Leserbriefe

"Familienpolitik hat versagt"

Leser zu der Diskussion über den Sinn des einst von der großen Koalition eingeführten Elterngeldes

Der demografische Wandel in Deutschland wird immer dramatischer. Die Geburtenzahlen sanken im Jahr 2011 trotz Kinder- und Elterngeld auf ein neues Rekordtief. Die USA schneiden mit einer Geburtenrate von 2,06 gegenüber 1,37 in Deutschland wesentlich besser ab, obwohl es dort weder Kinder- noch Elterngeld gibt. Die schrödersche Familienpolitik hat daher versagt und muss umgehend auf den Prüfstand. In meinen Augen wäre es wesentlich sinnvoller, für neugeborene Babys das Kinder- und Elterngeld ganz zu streichen und stattdessen eine einmalige Demografieprämie in Höhe von 10.000 Euro pro Baby auszuschütten. Darüber hinaus sollten für jedes neugeborene Kind in Ganztagseinrichtungen wie Kita, Kindergarten und Schule keine Gebühren anfallen, wenn deren Eltern weniger als 50.000 Euro im Jahr verdienen.

Roland Klose, per E-Mail

Das Herumgeeiere um die dringend notwendige Familienförderung muss aufhören. Dazu gehört erst einmal eine klare Wertegrundlage, die nachhaltig verfolgt werden müsste. Unsere Gesellschaft braucht für die Zukunft unseres Volkes weitaus mehr Nachwuchs als heute. Dazu bedarf es verantwortungsvoller junger Familien mit Kinderwunsch, die ihre bis Dreijährigen weitgehend selbst erziehen und denen unsere Gesellschaft dafür ein auskömmliches Einkommen zusichert. Für die bis zu Dreijährigen, die die Eltern nicht selbst erziehen wollen oder können, müssen ausreichend Krippenplätze zur Verfügung stehen. Eltern, die Hilfe bei ihren Erziehungsaufgaben benötigen, sind professionelle Unterstützungsleistungen ausnahmslos zu gewähren. Kita- (für die ab Dreijährigen) und Schulbesuch (ab sechs Jahren) sind darauf auszurichten, dass später möglichst alle Kinder einen ordentlichen Abschluss als Vorbereitung auf ein erfolgreiches Arbeitsleben nachweisen können.

Regina Werpuschinski, Frohnau

Höhere Kosten in der Innenstadt müssen kompensiert werden

Zum Artikel: "Illegales Geschäft mit Kitaplätzen" vom 7. Juli

Die geäußerten Kritikpunkte sind an vielen Stellen berechtigt und die Auswüchse, was Zusatzbeiträge betrifft, bei manchen Trägern alles andere als begrüßenswert und nachvollziehbar. Es muss auch darauf hingewiesen werden, dass Kitas in Innenstadtbezirken im Gegensatz zu Einrichtungen in den Randbezirken oftmals das Vielfache an Miete zahlen. Vom Senat bekommt eine Kita im Wedding aber genau dasselbe Geld zur Verfügung gestellt wie eine Kita in der City, wo aktuell jedoch mit die meisten Betreuungsplätze benötigt werden. Zusatzbeiträge sind somit oftmals die einzige Möglichkeit der Kitas, dieses Ungleichgewicht bei der öffentlichen Finanzierung auszugleichen. Eltern, die in die Innenstadtbezirke ziehen und ihre Kinder standortnah betreut wissen wollen, sollten sich dessen vorher bewusst sein. Zum Zahlen von zusätzlichen Beiträgen darf, kann und muss im Übrigen niemand gezwungen werden.

Markus Koch, per E-Mail

Geschickter Schachzug, Neubau rascher zu erzwingen

Zum Artikel: "Der Umzug der Surrealisten" vom 23. Juni

Der Umzug der Sammlung Alter Meister aus der Leere des Kulturforums auf die boomende Museumsinsel ist seit vielen Jahren vorgesehen. Da das Bodemuseum für diese Sammlung zu klein ist, wird dort seit Langem ein Erweiterungsbau geplant. Wenn dieser Umzug nun stattfinden soll, bevor der Erweiterungsbau errichtet ist, so ist dies ein sehr geschickter Schachzug, den Erweiterungsbau rascher zu erzwingen. Der Plan, das Bodemuseum zu erweitern, um die große Sammlung Alter Meister auf die Museumsinsel zu holen, würde sich um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte verschieben, wenn der Druck jetzt nicht ganz groß gemacht würde, schließlich wurde die James-Simon-Galerie von Chipperfield gerade erst begonnen, der Umbau des Pergamonmuseums aber noch nicht. Parallel zu diesen Großbaustellen die Erweiterung des Bodemuseums finanziell durchzusetzen ist der Grund für diese Rochade, die merkwürdigerweise fast niemand verstehen will.

Prof. Stephan Braunfels, Architekt, Kreuzberg

Deutsche Geschichte kennt keine Gerechtigkeit

Zum Artikel: "Urteil ohne Wahrheit" vom 7. Juli

Das Urteil gegen RAF-Terroristin Verena Becker wegen Beihilfe zum dreifachen Mord ist sehr milde. Die Wahrheit, wer Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen hat, bleibt weiterhin auf der Strecke. Ausfindig machen konnte das Gericht den Täter nach diesem langen Gerichtsverfahren nicht. Für den Sohn des ermordeten Generalbundesanwalt, Michael Buback, bleibt am Ende nur die bittere Erkenntnis, dass die deutsche Geschichte keine Gerechtigkeit kennt.

Albert Alten, per E-Mail