Leserbriefe

"Eine weitere Abzockerei"

Leser zu Plänen der EU-Kommission in Brüssel, ältere Autos jährlich beim TÜV vorzustellen

Die Überlegungen von Europa-Politikern, ältere Autos jährlich beim TÜV vorfahren zu lassen, ist nichts als eine weitere Abzockerei. Immer weniger Deutsche können sich ein neues Auto leisten, Benzin- und Werkstattkosten steigen jedes Jahr rasant an. Autofahren in Deutschland ist längst purer Luxus geworden. Dieser unsinnige Vorschlag führt nicht zu mehr Sicherheit, denn fast alle Verkehrsunfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen. Der Vorschlag der EU-Kommission sollte sofort ausgebremst und in den Papierkorb geworfen werden. Wie wäre es, wenn die EU-Politiker zur Harmonisierung in Europa bei der TÜV-Debatte die deutsche Zwei-Jahres-TÜV-Regelung einheitlich in Europa einführen? Dieser Sicherheitsstandard hat sich seit Jahrzehnten bewährt und greift Autofahrern nicht unnötig in das Portemonnaie.

Albert Alten, per E-Mail

Für EU-Politiker mit ihren satten Gehältern ist ein jährlicher TÜV natürlich nur ein Trinkgeld. Welcher Rentner mit geringem Einkommen, der sein Fahrzeug überwiegend für Arztbesuche und den wöchentlichen Einkauf benötigt und wegen der hohen Kfz-Kosten die meisten Gänge per Fahrrad oder zu Fuß erledigt, kann sich alle 3000-6000 Kilometer eine TÜV-Überprüfung leisten, geschweige denn alle sechs Jahre ein neues Auto? Das Zustandekommen der Regelung in dieser Form wäre eine soziale Härte. Dagegen muss massiv angegangen werden.

Willi Juhnke, Mariendorf

Lage in den Bürgerämtern hat sich dramatisch verschlechtert

Zum Artikel: "Geduldsprobe im Bürgeramt" vom 12. Juli

Es sind doch herrliche Bilder, die multikulturelle Wartegemeinschaft in den Berliner Bürgerämtern zu sehen. Haben es die Bürger unserer Hauptstadt nicht verdient, von den Staatsdienern in angemessener Zeit bedient zu werden? Es ist doch nicht hinnehmbar, dass die Bürger in den Bürgerämtern sich häufig wochenlang vorher für den Erhalt eines Stempels oder einer anderen Dienstleistung einen Termin erbetteln müssen. Die Bürgerämter wurden doch vor nicht allzu langer Zeit auch deshalb eingeführt, um Bürokratie abzubauen und die Beziehung zwischen Bürger und Staat zu verbessern. Der Bericht zeigt aber, dass sich die Lage katastrophal verschlechtert hat.

Gert Luft, Marzahn

Föderales Bildungssystem hat auf der ganzen Linie versagt

Zum Artikel "Bildung - Jeder zehnte Berliner ohne Abschluss" vom 6. Juli

Die jüngste Erhebung des Caritas-Verbands, wonach in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2009 sogar 16,2 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss verließen, muss Bildungspolitiker und die Wirtschaft, ja ganz vorrangig die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten aus dem Schlaf reißen. Der demografische Schrumpfungsprozess und die zudem derzeit weit mehr als drei Millionen Arbeitslosen sowie Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten zwingen zum ernsthaften schnellen und entschlossenem Handeln. Hier wird klar deutlich, dass unser föderales Bildungssystem auf der ganzen Linie versagt hat. Auch die im Ländervergleich niedrigste Quote der Schulabgänger ohne Abschluss von 5,95 Prozent in Baden-Württemberg kann nicht beruhigen. Die dort vergleichsweise gute beziehungsweise gar wesentlich bessere Bezahlung der Lehrer als im sonstigen öffentlichen Dienst der Bundesrepublik müsste eigentlich noch wesentlich bessere Ergebnisse ermöglichen.

Norbert Gewies, Konradshöhe

Bekannte Probleme wurden viel zu lange unter den Teppich gekehrt

Zum Artikel: "Blatter-Dämmerung" vom 14. Juli

Was jetzt alles angeblich zum Vorschein kommt in der Affäre um Fifa-Präsident Sepp Blatter und Funktionäre wie Joao Havelange und Ricardo Teixeira ist doch uralt. Da wurden mit Millionenbeträgen Stimmen gekauft, da wurden Europa- und Weltmeisterschaften verkauft - natürlich auch gegen sehr hohe Summen. Da wurde bei nicht richtig abgegebener Stimme für den richtigen Vorsitzenden mit finanziellen Sanktionen oder bei nicht genehmer personeller Besetzung mit Rauswurf aus dem Fußballverband gedroht. Jetzt plötzlich kommen die Herren vom DFB - und andere, die schon in Rente sind - aus der Deckung. Das ist schäbig und dem Fußball als solches nicht angemessen. Es gibt nur eine Lösung des Problems: Alle nationalen Fußballverbände, die der Uefa und der Fifa angehören, müssen diese Herren so unter Druck setzen, dass sie ihren Hut nehmen. Wie das gehen soll? Ganz einfach. Es wird so lange keine EM und WM gespielt, bis diese Herren gegangen sind - alle.

Lothar Wirth, per E-Mail