Leserbriefe

"Ein architektonischer Sündenfall"

Leser zum Streit über den Glaserker von Bruno Taut, der am Jagdschloss Glienicke angebracht werden soll

Mit Erschrecken las ich, dass Landesdenkmalpfleger Prof. Haspel die Fassade des Jagdschlosses mit dem Tautschen Glaserker erneut verunstalten möchte. Eine einmal festgelegte Meinung muss durchgeboxt werden, da man sonst das Gesicht verlieren könnte. Auch Geld spielt dann keine Rolle. Könnte in diesem Fall Herr Haspel nicht einmal die Stärke haben, auf Tausende engagierte Bürger Berlins zu hören und auf den Glaserker zu verzichten?

Wolfgang Liebehenschel, per E-Mail

Der Glaserker war schon damals eine Bausünde. Wie kann man heute noch darauf bestehen, diese als Zeugnis für irgendeinen Zeitgeist für alle Zeiten zu erhalten? Der Erker war eine Verschandelung des Schlosses und Zerstörung der architektonischen Harmonie des gesamten einmaligen Schlösserensembles. Sollte der Erker gegen jeden Widerstand doch wieder eingebaut werden, gehört eine große Informationstafel davor, auf der die Verantwortlichen erklären, warum sie auf Wiederherstellung dieser Hässlichkeit bestanden haben. Es ist eine schreckliche Vorstellung, dass die Nachwelt dann mit diesem Anblick weiterleben müsste.

M. Peters, per E-Mail

Nach einer eingehenden Besichtigung der Schlossanlage Mitte November 2011 (insbesondere der Innenräume) wurde mir und weiteren Personen ein Einblick in den der strittigen Fassade angrenzenden Bereich ermöglicht. Hierbei wurde sofort klar, dass, wenn die Taut-Fassade eliminiert würde, die hervorragende innere Funktion im Sinne des Wortes ruiniert wäre. Die hier für Schulungszwecke geschaffenen Räume sind optimal zugeordnet und für multifunktionale Nutzungen prädestiniert. Käme die Auferstehung der alten Fassade, wäre auch der wesentliche Teil des Hauses, nämlich der Bereich für Seminar- und Schulungszwecke, "entsorgt". Und somit entfiele der Nutzwert, Sinn und Inhalt der Schulungsstätte. Die Personen, die nur Äußerlichkeiten betrachten, verharren in Stagnation. Es kann der Verdacht aufkommen, dass sie die Meinung einer Lobby vertreten, die eine Nutzung anstrebt, die durch die entsorgten Räume dann wieder möglich ist. Brandenburgs oberster Denkmalpfleger Detlef Karg kritisiert nicht von ungefähr, dass es zu viel Rekonstruktion gibt. Und was für Potsdam gilt, das gilt auch für Berlin

Klaus-Jürgen Schlott, per E-Mail

Ich halte es für absolut widersinnig, den Glaserker von Max Taut aus dem Jahre 1963 wieder aufzubauen. Die Umgestaltung des Schlosses durch Taut war ein architektonischer und historischer Sündenfall beachtlichen Ausmaßes. Wir können froh sein, dass dieser Glaserker abgerissen werden musste.

Dr. Wolfgang Lipps, Grunewald

Ich bin sehr erschüttert darüber, dass alle mit Inbrunst in die Oper oder in das Konzert rennen, aber Architektur so ein Schattendasein im Bewusstsein führt. Barocke Architektur ist menschliches Maß: gesund, interessant im Entdecken kleiner Figuren, Erker, Balkone und Säulen. Im Verhältnis zu den Einnahmen ist doch der Anteil der Kosten für Kunst am Bau, wenn man mindestens eine 40- bis 100-jährige Haltbarkeit der Bausubstanz betrachtet, geradezu lächerlich. Und der neu gebaute Erker dürfte mit modernen Techniken wesentlich billiger und haltbarer sein.

Angelika Gerth, per E-Mail

Baaske wäre eine gute Wahl für den Aufsichtsrat des BER

Zum Artikel: "Der Arbeitsminister als Müllmann" vom 19. Juli

Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) verdient unsere Hochachtung - ein Politiker, dem man kein X für ein U vormachen kann und der weiß, wovon er redet, da er sich hautnah mit Problemen beschäftigt, diese aufgreift und zu Lösungen beiträgt. Mit ihm im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft hätte man sich sicher so manche Blamage erspart. Ich würde ihn gern im Aufsichtsrat sehen und möglichst als Chef anstelle seiner Parteigenossen, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck.

Klaus Küller, per E-Mail

Mit Gerede und viel Geld werden Verbände bei der Stange gehalten

Zum Artikel: "Alle in einem Boot mit Blatter" vom 18. Juli

Wer so viele Jahre und Jahrzehnte mit Sport und speziell Fußball zu tun hat, weiß doch, dass es nur ums Geld geht. Fifa und Uefa richten Meisterschaften aus - und die Fernseh- und Unterhaltungsbranche muss zahlen. Die Fußballverbände, speziell die kleinen, hält man bei der Stange - mit dem Gerede von Blatter und natürlich mit Geld, damit der wiedergewählt wird.

Lothar Wirth, per E-Mail