Leserbriefe

"Merkwürdige Geheimniskrämerei"

Leser zu den Ergebnissen des Brandschutztests für den neuen Großflughafen BER in Schönefeld

Dass der Test an einer Entrauchungsanlage so viel öffentliches Interesse verursacht, ist ziemlich ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist die ganze Geheimniskrämerei darum und die Tatsache, dass der Miteigentümer Bundesrepublik Deutschland - vertreten durch das Bundesverkehrsministerium - nicht dabei sein durfte. Solche öffentlichen Projekte brauchen viel mehr Transparenz, ohne die wird es weiter Probleme geben. Wann lernt dies das Management?

Christian Lukner, per E-Mail

Das wäre ja auch ein Ding gewesen, wenn nicht alles glatt verlaufen wäre. Aber die Eröffnung des BER und die Schließung von Tegel und Schönefeld an einem Tag werden nicht funktionieren. Wer nicht unbedingt fliegen muss, sollte die ersten vier Wochen nach der Öffnung des BER meiden. Ein seichter Übergang mit Offenhalten von Tegel wäre sicher die bessere Lösung. Das Thema Flughafen wird uns noch lange über den Eröffnungstermin von BER hinaus begleiten.

Andreas Müller-Reichenwallner, Tegel

Die Berliner und alle Beteiligten und Betroffenen werden mit dem Geschehen rund um den neuen Großflughafen enorm auf die Folter gespannt. Der jetzt offensichtlich erfolgreich verlaufene Test der Entrauchungsanlage ist aber keineswegs ein Garant dafür, dass der auf März 2013 verschobene Eröffnungstermin tatsächlich gehalten wird.

Tobias Schubert, Charlottenburg

Trotz finanzieller Abstriche gehen immer mehr Deutsche früher in Rente

Zum Artikel: "Zahl der Rentner in Deutschland gestiegen" vom 7. Juli

Würde die Politik die Bürger abstimmen lassen, wären 55 Prozent für eine Rücknahme der Rentenreform. 77 Prozent der Bundesbürger halten laut einer ARD-Umfrage die Erhöhung des Rentenalters für das, was sie ist, eine versteckte Rentenkürzung. Nicht immer, aber auf jeden Fall hier, sollte man auf das Gefühl der Bürger hören. Ist der Politik bewusst, dass unsere älteren Mitbürger trotz erheblicher Einbußen immer früher in Rente gehen (müssen). Im Jahr 2000 waren es noch 14,5 Prozent, 2009 41,2 Prozent und 2010 sogar 42,5 Prozent der Rentner, die frühzeitig in Rente gingen. Die Mehrheit musste dies aus gesundheitlichen Gründen und trotz finanzieller Einbußen tun. Die Folge ist, dass immer mehr Rentner in Altersarmut geraten beziehungsweise auf Grundsicherung angewiesen sind. Die meisten, die nach der neuen staatlichen Gesetzgebung zwischen 62 und 65 Jahren vorzeitig in Rente gehen, werden im Schnitt 7,2 Prozent weniger Rentenbezüge erhalten. Männer gehen heute durchschnittlich mit 62,9 Jahren in Rente, Frauen mit 63,5 Jahren. Was soll eine Erhöhung des Rentenalters, wenn keine geeigneten Arbeitsplätze für diese Arbeitnehmer zur Verfügung stehen?

Detlef Crossmann, Brielow

Mitsinger der Nationalhymne zumindest für die Startelf nominieren

Zum Artikel: "DFB-Sportdirektor Dutt will niemanden zum Singen zwingen" vom 26. Juli

Das Mitsingen unserer Nationalhymne vor Länderspielen ist kein Zwang, aber ein brennendes Thema in Deutschlands Fußballwelt. Daher sollte es für Nationalspieler eine Selbstverständlichkeit und Ehre sein. So hat der neue Sportdirektor Robin Dutt, zuständig beim DFB für alle Auswahlmannschaften unterhalb der A-Nationalmannschaft, völlig recht, wenn er es für zu spät hält, erst im A-Bereich das Mitsingen unserer Hymne zu thematisieren. Wenn Dutt eine zwangsweise "gemeinsame Singpflicht" für Nationalspieler zwar nicht für opportun hält, so kann er aber bei der großen Auswahl unseres talentierten Nachwuchses eben die Mitsinger aus Überzeugung zumindest in die jeweilige Start-Elf berufen. Schließlich repräsentieren diese Auswahlspieler unser Vaterland.

Regina Werpuschinski, Frohnau

Berlins Beamte haben deutliche Einbußen bei der Kaufkraft

Zum Artikel: "Wirtschaft - Kaufkraft der Deutschen seit 1991 unverändert" vom 25. Juli

Interessant sind die Ermittlungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, wonach die Löhne in Westdeutschland seit 1991 um 45 und die Preise um 43 Prozent gestiegen sind. Der Preis für ein Bier erfordert heute wie 1991 eine Arbeitszeit von drei Minuten. Für einen Liter Superbenzin muss man statt der einst vier jetzt sechs Minuten arbeiten. Es wäre gut, wenn nun auch die arbeitnehmernahen Institute und die Gewerkschaften ihre Ergebnisse vorlegen würden. Das gilt besonders für den Westteil der Stadt und die dortigen Landesbediensteten. Berlins Beamte haben einen mindestens 16,5-prozentigen Besoldungsrückstand gegenüber Bundesbeamten und somit einen deutlichen Kaufkraftverlust.

Norbert Gewies, Konradshöhe