Leserbriefe

"Ein soziales Foul"

Leser zur Maßgabe des Finanzsenators, Anwärter mit mangelhaftem Abschluss nicht zu übernehmen

Die Forderung des Personalrats der Finanzämter führt in die richtige Richtung. Es ist ein soziales Foul, Absolventen mit einer Vier als Note nicht zu übernehmen. Auch die haben immerhin die Abschlussprüfung bestanden. Der Nutzen eines jeden neuen Mitarbeiters ist eindeutig höher als die Kosten. Da man im Gegenzug viel mehr Belege kontrollieren und damit auch die staatlichen Einnahmen insbesondere bei Großverdienern und Kapitalanlegern verbessern kann. Deswegen tut gerade eine Partei wie die SPD, die sich die soziale Gerechtigkeit auf ihre Fahne geschrieben hat, gut daran, die Zusammenhänge zu erkennen, die für eine faire Lastenverteilung notwendig sind.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Die Senatsverwaltung für Finanzen räumt ein, dass bereits jetzt 78 Stellen in den Finanzämtern unbesetzt sind. Verschwiegen wird dabei, dass der von der Verwaltung selbst errechnete Stellenbedarf weit größer ist. Den Finanzämtern fehlen nämlich rund 700 weitere Stellen. Vor diesem Hintergrund ist es für die Beschäftigten unerträglich, dass sich der Finanzsenator weiterhin weigert, alle fertig ausgebildeten Anwärter zu übernehmen. Man hat den Eindruck, es handelt sich für ihn um eine Prestigeangelegenheit. Die oft weit besseren Noten für die praktische Ausbildung gehen nur zu einem geringen Teil in die Prüfungsnote ein. In den Finanzämtern gibt es viele ältere Kollegen, die seit Jahren gute Arbeit machen, aber gar nicht da wären, hätte es schon damals eine derart sture Haltung gegeben.

Jörg Bewersdorf, Ver.di

Die Situation bei den Berliner Finanzämtern ist ein weiteres von vielen Beispielen für die desaströse Personalpolitik des SPD-geführten Senats. Der unverantwortlich handelnde Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ist nicht nur für die massiven und servicefeindlichen Personaleinsparungen in allen Behörden zuständig, sondern auch für die ewige Trickserei bei der Tarifangleichung der Gehälter von Angestellten und Beamten zum übrigen Bundesgebiet. Obwohl man mit den Gewerkschaften vereinbart hatte, die Gehälter schrittweise jährlich zum 1. August um zwei Prozent anzugleichen, hat man dies in diesem Jahr einfach verschlafen.

Christian Bojé, Reinickendorf

Vor Umverteilung sollten vorhandene Steuerquellen ausgeschöpft werden

Zum Artikel: "Reiche sollen Staatshaushalt sanieren" vom 4. August

Wir Deutschen haben offenbar eine gestörte Wahrnehmung. Während die Bevölkerung in den notleidenden Euro-Staaten lautstark größere Zuwendungen aus Deutschland fordert, gehen wir gegen die noch in Deutschland verbliebenen Leistungsträger auf die Straße. Wäre es nicht sinnvoller, gegen die nicht mehr zu überblickenden internationalen Zahlungszusagen und -verpflichtungen der Bundesregierung zu demonstrieren? Denn dass eine reine Umverteilung von Vermögen in den Bankrott führt, hat die DDR nach der Vergesellschaftung des Privatvermögens nach dem Zweiten Weltkrieg bereits bewiesen.

Ilse Seikowski, per E-Mail

Ohne in die politische Diskussion zur Umverteilung eingreifen zu wollen, muss die Initiative für eine stärkere Besteuerung von Reichen und Topverdienern ("Umfairteilen") zum Abbau der Staatsschulden und zugunsten der Bildung und Energiewende daran erinnert werden, dass es vorrangig und als Sofortmaßnahme geboten und redlicher wäre, die aufgrund der allein jetzt schon bestehenden Steuergesetze geschuldeten Steuern hereinzuholen. Wegen der personellen Unterbesetzung schaffen die Finanzämter ihre Arbeit nicht mehr. Die auch deshalb geschätzten Steuerausfälle dürften mehrere Milliarden Euro betragen. Es sollten also zunächst vorhandene Steuerquellen ausgeschöpft werden, ehe neue Steuern eingeführt und bestehende Steuergesetze weiter verkompliziert werden. Wegen der desolaten Personallage in den Finanzämtern können die ohnehin nicht korrekt angewendet werden.

Jean Wandkowski, Frohnau

Spaßgesellschaft mit Tendenz zu einer gewissen Agonie

Zum Artikel: "Die Verlierer von London: Die Schwimmer holten bei den Spielen nicht eine Medaille. Auch Schützen und Fechter sind in der Krise" vom 6. August

Voluminöser Stadiongesang bei der nun schon oft gespielten britischen Hymne. Stolz, Lebensfreude ... Unser Multikulti-Olympia-Team hingegen bietet eher Durchschnittliches. Immerhin, in fast allen Statements bekennen unsere Sportler: "Wir hatten Fun!" Das ist ja schon mal etwas. Es trifft den Mainstream. Für mich hat diese Spaßgesellschaft etwas von Agonie, verbunden mit großer Ansteckungsgefahr für alle gesellschaftlichen Bereiche.

R. Stein, Köpenick