Leserbriefe

"Beschämende Hilflosigkeit"

Leser zu den Attacken krimineller Hütchenspieler und den Problemen der Polizei bei der Ermittlung

Wenn es um Drogendelikte geht, hat die Staatsanwaltschaft und die Polizei genügend Personal, auch auf der Straße. Aber wenn es um Bedrohung und Betrug geht, wie schon jahrelang bei den Hütchenspielern in den bekannten Straßen und auf den Plätzen, da kommt der Senat, die Staatsanwaltschaft und die Polizei recht schnell an ihre Grenzen. Wie sehen das wohl unsere Touristen, die bedroht und beklaut werden? Ob die wohl wiederkommen?

Lothar Wirth, per E-Mail

Auch wir konnten am 10. Juli in der Mittagszeit auf dem Kurfürstendamm Hütchenspieler beobachten, die einen jungen Touristen in den Fängen hatten. Alle Leute, die den Eindruck erweckten, dass sie spielen würden, gehörten zu der Hütchenspieler-Bande. Als wir uns lautstark einmischten und in das Spiel hineinriefen, "das ist Betrug, lass das sein!", wurden wir plötzlich von zwei Männern aufgefordert, weiterzugehen. Sie nahmen eine bedrohliche Haltung ein, und wir verließen den Spielort, weil wir Angst um unsere Gesundheit hatten. Den jungen Touristen aus Frankfurt am Main sprachen wir etwas später noch an, und er sagte uns, dass er 100 Euro verloren hätte. Wir rieten ihm, das bei der Polizei anzuzeigen. Es kann nicht sein, dass in der Hauptstadt solche betrügerischen Machenschaften auf öffentlichem Straßenland stattfinden und keine Polizei zu sehen ist. Es ist peinlich, so bei den Touristen in Erinnerung zu bleiben.

J. u. C. Leuschner, Neukölln.

Anfang Juni saß ich mit ein paar Freunden in einem Café am Kranzler-Eck. Dabei beobachteten wir in unmittelbarer Nähe Hütchenspieler, die ungestört Passanten betrogen haben. Ich habe mich fast nicht getraut, mit meinem Telefon die Polizei anzurufen. Um 18.05 Uhr habe ich dort die Aktivitäten der Kriminellen gemeldet. Der Polizist am Telefon hielt mir einen Vortrag darüber, dass bis zum Eintreffen der uniformierten Polizei diese Kriminellen ohnehin wieder verschwunden seien und ein Einsatz zwecklos sei. Außerdem hätten diese Hütchenspieler keinen festen Wohnsitz, und man könne sowieso nichts bewirken. Besonders bemerkenswert und belustigend fanden wir, dass ein vorbeifahrendes Polizeiauto die Hütchenspieler offensichtlich nicht störte - sie trieben ihr böses Spiel munter weiter.

Frank Weiß, Mitte

Gesundheitsminister muss dem Treiben ein Ende setzen

Zum Artikel: "Sündenfall der Organspende" vom 21. Juli

Diese aufgedeckten, äußerst dubiosen Praktiken sind doch nur die Spitze eines Eisberges. Wie können die Verantwortlichen so etwas zulassen? Für die wartenden Patienten ist das eine Katastrophe. Der Gesundheitsminister ist jetzt gefordert, diesem Treiben ein Ende zu bereiten.

Christoph Luban, per E-Mail

Fahrscheinkontrollen in der U-Bahn sind offensichtlich und vorhersehbar

Zum Artikel: "Kriminalstatistik: Mehr Diebstähle, weniger Schwarzfahrer" vom 23. Juli

Der Rückgang bei den Schwarzfahrern um 52,1 Prozent bei der BVG kommt nicht daher, dass es weniger Schwarzfahrer gibt. Früher waren die Kontrolleure nicht oder kaum zu erkennen. Heute kann man im U-Bahn-Zug die Schwarzfahrer schon erkennen, sobald Kontrolleure mit ihrer schmucken Dienstbekleidung auf den Bahnsteigen stehen. Dann gibt es Fahrgäste, die genau hinsehen, was die Kontrolleure machen. Wenn diese sich zum Zug bewegen, begeben sich die Schwarzfahrer aus der U-Bahn nach draußen auf den Bahnsteig. Und zu dem Anstieg der Vorfälle wie Diebstähle und Rohheitsdelikte muss man mit Bedauern feststellen, dass die CDU im September seit einem Jahr als Koalitionspartner der SPD mit in der Verantwortung ist. Sie und vor allem ihr Landesschef, Bürgermeister und Innensenator Frank Henkel, haben vor der Wahl viel angeprangert und versprochen. Aber bei der Umsetzung hapert und rumpelt es.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Blamage für Regierung und die Bundestagsabgeordneten

Zum Artikel: "Urteil gefährdet Bundestagswahl 2013 nicht" vom 25. Juli

Auch wenn das Urteil vom Bundesverfassungsgericht, welches das novellierte Wahlgesetz für unzulässig erklärt, die Bundestagswahl 2013 nicht gefährdet, so ist es doch eine Blamage für die Regierung und die Bundestagsabgeordneten. Da schon mehrmals das Bundesverfassungsgericht Beschlüsse des Bundestages widerrufen hat, sollte man ernsthaft überlegen, ob man die Anzahl der Bundestagsabgeordneten nicht verringern kann, zumal die EU immer mehr für alle EU-Staaten bindende Beschlüsse fasst.

Wolfgang Priese, per E-Mail