Leserbriefe

"Wenig motivierte Mitarbeiter"

Leser zu den Ergebnissen einer Umfrage, wonach Berlin bundesweit die schlechteste Verwaltung hat

Es ist für mich keine Überraschung, dass Berlin die schlechteste Verwaltung Deutschlands hat, und das, obwohl ich einmal beim Berliner Senat gearbeitet habe. Schon lange ärgere ich mich über die Arroganz und Gedankenlosigkeit, mit der vor allen Dingen der Wowereit-Senat die Mitarbeiter in den Amtsstuben behandelt. Seit vielen Jahren sind die von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt und erhalten fast zehn Prozent weniger Gehalt als ihre Kollegen im übrigen Bundesgebiet. Dazu kommen massive Stellenkürzungen, die zu Arbeitsverdichtung führen und auf Kosten des Bürgerservices gehen. Die besten Beispiele für das Verwaltungschaos sind die Zustände in den Bürgerämtern und die viel zu lange Bearbeitungszeit von Steuerbescheiden bei den Finanzämtern. Die Reihe ließe sich fortsetzen mit der mangelhaften Personalausstattung bei den Lehrern, bei der Polizei und der Feuerwehr sowie im Landesverwaltungsamt Berlin. Ich habe mir 25 Jahre lang anhören müssen, dass die Verwaltung von Vorschriften entrümpelt werden und effizienter arbeiten muss. Nichts ist passiert. So ist die Vergleichsstudie aus München auch kein Berlin-Bashing, sondern einzig und allein die Wahrheit, wie jeder Bürger tagtäglich feststellen kann. Doch man sollte seinen Frust und Ärger nicht bei den einzelnen pflichtbewussten Sachbearbeitern ablassen, sondern gleich an höherer Stelle bei den politisch Verantwortlichen.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Es ist doch nicht verwunderlich, dass hier die Hauptstädter am schlechtesten abschneiden. Vom obersten Dienstherrn wurde doch gespart, bis es quietscht, natürlich nur in der mittleren und untersten Ebene. Der Angestellte im öffentlichen Dienst in Berlin ist am Ende der Gehaltsskala angelangt. Wo soll da die besondere Motivation für die Arbeit herkommen?

Thomas Hansen, per E-Mail

Auf derartige Vorschläge können wir gern verzichten

Zum Artikel: "Europa-Abgeordneter will Parkgebühren in Berlin erhöhen" vom 15. Juli

Kein Wunder, dass ein Europaabgeordneter auf solch eine Idee kommt. Diese Klientel erhöht sich ihre Diäten, bekommt auf Kosten der Steuerzahler einen Dienstwagen und die Reisekosten zum jeweiligen Wohnort bezahlt. Deshalb kann man ja auch Sorge dafür tragen, dass für den Normalbürger zusätzlich zu den enormen Fahrtkosten auch noch die Parkgebühren erhöht werden. Was bildet sich dieser Abgeordnete eigentlich ein? Auf solche EU-Parlamentarier können wir verzichten.

A. Panske, per E-Mail

Michael Cramer ist ein Denkfehler unterlaufen. Als Autofahrer bezahle ich bereits Fahrgeld in Form des überhöhten Benzinpreises, in dem mehr als 60 Prozent an Steuern enthalten sind.

Edelgard Richter, Wilmersdorf

Unglaublich, was die beiden auf ihrer Flucht alles erlebt haben

Zum Artikel: "Die vergessene Schrift" vom 18. Juli

Von meiner Mutter habe ich auch eine alte Pappschachtel aufgehoben, in der sich Aufzeichnungen in "fremder Schrift" befanden. Nachdem ich 2010 pensioniert wurde und in das Elternhaus an die Nordsee gezogen bin, habe ich mir die Sachen mal vorgenommen. Es waren die täglichen Notizen meines Großvaters, der 76-jährig zusammen mit meiner Mutter 1945 aus Schlesien geflüchtet ist. Unglaublich, was die beiden alles erlebt haben!

Gero Neumann, per E-Mail

1938 wurde ich eingeschult, und unsere Schreibschrift war Sütterlin. Ab 1939 wurde die lateinische Schrift als Schönschrift gelehrt. Unser Mütterlein, Jahrgang 1904, lehnte es ab, lateinisch zu schreiben. Sie wohnte in West-Berlin und besuchte uns häufig in Ost-Berlin. Auf der Zollerklärung schrieb sie selbstverständlich auch in Deutsch. Die Grenzer konnten die Schrift nicht lesen und fragten, was das heißt. Meine Mutter sagte immer: "Ich bin Deutsche und schreibe deutsch!" Nach vergeblichen Versuchen, die Schrift zu entziffern, ließen sie "die komische Alte" durch. Meine Liebesbriefe schrieb ich auch in Sütterlin, weil kein Außenstehender meine Zeilen lesen sollte.

Bernd Müller, Mahlsdorf

Ich bin Jahrgang 1930. Der Begriff Sütterlin war kaum bekannt, man sprach eigentlich nur von der "deutschen Schrift". Diese wurde dann zur Erleichterung der internationalen Beziehungen durch die "lateinische Schrift" ersetzt. Die deutsche Schrift war ansehnlicher, fand deshalb auch im Fach "Schönschreiben" Anwendung. Die "Sauklaue" wurde erst nach Einführung der lateinischen Schrift durch deren flüssigere Schreibweise verbreitet. Auch nach 1941 wurde Sütterlin noch gelehrt. Meine Frau, Jahrgang 1944, hatte noch in der 5. Klasse Unterricht in diesem Fach.

Horst Maciejewski, Rudow