Leserbriefe

"Schutzstreifen sind optimal"

Leser zu den Plänen des Berliner Senats, Radwege zulasten des Autoverkehrs auszubauen

Fahrradschutzstreifen sind ein optimaler Kompromiss, weil sie einerseits eine psychologische Barriere sind, andererseits den Autoverkehr nicht behindern, da die Linie der Radfahrstreifen überfahren werden darf. In Berlin wäre durch die intelligente Verknüpfung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrädern und Autos Verkehr sinnvoll und verantwortungsvoll möglich. Es ist gut, dass die meisten Berliner nicht ausschließlich ein Verkehrsmittel nutzen. Die vom Bundesverkehrsminister angefachte Diskussion über sogenannte Kampfradler ist niveaulos. Zwar ist die Verkehrsmoral mancher Radfahrer katastrophal, aber der Prozentsatz ist nicht höher als die Zahl der Autofahrer, die zu schnell fahren oder zu dicht überholen. Ein Führerschein für Radfahrer ist sinnvoll, allerdings bringt eine einmalige Schulung nicht viel. Wenn man die Situation wirklich verbessern will, ist regelmäßige Fortbildung nötig. Die Idee des ADAC, für Fahrgemeinschaften Busspuren freizugeben oder Sonderfahrstreifen einzurichten, ist ein richtiger Schritt.

Martin Schultz, Wilhelmsruh

In Mitte, wo viele Einwohner und Touristen unterwegs sind, fahren etliche Radfahrer ungehindert auf den Gehwegen. Es ist keine Polizei zu sehen, die für Ordnung sorgen könnte. Ich habe gewagt, einem Radfahrer zu sagen, dass er doch die Fahrbahn benutzen sollte. Daraufhin wurde ich übel beschimpft. Die Polizei sollte nicht nur an Autofahrer Knöllchen verteilen, sondern endlich auch gegen die Verstöße der Radfahrer vorgehen.

Barbara Seidel, per E-Mail

Ebenso ein städtebaulicher Missgriff wie der Steglitzer Kreisel

Zum Artikel: "Zukunft des ICC: SPD will Entscheidung noch im Herbst" vom 6. August

Jedes Mal wenn ich auf dem Fußweg entlang des Internationalen Congress Centrums (ICC) in Charlottenburg gehe, beschleicht mich das Gefühl des augenblicklichen Erdrücktwerdens angesichts des vorragenden Monstrums. Für Menschen, die sich dorthin verirren, ist es ein unwirtlicher Ort. Das ICC ist von seiner Gestalt her meines Erachtens ein städtebaulicher Missgriff, ebenso wie der Steglitzer Kreisel und der an anderem Ort gewiss passende, einst in der historischen Mitte aber völlig deplatzierte Palast der Republik. Es gibt zeitübergreifende und ansprechende Architektur auch in den davon sonst nicht reichlich gesegneten 60er- und 70er-Jahren, die mit dem Stadtraum korrespondieren. Das ICC mag sich einzig auf die Schnellstraßen beziehen, ansonsten verwechselt es Berlin mit einem unbewohnten Planeten.

Helmut Krüger, Potsdam

Utopische Vereinbarung zur Planung von Olympiamedaillen

Zum Artikel: "Untergang mit fliegenden Fahnen" vom 7. August

Habe ich das in der Zeitung richtig gelesen? Es gab eine "hohe Zielvereinbarung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Bundesinnenministerium (BMI)" über eine Medaille in London für unsere Frauenhockey-Nationalmannschaft, und "am besten die goldene". Es hatten sich immerhin zwölf Mannschaften für die Olympischen Spiele 2012 qualifiziert, von denen aber nur eine Mannschaft Olympiasieger werden kann. Wenn eine solche Vereinbarung jeweils auch die anderen Länder für ihre Mannschaften geschlossen hätten, obwohl von vornherein klar war, dass elf Mannschaften (91,7 Prozent) kein Gold beziehungsweise neun Teams (75 Prozent) keine einzige Medaille bekommen würden, dann hätten zumindest rechnerisch elf beziehungsweise neun Länder bewusst eine utopische Vereinbarung geschlossen.

Jean Wandkowski, Frohnau

Erweiterte Nachtflugzeiten werden regelmäßig überschritten

Zum Artikel: "Die absolute Luftnummer" vom 29. Juli

Ich bin froh, dass die Berliner Morgenpost sich immer wieder des Themas BER annimmt. Ein Aspekt kommt jedoch zu kurz: Seit Jahrzehnten ertragen Spandauer, Reinickendorfer und Weddinger den durch den Betrieb des Flughafens Tegel verursachten Lärm. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Flugbewegungen verdoppelt. Von einer Nachtruhe zwischen 22 Uhr und 6 Uhr, wie sie von den Betroffenen in den südlichen Bezirken und Berliner Randgebieten gefordert wird, können wir hier nur träumen. Wegen der verspäteten Eröffnung des BER wurde die Betriebsdauer von 23 Uhr auf 23.30 Uhr verlängert. Die neuen Vorgaben bezüglich der Ruhezeiten werden jedoch regelmäßig überschritten. In der Nacht vom 6. zum 7. Juli etwa starteten und landeten nach 23.30 Uhr mehr als zehn Maschinen. Drei Flugbewegungen gab es sogar noch nach Mitternacht, die letzte um 1.06 Uhr. Es ist nicht hinnehmbar, dass vorgegebene Ruhezeiten beim Flugbetrieb ständig ignoriert werden.

Wolfgang Pöhler, Spandau