Leserbriefe

"Falsche Verkehrsprognosen"

Leser zu Plänen des Berliner Senats, mehr Radwege zu bauen und Parkplätze zu reduzieren

Die Steuern, die allein den Kraftfahrern für Anschaffung, Unterhalt und Kraftstoffe vom Staat abverlangt werden, übersteigen um ein Vielfaches alle Aufwendungen für den Bau und Unterhalt aller Autobahnen und anderen Straßen (einschließlich der dringend erforderlichen Parkplätze) zusammen. Das sollte den sich als aktiven Radfahrer outenden und als Fahrradbeauftragter unserer Stadt gerierenden Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) zum Umdenken seiner rein ideologischen Politik zwingen, auch wenn ihm noch so sehr Radfahren eine Herzensangelegenheit sein mag. Es muss daran erinnert werden, dass Mobilität Teil der Freiheit der Menschen ist. Es werden daher intelligentere Lösungen für den Individualverkehr gebraucht, die keineswegs den Autoverkehr behindern, erschweren oder gar planmäßig beeinträchtigen, sondern erheblich verbessern.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Prima, dass für die Fahrradfahrer von der Kfz-Steuer der Autofahrer noch mehr Radwege gebaut werden sollen und zum Dank dafür auch noch Parkplätze wegfallen.

Werner Otto, Lichtenrade

Immer wieder tauchen die von SPD und Grünen geschönten Statistiken auf, wonach der Radfahrverkehr zurzeit etwa 15 Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen ausmache. Dabei wird übersehen, dass die Häufigkeit der zurückgelegten Wege die Rechengrundlage ist. Da aber die Radfahrer sehr viel kürzere Wege als etwa Kfz-Nutzer und Fahrgäste im ÖPNV durchschnittlich zurücklegen, entsteht ein verzerrtes Bild. An jeder Straßenkreuzung kann man sich vom Gegenteil überzeugen, indem man die vorbeikommenden Verkehrsteilnehmer zählt. Sehr schnell ergeben sich dann in etwa folgende Zahlen:

40 Prozent Fußgänger, 30 Prozent ÖPNV-Nutzer, 25 Prozent Kfz-Insassen und höchstens fünf Prozent Radler. Daher ist unzweifelhaft, dass der Senat längst deutlich mehr Mittel für Fußgänger den Bezirken zur Verfügung hätte stellen müssen. Immer wieder ist zu beobachten, dass Gehbehinderte mit Rollatoren nicht die schlechten Gehwege nutzen können, sondern gefährlich auf den asphaltierten Fahrbahnen unterwegs sind.

Jürgen Czarnetzki, BI Spandauer Verkehrsbelange

Nun wollen also die Verkehrsverwaltung und der zuständige Senator Millionen für Radwege ausgeben, von denen die meisten Radfahrer nicht einmal wissen, dass es sie gibt. Gefahren wird bestenfalls auf der Straße, meistens aber auf dem Bürgersteig. Welche Veranlassung hat der Senat, diese Verkehrsteilnehmer so zu hofieren? Es gibt nur eine: das Erkaufen von Wählerstimmen.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Radfahren ist zweifellos gesund und zu empfehlen. Nur sollte nicht wieder einmal alles überzogen werden und - so typisch für den Berliner Senat - die Planungen ohne jede Einschränkung durchgeführt werden. Die Zahlenspiele, betreffend die Länge der Wege, die künftig mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, sind unrealistisch. Es wird dabei nicht an die Überalterung der Berliner Bevölkerung gedacht. Die Bevorzugung der Radfahrer führt zudem auch zu Spannungen mit den Autofahrern, die für die Straßen Steuern zahlen, aber diese immer weniger nutzen dürfen.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Die Pläne der Verkehrsverwaltung sind für mich der Aufreger der Woche: also noch mehr Fahrradwege auf der Straße. Am Beispiel der Reichsstraße in Westend sieht man: Dort fährt kein oder kaum ein Radfahrer auf dem separaten Radstreifen der Straße, dafür aber noch mehr rücksichtslose Radfahrer auf den Gehwegen. Fußgänger und besonders Kinder sind in größter Gefahr. Als Fußgängerin und Radfahrerin frage ich, wo soll da in Zukunft ein Mehr an Sicherheit für die Radfahrer herkommen? Lasst den Autofahrern die Straße und erzieht endlich die rücksichtslosen Fahrradfahrer.

Jutta Hess, Wilmersdorf

Deutsche Sprache in Wort und Schrift wird unzureichend gepflegt

Zum Artikel: "Voll crazy Grammatik" vom 31. Juli

Völlig unverständlich ist es, wie man diesem Kauderwelsch der jugendlichen Ausdrucksweise den Namen "Kiezdeutsch" gibt und es somit der deutschen Sprache zuordnet. Wie man dieses Gestammel von Unworten als "Turbodialekt" bezeichnet, zeigt, wohin sich unsere Kultur entwickelt. Es ist der Ausdruck einer geistigen Verarmung. Die deutsche Sprache in Wort und Schrift wird leider auch nicht mehr in einer ihr angemessenen Art gelehrt und gepflegt. Das merkt man immer wieder bei Vorstellungsgesprächen und bei den Bewerbungen der Jugendlichen. Aber im Geschäftsleben setzt man eine richtige deutsche Sprache voraus. Für meine Ohren ist es ein Graus, dieses sogenannte Kiezdeutsch zu hören.

Evelyne Kalla, Tempelhof