. Ein Hoch auf Olympia, bis zum nächsten Mal!

Lothar Wirth, per E-Mail

Die angefachte Diskussion zur Sportförderung setzt am falschen Ende an. Nicht der Spitzensport sollte im Fokus stehen, sondern der Breitensport ist in die Mitte aller sportpolitischen Betrachtungen zu stellen. Und hier fangen die Probleme bei den Kleinsten an. Häufiger Unterrichtsausfall im Sportunterricht führt zu Defiziten. Erst wenn hier eine bessere Basis geschaffen wird - im Verbund zwischen Eltern, Schulen, Vereinen und Politik - kann das auch auf den Spitzensport ausstrahlen. Wenn Deutschland im Medaillenspiegel nicht mit vorn ist, ist das kein Beinbruch. Es sollte aber die Rahmenbedingungen setzen, damit unsere Jugend fit für die Zukunft gemacht wird - geistig und körperlich.

Rainer Szymanski, Grünheide

Was haben Zielvorgaben der Sportverbände mit dem olympischen Gedanken zu tun? Ich denke, dabei sein ist alles. Müssen sich Sportler ohne Medaillen nun von sportlichen Maulhelden, die höchstens schneller reden und verurteilen können, als Versager einstufen lassen?

Heide Binner, per E-Mail

Eine Bewerbung sollte wegen der vielen Probleme kein Thema sein

Zum Artikel: "Berlin ist bereit für Olympia" vom 10. August

Innensenator Frank Henkel (CDU) lebt scheinbar in einer anderen Welt, weil er noch nicht bemerkt hat, dass Berlin überhaupt nicht bereit ist für Olympia. Ich finde es geradezu unverschämt, überhaupt an eine Bewerbung für 2024 zu denken. Man sollte erst einmal seine Hausaufgaben in der eigenen Stadt, die gerne Weltstadt sein möchte, erledigen. Denn zurzeit klappt doch nichts in Berlin: nur Pleiten, Pech und Pannen - beim Flughafen und bei der S-Bahn, marodes Straßennetz oder das Chaos bei den Behörden. Schon bei der Berliner Olympia-Bewerbung für 2000 war ich dagegen und werde auch jetzt meine Stimme gegen so ein Wahnsinnsprojekt erheben! Ich habe keine Lust, wie jetzt die Londoner, für drei Wochen in einer militärischen Festung zu leben, wenn Raketen auf den Dächern der Mietshäuser gegen eventuelle Terroranschläge stationiert werden.

Thomas Henschke, per E-Mail

Frank Henkel sollte bescheiden sein und sich freuen, dass er von Berlin mit dem Flugzeug nach London gelangen konnte. Berlin ist längst nicht bereit, nicht für Olympia-Teilnehmer, Funktionäre und Gäste aus aller Welt, noch nicht mal für seine Bewohner. Wie sollen die Besucher und Sportler nach Berlin kommen und sich dort bewegen? Die S-Bahn-Stümperei dauert schon fast seit den Olympischen Spielen in Peking, ein Ende ist nicht in Sicht.

Torsten Hübler, Schöneberg