Leserbriefe

"Undurchdachte Konzepte"

Leser zu dem Flughafen-Desaster in Schönefeld und den Überlegungen zur Nachnutzung von Tegel

Mich entsetzen immer mehr die völlig in den Sand gesetzte Planung und die anfallenden Kosten. Es muss sich um viel mehr als nur Brandschutz handeln, wobei der Vorwurf der Unfähigkeit an unseren Regierenden immer lauter wird, aber bisher ohne jegliche Folgen. Zusätzlich sollten sich auch alle Befürworter der Tempelhof-Schließung mal fragen, was billiger war, die zusätzlichen Kosten von einigen läppischen Millionen für Tempelhof oder die jetzt noch nicht richtig abzuschätzenden mindestens wohl zusätzlichen 1,2 Milliarden Euro für den BER in Schönefeld? Auch macht mir die geforderte schnelle und nicht richtig durchgeplante Schließung von Tegel große Sorgen. Es kann nicht ohne Folgen bleiben, wenn eine Millionenmetropole wie Berlin ihre Verkehrskapazitäten von sechs Start- und Landebahnen auf künftig nur noch zwei reduziert.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Die Berliner Morgenpost schreibt, dass die Berliner Flughafengesellschaft (BFG) bei der Luftfahrtbehörde des Landes die Genehmigung zur Schließung von Tegel zum 3. Juni 2012 widerrufen hat. Was wäre eigentlich passiert, wenn die Behörde dem Widerruf nicht stattgegeben hätte? Berlin hätte nur den alten Schönefelder Flughafen weiterbetreiben dürfen. Mann, wäre das ein Erlebnis geworden!

Bernd Kaczmarek, per E-Mail

Ich fände es erfreulich, wenn die Fanmeile auf dem Tempelhofer Feld unsere Verwaltung dazu inspiriert, über die Nachnutzung des Flughafens Tegel neu nachzudenken. Der könnte nämlich mit seinem markanten Gebäude ein neuer Treffpunkt für alle Arten Feste in der Jungfernheide, die neue Fanmeile werden, zumal jeder Berliner und Berlin-Besucher diesen öffentlichen Ort kennt: "Zentraler Festplatz Otto Lilienthal". Man muss sich vom Brandenburger Tor auch mal trennen können und das Regierungsviertel noch anders zur Geltung bringen, Öffentlichkeit dort anders erreichen als im "kieziger" werdenden Regierungsviertel.

Jürgen Spiegel, Neukölln

Am Ort des Erinnerns auf Würstchen- und Dönerbuden verzichten

Zum Artikel: ",Soll eine Eisdiele an den Kalten Krieg erinnern'" vom 23. Juli

Was Sie da beschreiben, ist ein Stück aus dem Berliner Tollhaus. Fast 23 Jahre nach dem Mauerfall ist der jetzige Senat und waren die vorherigen Landesregierungen nicht in der Lage, den Checkpoint Charlie so zu gestalten, wie es die Geschichte dieses Ortes verlangt. Dieser Ort ist ein Ort des Erinnerns und sollte nicht vom Kommerz dominiert werden. Dafür muss Geld der öffentlichen Hand eingesetzt werden, damit man auf den derzeitigen Rummel sowie auf Würstchen- und Dönerbuden verzichten kann.

Lothar Wirth, per E-Mail

Die Stimmung im Lande spricht für eine Rückkehr zur D-Mark

Zum Artikel: "Angst vor Staatsbankrott: Madrid und Athen verunsichern die Märkte" vom 27. Juli

Gäbe es nächste Woche einen Volksentscheid in Deutschland zur Wiedereinführung der D-Mark, hätte auch zwischen der Insel Rügen und der Stadt München die letzte Stunde des Euro als Währung geschlagen. Die Wahlbeteiligung bei diesem Volksentscheid läge bei etwa 100 Prozent, und im ganzen Land wären spontane Volksfeste und Partys - auch ohne Hilfe von Facebook - zu erwarten. Der Euro wird hierzulande geduldet, aber nicht geliebt wie einst die D-Mark, an der noch heute viele hängen.

Albert Alten, per E-Mail

Plan für die Energiewende war unnötiger Schnellschuss

Zum Artikel: "Der Kommunikator" vom 23. Juli

Bismarck zeichneten vor allem seine Geradlinigkeit und sein visionäres Denken aus, was man gerade bei der Energiewende vermisst. Die ist ja nichts anderes als ein voreiliger Schnellschuss nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima vor einem Jahr. Folglich ist die propagierte Energiewende ohne Plan und Konzept. Was ist denn jetzt mit dem Atomausstieg? Und von den Endlagern hört man gar nichts mehr. Die Lösung dieser zentralen Frage müsste doch zuerst angepackt werden, denn sie ist Voraussetzung für alles andere. Ohne Endlager kein Atomausstieg, ohne Atomausstieg keine Energiewende. Und auch die Solarenergie ist keine wirkliche Alternative, Deutschland gehört nun mal eher zu den Ländern mit einer geringeren Sonnenscheindauer. An diesen Fakten kann man nichts ändern, auch wenn es die Politik immer wieder vergeblich versucht. Die Solarenergienutzung ist stark wetterabhängig, übrigens auch im Sommer, wie man gerade an den unbeständigen Wetterverhältnissen sieht.

Christian Lukner, per E-Mail